Qualitative Forschung lehren: didaktische Impulse

Leseprobe Qualitative Forschung lehren Behrmann u.a.

Wie gestalte ich meine Lehrveranstaltungen zu qualitativer Forschung lebendig und abwechslungsreich? Diese Frage bewegt viele Lehrende – ob Neueinsteigende oder erfahrene Dozierende. Der neue Band Qualitative Forschung lehren. Didaktische Impulse aus der Praxis bietet hierfür praktische Impulse und konkrete Übungen, die aus unterschiedlichen Disziplinen, Hochschulen und Lehrformaten stammen.

Eine Leseprobe.

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Qualitative Forschung lehren: Einleitung

 

Zur Idee des Buches

Mit diesem Band möchten wir Lehrende ansprechen, die auf der Suche nach prak­tischen Hinweisen und Impulsen für die Gestaltung ihrer Lehrveranstaltung(en) sind. Dazu haben wir Übungen zur qualitativen Forschung aus unterschiedlichen Lehrformaten, Disziplinen und Hochschulen zusammengetragen. Durch die Ver­schriftlichung der Übungen wird ein Zugang zu einem bislang nur schwer greifba­ren Erfahrungswissen eröffnet (Stamann/Ruppel/Mey 2023), das in der Regel in kollegialen Austauschzusammenhängen oder Lehrwerkstätten verbleibt. Das Buch soll Lehrenden damit nicht nur als Inspirationsquelle für neue und andere Formen des Lehrens qualitativer Ansätze dienen, sondern zugleich dazu anregen, die eigene Lehrpraxis zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Für diesen Band haben wir mithilfe der Beitragenden eine Vielzahl mikrodidak­tischer Übungen zusammengestellt, die das Erlernen und Einüben von qualitativen Forschungszugängen unterstützen. Dazu gehören u. a. Praktiken der qualitativen Forschung wie Verstehen, Interviewen, Beobachten, Deuten, Interpretieren, Auswer­ten, Reflektieren und Schreiben. Der Band richtet sich sowohl an Neueinsteigende in der Lehre qualitativer Forschung als auch an erfahrene Lehrende, die ihre Lehrpraxis bereichern und erweitern wollen.

Uns war wichtig, kein Lehrbuch zu schaffen, das qualitative Forschung auf die Reproduktion von kanonisierten Methoden reduziert. Vielmehr eröffnen die Übun­gen unterschiedliche Anknüpfungspunkte an vielfältige Aspekte qualitativen For­schens, machen methodologische Konzepte anhand mikrodidaktischer Beispiele erfahrbar und werden in ihrer je spezifischen konzeptionellen Eigenart entfaltet. Die vorgeschlagenen didaktischen Ansatzpunkte sollen eine lebhafte Lehrpraxis unterstützen, in der eine methodologische Haltung sowie methodisches Wissen entwickelt werden können.

 

Struktur des Buches

Der Band folgt in seiner Struktur in Teilen der Logik qualitativer Forschung selbst: Er beginnt bei den Grundlagen der Wahrnehmung der eigenen Sinne und der Sensibi­lisierung für Forschungskontexte (Teil 1), führt über Fragen der Positionalität, Kon­textgebundenheit und der Reflexion von Vorannahmen (Teil 2) hin zur Beobachtung sozialer Wirklichkeiten (Teil 3) und widmet sich anschließend der Gestaltung von Interviews (Teil 4), den vielfältigen Verfahren der Datenauswertung und -interpreta­tion (Teil 5) und schließlich spezifischen Elementen und Schritten qualitativer For­schungsprozesse (Teil 6). Damit bildet der Band nicht nur eine Sammlung einzelner Übungen ab, sondern ist zugleich eine didaktische Landkarte, die Lehrenden (und damit auch Lernenden) Orientierung im vielgestaltigen Feld qualitativer Forschung bietet. Gleichzeitig bleibt er exemplarisch und verweist trotz der numerischen und konzeptionellen Vielfalt der hier versammelten Beiträge auf die immer nur aus­schnitthaft erfassbare Weite der qualitativen Forschungslandschaft und der teils ver­schlungenen Pfade durch diese hindurch.

Um Lesenden eine schnelle Orientierung und einen einfachen Zugriff zu ermög­lichen, haben wir uns bei der Gestaltung des Bandes bemüht, über die Beiträge hin­weg Stringenz und ein gewisses Maß an Einheitlichkeit herzustellen. Auf der ersten Seite der Beiträge findet sich eine kompakte Übersicht mit wichtigen Informationen zur jeweiligen Übung: Neben einer Kurzbeschreibung und Keywords enthält diese Hinweise zur Vorbereitung und zu den Rahmenbedingungen der Übung sowie die Lehr-Lern-Ziele. Im Anschluss wird die didaktische Umsetzung der Übung detailliert beschrieben, gefolgt von Hinweisen zu möglichen Herausforderungen und Modi­fikationen. Ergänzend zum Buch stehen für einige Beiträge auf einer begleitenden Website [https://elibrary.utb.de/doi/book/10.36198/9783838566252] zusätzli­che Materialien wie Arbeitsblätter, Vorlagen oder Foliensätze zum Download bereit. Abgeschlossen wird jeder Beitrag mit Anknüpfungspunkten und Ideen für weitere Lehrinhalte und method(olog)ische Schwerpunktsetzungen. Eine Auswahl weiter­führender Literatur bietet zudem Impulse für eine vertiefende didaktische und met­hod(olog)ische Auseinandersetzung.

Aus Gründen der einfacheren Zugänglichkeit haben wir die Autor:innen gebe­ten, sich bei Zeitangaben zu den Übungen festzulegen. Wir wissen, dass wir damit eine Eindeutigkeit hergestellt haben, die der Flexibilität und Kontingenz der Lehr­praxis nur bedingt Rechnung trägt.

Gleichzeitig ist es uns wichtig, die Vielfalt und Differenziertheit der unterschied­lichen didaktischen Zugänge angemessen abzubilden. Die Übungen werden von den Autor:innen auf unterschiedliche Art und Weise präsentiert. Manche Autor:in­nen schreiben mit persönlicher Note, andere wählen einen sachlich-distanzierten Stil. Ganz im Sinne einer multiparadigmatischen Sozialforschung betrachten wir die Lehrtätigkeit als ein wechselseitiges Bedingungsgefüge aus Lehrpersönlichkeit, Lehrinhalten und Didaktik, das Raum für individuelle Forschungs-, Lehr- und eben auch Schreibstile bietet. Wir danken allen Autor:innen, dass sie sich auf ein – auch für uns – teilweise ungewohntes Format eingelassen haben, welches sich im Laufe des Prozesses konkretisiert und weiterentwickelt hat. Mit diesem Buch bewegen wir uns bewusst im Spannungsfeld zwischen (didaktischer) Konkretisierung und gegen­standsangemessener Kontingenz qualitativer Forschung und ihrer Methoden. Dabei haben wir in Zusammenarbeit mit den Lehrwerkstätten gelernt, dass Konkretisie­rung und Kontingenz keine unvereinbaren Pole sind, sondern ein produktiver (Aus­tausch-)Raum sein können, in dem Lehrende aktiv navigieren.

Wir wollen also – neben den konkreten didaktischen Ansatzpunkten für die Leh­re – auch an die Diskussionen im Feld zur Didaktisierung qualitativer Forschung an­schließen. Entsprechend laden wir Sie nicht nur zum Ausprobieren, Adaptieren und Weiterentwickeln der Übungen ein, sondern ebenso zur Reflexion und Diskussion, in welchem Umfang die didaktische Aufbereitung im Bereich qualitativer Forschung angemessen ist und welche Limitierungen oder Legitimierungen damit einhergehen können. Die Übungen schaffen Strukturen, die Irritation ermöglichen; sie setzen Rahmen, die Offenheit erfahrbar machen; sie bieten Halt, ohne Praxis zu determinie­ren – und bleiben dennoch Reflexionsangebote, die kontextualisiert, adaptiert und kritisch geprüft werden müssen.

Es ist nicht angedacht, den Band linear von vorne nach hinten zu lesen, stattdes­sen kann er als Werkzeugkasten genutzt werden: zum direkten Einsatz einer Übung in der Lehrveranstaltung, zur Inspiration für die Entwicklung eigener Lehrkonzepte oder zur Reflexion über die eigene Lehrpraxis. Jede Übung stellt ein Angebot dar, das in neue (disziplinäre) Kontexte übertragen werden kann. Wir verstehen den Band vor diesem Hintergrund als Einladung, qualitative Forschung als offenes, bewegli­ches und gemeinsames Projekt zu gestalten: Greifen Sie in die Übungen hinein, expe­rimentieren Sie mit ihnen, entwickeln Sie sie weiter!

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Cover Qualitative Forschung lehrenLaura Behrmann, André Epp, Juliana Gras, Anna Christina Nowak, Petra Panenka, Christoph Stamann, Rubina Vock, Nicole Weydmann (Hrsg.):

Qualitative Forschung lehren. Didaktische Impulse aus der Praxis

auch im Open Access verfügbar

 

 

 

Die Herausgeber*innen

Dr. Laura Behrmann, Akademische Rätin, Institut für Soziologie, Bergische Universität Wuppertal

Dr. André Epp, Institut für Erziehungswissenschaft, Technische Universität Braunschweig

Dr. Juliana Gras, Akademische Rätin, Erziehungswissenschaft, Pädagogische Hochschule Weingarten

Dr. Anna Christina Nowak, Academic Lecturer, Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld

Dr. Petra Panenka, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Sozial-/Kulturwissenschaften, Hochschule Fulda

Christoph Stamann, M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Magdeburg-Stendal

Rubina Vock, Dipl.-Psych., Wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Institutsdirektorin beim Institut für Qualitative Forschung, Internationale Akademie Berlin dGmbH

Prof. Dr. Nicole Weydmann, Professorin für qualitative Methoden, Hochschule Furtwangen

 

Über „Qualitative Forschung lehren“

Das Lehrbuch richtet sich an Lehrende qualitativer Forschung unterschiedlicher Disziplinen, die auf der Suche nach praktischen Hinweisen für die Gestaltung ihrer Lehrveranstaltungen sind. Dabei finden sowohl Neueinsteiger*innen als auch Expert*innen, die ihre Lehrpraxis bereichern wollen, wertvolle Impulse. Anhand einschlägiger unterschiedlicher mikrodidaktischer Übungen wird aufgezeigt, wie das Erlernen und Einüben von qualitativen Forschungszugängen unterstützt werden kann. In der Lehrpraxis erprobtes Zusatzmaterial kann zur Umsetzung eigener Lehrveranstaltungen herangezogen werden.

 

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