Der wissenschaftliche Beirat: Prof. Dr. Ursula Birsl

Der wissenschaftliche Beirat im Interview

Seit vielen Jahren wird der Verlag Barbara Budrich von einem engagierten wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Die Mitglieder dieses Beirats sind mit einem oder mehreren unserer Fachbereiche (Erziehungswissenschaft, Gender Studies, Politikwissenschaft, Soziale Arbeit, Soziologie) sehr vertraut und stehen uns aktiv bei unserer Programmentwicklung zur Seite.

Im Rahmen dieser Rubrik stellen wir die Mitglieder unseres Beirats vor.

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Portrait Ursula Birsl, Fotograf: Wolfgang KochName: Ursula Birsl, Prof. Dr.

Fachbereich: Politikwissenschaft

Kurzvita: Ursula Birsl hat an der Georg-August-Universität Göttingen Sozialwissenschaften mit dem Abschluss Diplom-Sozialwirtin studiert und in Politikwissenschaft promoviert sowie habilitiert. Sie hat an verschiedenen Universitäten als Vertretungs- und Gastprofessorin gearbeitet und seit April 2010 eine Professur für (vergleichende) Demokratieforschung und Demokratietheorie an der Philipps-Universität Marburg inne.

 

Mein Forschungsbereich

Mein Forschungsschwerpunkt liegt bei der Entwicklung der Demokratie und ihren antidemokratischen Gegenbewegungen. Dazu zählt bspw. die populistische radikale und extreme Rechte, aber auch antisemitisches und antifeministisches Denken. Des Weiteren beschäftige ich mich mit vergleichender Herrschaftsforschung und frage hier nach möglichen strukturellen Ähnlichkeiten von entwickelten Demokratien und sog. Neuen Despotien. Last, but not least interessiert mich die Demokratie in der Migrationsgesellschaft.

 

Zu dieser konkreten Fragestellung forsche ich derzeit

Seit nunmehr 30 Jahren beschäftige ich mich mit Rechtsextremismus, oder genauer „Rechtsextremismus und Gender“. Dieses Thema hat seit dem NSU und der Zunahme rechter Gewalt im Kontext der Debatte um Flucht und Asyl nach dem Einwanderungssommer 2015 an neuer Aktualität gewonnen. So hat sich meine Forschung mehr in Richtung Gewaltdynamiken und Rechtsterrorismus verschoben. Hier geht es um Ursachenanalysen und die Frage, welche Rolle soziale Medien dabei spielen. Darüber hinaus gehe ich nach den zunehmenden Wahlerfolgen populistischer radikal rechter Parteien und Akteur_innen der Frage nach, was diese über den Zustand etablierter Demokratien aussagen und ob solche Demokratien akut in ihrem Bestand gefährdet sind.

 

Meine letzten Publikationen im Verlag Barbara Budrich

Der Verlag Barbara Budrich ist quasi mein Hausverlag – und dies schon als der Verlag noch Leske & Budrich hieß. Hier habe ich meine Monographien (auch die Qualifikationsarbeiten) und Sammelbände veröffentlicht. Der letzte Sammelband erschien 2011 unter dem Titel Rechtsextremismus und Gender. Der nächste wird um die Jahreswende kommen und die Ergebnisse eines BMBF-Forschungsverbunds zu Mobilisierungsstrategien und Gewaltdynamiken im Islamismus und in der extremen Rechten im Kontext der Debatte und Flucht und Asyl präsentieren. Des Weiteren bin ich eine der Mitherausgeber_innen der neu gegründeten Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung (ZRex), deren erstes Heft 2021 im Verlag Barbara Budrich erscheinen wird.

 

Was ich dem wissenschaftlichen Nachwuchs mit auf den Weg geben möchte

Mein Rat ist, sich nicht von vermeintlichen Leistungsstandards zu stark unter Druck setzen zu lassen. Diese verändern sich kontinuierlich und werden in jedem Bewerbungsverfahren unterschiedlich ausgelegt. Hilfreich ist, sich mit Themen und Forschungsschwerpunkten zu beschäftigen, die einen selbst interessieren und fesseln. Es hilft auch dabei, den beschwerlichen wissenschaftlichen Karriereweg durchzuhalten, der oftmals unter prekären Arbeitsbedingungen und  existentieller Unsicherheit gegangen werden muss. Und: Wissenschaft ist nicht alles. Es gibt auch interessante Berufe außerhalb von Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Mir selbst hat es geholfen, hier offen zu bleiben und mich damit nicht allzu abhängig von den „Leistungsstandards“ zu machen.

 

Darum bin ich Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Verlags Barbara Budrich

Mich überzeugt die Verlagspolitik. Sie ist nicht nur darauf ausgerichtet, ob sich eine Veröffentlichung betriebswirtschaftlich rechnet, sondern ob sie wissenschaftlich und für den Wissenstransfer relevant ist. Deshalb möchte ich durch meine Mitgliedschaft im wissenschaftlichen Beirat den Verlag in seiner Politik mit unterstützen – und damit auch Autor_innen.

 

© Titelbild gestaltet mit canva.com; Autorinnenfoto: Ursula Birsl, Fotograf: Wolfgang Koch