Open Access und die Qualitätsfrage

Open Access © Pixabay 2021 / Foto: coyot

Das andere Geschäftsmodell der Verlage

Open Access verändert das Geschäftsmodell von Verlagen. Wo zuvor Publikationen so geplant werden mussten, dass über Verkäufe das wirtschaftliche Überleben des gesamten Unternehmens gewährleistet sein musste, gibt es bei OA ein einziges Mal „ein Geld“. Ob als sog. Book Processing Charge (BPC) oder für Einzelartikel sog. Article Processing Charges (APCs), Geld für OA-Publikationen fließt ein einziges Mal und muss für alles reichen: für Miete, Gehälter, Nebenkosten genauso wie für die unmittelbaren Herstellkosten der jeweiligen Publikation.

Aus dem Verlag, der früher „vorlegte“ – daher der Name – wird bei Open Access ein reiner Dienstleister. Was bedeutet das für die Qualität von Publikationen? Muss der Verlag jetzt nicht mehr auf seine Programmqualität und -pflege achten?

 

Der Verlag und seine Community

Ein Wissenschaftsverlag existiert nicht unabhängig von „seiner“ wissenschaftlichen Community. In der Arbeitsteiligkeit der Wissenschaft haben sich die Aufgaben der Verlage entwickelt. Und ein ganz zentrales Qualitätsmerkmal dabei ist für jeden Verlag sein Verlagsprogramm.

Mit diesem Programm steht er der jeweiligen scientific community zur Seite, greift aktuelle Trends und Themen auf, die in der Wissenschaft relevant sind. Verlage erkennen neue Entwicklungen, Bedarfe – zum Beispiel im Bereich von Hand- oder Lehr- und Studienbüchern – und zwar sowohl inhaltlich als auch mit Blick auf Formate (enhanced PDF, EPUB/mobi, Barrierefreiheit usw.).

Mit seinem Programm steht der Verlag gut sichtbar in seiner jeweiligen Fachöffentlichkeit. Nach der inhaltlichen und technischen Qualität seiner Publikationen wird der Verlag von dieser Fachöffentlichkeit bewertet. Taugt die Qualität nichts, riskiert der Verlag seine Reputation.

Was bedeutet das für die Qualität unserer Open-Access-Publikationen?

 

Die Publikationen sind der Verlag – unabhängig vom Geschäftsmodell

Der Verlag Barbara Budrich und Budrich Academic Press stehen als Verlage in unmittelbarem Austausch mit unserer Fachcommunity. Jede einzelne unserer Publikationen wird vom hausinternen Lektorat geprüft, bevor wir eine Publikationszusage geben und ein Angebot zur Veröffentlichung vorlegen. Fällt den zuständigen Lektor*innen die Einschätzung eines Manuskripts schwer, das uns zur Publikation angeboten wird, holen wir uns fachkundigen Rat. Nicht für jedes Projekt veranlassen wir derzeit ein Peer-Review-Verfahren. In Zweifelsfragen jedoch holen wir uns selbstverständlich einschlägige fachliche Unterstützung. (Bei der Manuskriptabgabe und vor der Veröffentlichung gibt es bei uns übrigens immer noch einen weiteren Begutachtungsprozess.)

Unsere Angebote umfassen heutzutage immer die Option auf eine Open-Access-Publikation, für die sich die Autor*innen oder Herausgeber*innen entscheiden können. Dies Publikation kostet in jedem Fall Geld. Einerseits unterstützen wir als Verlag die Open-Access-Wünsche unserer Partner*innen. Andererseits stehen nicht allen Autor*innen entsprechende Gelder zur Verfügung. Deshalb bieten wir alternativ die „klassische“ Publikationsvariante an. Diese „klassische Variante“ kann – je nach unserer Erfolgserwartung für das jeweilige Projekt – die Notwendigkeit eines Druckkostenzuschusses enthalten. (An anderer Stelle präsentiere ich das Modell der Vollkostenkalkulation, um die wirtschaftlichen Aspekte der Verlegerei zu illustrieren.)

Bevor wir also ein Angebot unterbreiten, prüfen wir die Qualität des Publikationsprojekts. Und erst danach wird über die Art und Weise der Publikation entschieden. Mithin sind all unsere Open-Access-Publikationen den gleichen Anforderungen unterworfen wie all unsere Publikationen. Die Qualität und Ausrichtung unseres Verlagsprogramms ist der zentrale Pfeiler unserer Reputation – unabhängig vom Geschäftsmodell. Weder Autor*innen noch Leser*innen müssen also fürchten, dass Open Access bei unseren Publikationen zu einem Qualitätsabfall führen könnten.

 

Open Access und gedrucktes Buch

Weil die Frage häufiger auftaucht: Open Access betrifft freilich ausschließlich die digitale Publikation. Diese ist frei und kostenlos für all jene zugänglich, die über die entsprechende Technologie verfügen. Das gedruckte Buch erhält einen (gesetzlich gebundenen) Ladenpreis und wird regulär über den Buchhandel (und unseren Webshop) vertrieben.

So bemühen wir uns darum, beide Welten bestmöglich zu vereinen.

 

Jetzt in unsere Open Access-Publikationen stöbern

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