Welche Strategien der äußersten Rechten lassen sich in Bezug auf den Klimawandel beobachten? Und wie blicken diejenigen darauf, um deren es Zukunft hier geht? Interview mit den Autor*innen zum neuen Buch Jugend. Klima. Rechtsextremismus. Perspektiven junger Menschen auf Herausforderungen der Gegenwart.
Interview zu „Jugend. Klima. Rechtsextremismus“
Liebe Autor*innen, worum geht es in Jugend. Klima. Rechtsextremismus?
In unserem Buch gehen wir der Frage nach, auf welche Resonanz Klimawandelpositionen der äußersten Rechten bei jungen Menschen in Deutschland stoßen. Dem nähern wir uns aus zwei Perspektiven:
Im ersten Teil der Publikation beschreiben wir, wie die äußerste Rechte zum Klimawandel argumentiert. Wir beschreiben dazu den aktuellen Forschungsstand und zeigen exemplarisch an der äußerst rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, welche Narrative zum Thema Klima vorgebracht werden. Daneben haben wir untersucht, wie die äußerste Rechte auf lokale politische Prozesse, wie beispielsweise zu geplanten Windkraftanlagen, einwirkt und gegen klimapolitische Maßnahmen mobilisiert.
Im zweiten Teil des Buchs gehen wir auf die von uns durchgeführte Studie ein, in der wir junge Menschen zu ihren Perspektiven auf den Klimawandel und die Themen der äußersten Rechten befragt haben. Hier zeigen wir insbesondere auf, wie Jugendliche auf äußerst rechte Narrative in Bezug auf den Klimawandel reagieren.
Wie ist diese Studie methodisch aufgebaut?
Bei unserer Forschung sind wir in mehreren Schritten vorgegangen. Zunächst haben wir nach Orten gesucht, die direkt von sozialökologischen Transformationsprozessen betroffen sind, wie beispielsweise dem Kohleausstieg oder dem Bau von Windkraftwerken. Hier haben wir vier Orte ausgewählt, in denen auch Interventionen der äußersten Rechten sichtbar waren: Die Kohleregion rund um Garzweiler 2, die Kohleregion Zeitz-Weißenfels, die Region um die geplanten Windkraftwerke im Reinhardswald in Nordhessen und den Harz in Sachsen-Anhalt, der schon unter klimawandelbedingtem Waldsterben leidet.
Anschließend haben wir Interviews mit lokalen und überregionalen Expert*innen zum Thema geführt. Anhand der dort gewonnenen Erkenntnisse haben wir im Zeitraum von 2023 bis Anfang 2024 narrative Interviews und Gruppeninterviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den Regionen zu den lokalen Transformationsprozessen, dem Klimawandel und entsprechenden äußerst rechten Positionen durchgeführt.
Die Erkenntnisse aus diesen Interviews haben wir anschließend in einen Fragebogen überführt für eine quantitative Befragung mit etwa 2.000 jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren aus ganz Deutschland.
Im Buch sind die Ergebnisse aus den qualitativen Interviews ebenso beschrieben wie die Erkenntnisse aus der quantitativen Befragung.
Welche Strategien der äußersten Rechten lassen sich in Bezug auf den Klimawandel beobachten?
Die äußerste Rechte ist kein homogenes Feld, ebenso ist die Perspektive der äußersten Rechten auf den Klimawandel durchaus vielfältig. In den verschiedenen Strömungen dominieren auch unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Ideen zum Klimawandel.
Dennoch lässt sich herausstellen, dass die Leugnung des menschengemachten Klimawandels und die Ablehnung von Klimaschutz dominiert. Diese Ablehnung wird jedoch unterschiedlich begründet. Von der direkten Leugnung eines menschengemachten Klimawandels, bis hin zur vermeintlichen Doppelmoral von Klimawandelbefürworter*innen, indem Windkraftanlagen als klimaschädlich geframed werden.
Und wie reagieren junge Menschen auf die Instrumentalisierung ökologischer Themen durch die äußerste Rechte?
Diese Frage ist nicht leicht in Kürze zu beantworten. Grundsätzlich sind die Reaktionen vielseitig und teilweise auf den ersten Blick widersprüchlich. Es gibt Jugendliche, die Interventionsversuche der äußersten Rechten als solche durchweg erkennen und diese als antidemokratisch bewerten, andere folgen den Deutungsangeboten der äußersten Rechten.
Bei vielen zeigt sich jedoch eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit den großen Themen Klimawandel und Rechtsextremismus. Im Falle dieser Jugendlichen waren die Reaktionen weniger einheitlich – diese können beispielsweise äußerst rechte Akteur*innen ablehnen, bestimmten Aussagen dieser jedoch zustimmen, da sie diese nicht als problematisch einordnen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass insbesondere weibliche Jugendliche, die in großen Städten leben, weniger anfällig für äußerst rechte Deutungsangebote sind.
Darum sind wir Autor*innen bei Budrich
Für uns ist es wichtig, dass wir uns auf den Inhalt des Buchs fokussieren können. Unsere Ansprechpartner*innen übernehmen die wichtigen Aufgaben drumherum und unterstützen uns, indem sie uns auf anstehende Deadlines rechtzeitig hinweisen und immer persönlich für unsere Fragen zum Prozess erreichbar sind. Für uns ist die Zusammenarbeit äußerst glücklich.
© Titelbild gestaltet mit canva.com

Marleen Hascher, Ann-Katrin Kastberg, Benjamin Kerst, Alina Mönig, Edmund Osterberger, Matthias Quent, Fabian Virchow: