In Deutschland stehen Sie mit Ihrer monografischen Doktorarbeit in der Erziehungswissenschaft oder den Sozialwissenschaften immer vor der Publikationspflicht. Diese Publikationspflicht lässt sich auf unterschiedlichen Wegen erfüllen. Welcher Weg ist für Sie der richtige? Wollen Sie Ihre Dissertation drucken lassen – oder nicht? Das ist allein Ihre Entscheidung!
Dissertation drucken und die Publikationspflicht: Welche Optionen gibt es?
In Ihrer Promotionsordnung steht geschrieben, welche Optionen Ihnen zur Verfügung stehen, um die Publikationspflicht zu erfüllen. Häufige Möglichkeiten sind:
- PDF-Upload auf dem Bibliotheks- bzw. Hochschulserver;
- Druck und Bindung im Copyshop;
- Veröffentlichung in einem Verlag.
Dies sind die am weitesten verbreiteten Optionen; lassen Sie uns gemeinsam Für und Wider der einzelnen Möglichkeiten anschauen.
PDF-Upload auf dem Bibliotheks- bzw. Hochschulserver
Es gibt wenige Vorgaben, die Sie beachten müssen, wenn Sie Ihre PDF-Datei auf den Server Ihrer Bibliothek hochladen lassen. Sofern Sie keine Druckexemplare wünschen, ist dieser Veröffentlichungsweg für Sie zumeist kostenfrei. Die Veröffentlichung erfolgt unter einer Open-Access-Lizenz der Creative Commons (häufig CC-BY), Sie bekommen einen DOI oder einen URN als sogenannten Persistent Identifier, damit Ihr Dokument im Internet dauerhaft auffindbar ist.
Mit diesem Schritt haben Sie Ihre Publikationspflicht erfüllt, Ihre Dissertation ist in der Welt und wenn die interessierte Welt ausreichend tief in die Suche einsteigt, hat sie ungehinderten Zugang. Der ganze Prozess ist schnell, unaufwendig und enorm kostengünstig.
Ihr Buch wird aber nicht aktiv vermarktet oder verbreitet, ist nicht systematisch über den Buchhandel verfügbar und der Beitrag zu Ihrer Positionierung, Sichtbarkeit und Ihrem Reputationsaufbau ist gering.
Druck und Bindung im Copyshop
Hier müssen Sie sich lediglich an die Vorgaben der Promotionsordnung halten. Formatierung und Aufbereitung der im Copyshop hergestellten Druckexemplare bleiben vollständig Ihnen überlassen. Die Kosten für diese Abgabeform sind abhängig vom Umfang Ihrer Arbeit und der Anzahl der Exemplare, die Sie abzugeben haben bzw. produzieren lassen. Die Veröffentlichung einer digitalen Ausgabe ist nicht automatischer Bestandteil dieser Option.
Auch auf diesem Weg können Sie Ihre Publikationspflicht erfüllen, die Dissertation ist in der Welt und die Welt muss Aufwand betreiben, um zum Beispiel über Fernleihe an Ihre Erkenntnisse zu kommen. Auch dieser Prozess ist recht schnell, wenig aufwendig und kostet schon ein wenig mehr.
Doch auch in diesem Falle wird Ihre Publikation allenfalls von Ihnen selbst vermarktet oder verbreitet. Sie ist nicht systematisch über den Buchhandel verfügbar und der Beitrag zu Ihrer Positionierung, Sichtbarkeit und Ihrem Reputationsaufbau geht gegen Null.
Veröffentlichung in einem Verlag
Die Veröffentlichung im Verlag kann sehr unterschiedlich aussehen: Es gibt Verlage, die schon seit Ihrer Bachelor- oder Master-Arbeit mit Publikationsangeboten hinter Ihnen her sind. In den meisten Fällen sind dies Dienstleister zur Veröffentlichung von Qualifikationsarbeiten, die Ihnen zwar Geld zur Publikation abnehmen, aber auch wenig Reputation liefern. Wenn ich also hier von Verlagen spreche, meine ich „richtige“ Wissenschaftsverlage (wie die Budrich-Verlage), die auch bei Dissertationen zunächst Qualität und Programmpassung prüfen, bevor das Lektorat Ihnen ein Publikationsangebot vorlegt.
Die Kooperation mit einem Verlag verlangt Ihnen für gewöhnlich am meisten ab: Es ist möglich, dass Ihnen Überarbeitungsvorschläge gemacht werden und dass der Titel Ihrer Arbeit umformuliert wird – beides ist mit dem Prüfungsamt abzustimmen. Für Formatierung und Aufbereitung gibt es spezifische Vorgaben und der Verlag verlangt je nach Veröffentlichungsformat eine Open-Access-Gebühr oder einen Druckkostenzuschuss. (Mittlerweile gibt es eine Reihe von Finanzierungsmöglichkeiten für Open Access; sollten Sie diesen Publikationsweg beschreiten wollen, sprechen Sie frühzeitig mit dem Lektorat darüber!)
Sie erfüllen mit dieser Variante Ihre Publikationspflicht, die Dissertation ist in der Welt und der Verlag engagiert sich dafür, dass die Welt davon erfährt und Zugang erhält. Das Ganze dauert deutlich länger, ist aufwendig und kann ohne Förderung richtig teuer sein.
Dafür wird Ihre Publikation professionell vermarktet und verbreitet. Sie ist systematisch über den stationären und Online-Buchhandel verfügbar und leistet den optimalen Beitrag zu Ihrer Positionierung, Sichtbarkeit und Ihrem Reputationsaufbau.
Dissertation drucken? Reputation, Eitelkeit und Umweltschutz
Je mehr Ihnen daran liegt, die Veröffentlichung Ihrer Dissertation als Baustein für Ihre Wissenschaftskarriere zu nutzen, desto eher würde ich Ihnen die Kooperation mit einem Wissenschaftsverlag ans Herz legen.
Sie haben gesehen, dass es bei den drei von mir aufgeführten Optionen große Unterschiede gibt bei Kosten, Aufwand und Reputation: Während eine Veröffentlichung auf dem Bibliotheks- oder Hochschulserver als PDF-Datei Sie gar nichts oder sehr wenig kostet, ist eine Verlagsveröffentlichung Ihrer Dissertation für gewöhnlich teuer (sofern Sie nicht den Budrich-Dissertationswettbewerb promotion gewinnen oder Förderung einwerben). Auch der Aufwand, den Sie für eine Verlagsveröffentlichung betreiben müssen, ist deutlich höher als die zusätzliche Arbeit, die Sie für die beiden anderen Varianten zu berücksichtigen haben. Dafür ist aber die Reputation aus einer Veröffentlichung bei einem Wissenschaftsverlag deutlich höher – und der Verlag kümmert sich darum, dass Ihre Publikation auffindbar, sichtbar und zugänglich ist.
Ihre Dissertation als richtiges Buch in Händen zu halten, ist nach all der investierten Arbeit möglicherweise ein Herzenswunsch. Manchmal sind es Bedenken mit Blick auf Umweltschutz, die frisch Promovierte davon abhalten, ihre Dissertation drucken zu lassen. Und doch: Die allermeisten wünschen sich neben einer digitalen Publikation – Open Access oder hinter einer Paywall – ein gedrucktes Buch.
Mit Ihren Gedanken zur Nachhaltigkeit eines gedruckten Buches rennen Sie bei uns und vielen unserer Kolleg*innen offene Türen ein: Alle Veröffentlichungen der Budrich-Verlage werden ausschließlich auf FSC-zertifizierten Materialien gedruckt (was in der Branche vielfach Standard ist) – oder auf Materialien mit noch höheren Umweltstandards. Die Budrich-Verlage arbeiten daran, jede Printpublikation in einem vollständig FSC-zertifizierten Prozess produzieren zu lassen. Schon seit längerer Zeit sorgen wir für eine CO2-kompensierte Printproduktion – und kümmern uns auch darüber hinaus um ökologische Nachhaltigkeit. Wir sind nicht perfekt – doch wenn Sie Ihre Dissertation drucken lassen möchten, geht dies bei uns vergleichsweise ressourcenschonend.
Open Access und Nachhaltigkeit
Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest von 2024/2025 sind digitale Publikationen deutlich ressourcenschonender als gedruckte: Ein gedrucktes Buch wird einmal hergestellt und die zugrundeliegende Papierproduktion ist sehr aufwendig. Bislang steht das gedruckte Buch im Ruf, zu den haltbarsten Medien überhaupt zu gehören. Ein eBook können Sie ohne Energieverbrauch nicht nutzen. Dennoch hat es, so Stiftung Warentest die bessere Ökobilanz.
Ihre Dissertation Open Access zu veröffentlichen, könnte also grundsätzlich auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten eine gute Idee sein. Doch auch eine Kombination aus Open Access und einer möglichst umweltfreundlich produzierten (kleinen) Druckauflage ist denkbar. Diese Kombination wird von unseren Autor*innen zur Veröffentlichung von Dissertationen aktuell am häufigsten gewählt.
Wenn Sie überlegen, bei uns zu veröffentlichen, kontaktieren Sie am besten gleich unser Lektorat! Die wichtigsten Informationen finden Sie zudem auf unserer Veröffentlichen-Seite.
Die Autorin
Barbara Budrich, M.A., ist von Kindesbeinen an im Wissenschaftsverlag tätig und seit 2004 selbstständige Verlegerin. Außerdem ist sie Trainerin und Coach für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren im Schulungsunternehmen budrich training. Zudem ist sie selbst Autorin. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz führt sie seit 2015 als Vorbildunternehmerin.
© Foto Barbara Budrich: privat | Titelbild: unsplash.com; Dmitry Ratushny

