Dass Sie als Wissenschaftler*in, vor allem als Emerging Researcher veröffentlichen wollen oder unter bestimmten Umständen gar müssen, ist kein Geheimnis. Von der Veröffentlichungspflicht bei der Dissertation über Vorgaben in spezifischen Forschungskontexten bis hin zum grundsätzlichen „Publish or Perish“ in der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Zwänge – vom Wunsch, die eigenen Erkenntnisse zu teilen, mal ganz abgesehen.
Damit Sie nicht erst nach der Fertigstellung eines Textes ganz von vorn mit Publikationsüberlegungen anfangen, haben wir hier ein paar Tipps für Sie zusammengestellt. Wenn Sie diese im Hinterkopf behalten, können Sie im entscheidenden Augenblick sofort loslegen!
Mit dem Ergebnis starten
Nicht jeder Text bringt Ihre Wissenschaftskarriere kraftvoll voran. Es kann sein, Sie werden eingeladen, an einem Sammelband mitzuwirken – und das Thema passt gar nicht so recht in Ihre Gesamtstrategie, aber Sie mögen die Leute und würden sehr gern kooperieren. Oder Sie haben auf einer Konferenz vorgetragen und nun wird von Ihnen erwartet, dass Sie zum Konferenzband beitragen – obwohl Sie Ihren Beitrag eigentlich für ein spezifisches Journal vorgesehen hatten. Es gibt diese Art von „Beinahe-Luxus-Problemen“, die uns vor Entscheidungen stellen, die wir gar nicht treffen wollen.
Die Frage, die ich Ihnen für Ihre Entscheidung mit auf den Weg geben möchte, lautet: „Was möchte ich mit meinem Text erreichen?“ Natürlich kann man versuchen, von zwei Möglichkeiten die dritte zu wählen, doch oft genug können Sie den jeweiligen Text nur entweder hier oder dort veröffentlichen. Entweder Sie sagen „Nein“ zu Menschen, die aktiv auf Sie zukommen, oder Sie sagen „Nein“ zu dem Ergebnis, das Sie sich ursprünglich vorgenommen hatten.
Wenn Sie die Wahl zwischen einem Sammelband und einer Veröffentlichung in einer angesehenen Fachzeitschrift haben, bringt die Fachzeitschrift heute i.d.R. mehr Reputation. Es sei denn, der Sammelband wird von sehr angesehenen Wissenschaftler*innen in einem hochrangigen Kontext herausgegeben. So oder so bekommen Sie einen Eintrag für Ihre Publikationsliste.
Wenn Sie für eine Publikation ein Thema ausarbeiten möchten, das Sie bei Ihrer Positionierung nicht unbedingt unterstützt, ist es eine Frage an Ihre Energie und an Ihre Zeit, ob Sie sich diesen Luxus leisten wollen und können. Jede Publikation ist viel Arbeit – ob sie in Ihre Pläne passt oder nicht! Sofern Sie also wissen, welches Ziel Sie mit Ihrer Veröffentlichung erreichen wollen, können Sie klare Entscheidungen treffen.
Ihre Liste potenzieller Publikationspartner
Abhängig davon, wo Sie sich positionieren wollen, gibt es unterschiedliche Zeitschriften oder Verlage, die sich als Publikationspartner für Ihre Texte eignen. Jeder Verlag – jedenfalls jeder seriöse Wissenschaftsverlag – hat ein eigenes spezifisches Programm und jede Fachzeitschrift hat ihre eigene Programmatik.
Mit diesen Ausrichtungen potenzieller Publikationspartner geht für Sie die Frage danach einher, ob Ihre jeweilige Publikation zum Programm der potenziellen Partner passt. Es gibt bei Verlagen zum Beispiel Ausrichtungen auf spezifische Zielgruppen, auf spezifische Ansätze, Themenbereiche, Aufbereitungsformen – Lehrbücher sind in manchen stark forschungsorientierten Verlagen nicht gut aufgehoben; Forschung passt bei manchen anderen Häusern nicht ins ausgesprochene Lehr- oder Handbuchprogramm usw. Bei Zeitschriften ist die Ausrichtung häufig noch spezifischer mit Blick auf Theorien und/oder Methoden, auf Querschnitt, Forschung, Praxis usw.
Während der eigenen wissenschaftlichen Arbeit rezipieren wir häufig sehr viel Literatur aus unterschiedlichen Quellen. Anstatt diese Quellen ausschließlich inhaltlich für Ihre Arbeit zu verwenden, könnten Sie zusätzlich Listen daraus erstellen: Listen mit Notizen dazu, wie Sie die Ausrichtung der jeweiligen Zeitschrift, des jeweiligen Verlages einschätzen. Und wenn Sie zwischendurch Zeit haben, die Sie aber nicht mit der unmittelbaren Forschungs- oder Textarbeit füllen möchten, könnten Sie einzelne dieser potenziellen Publikationspartner ein wenig recherchieren: Webseiten, für Zeitschriften Erscheinungs- bzw. Einreichungstermine usw. notieren. Auf diesem Wege entsteht mit der Zeit Ihre ganz persönliche Liste an potenziellen Publikationspartnern, sodass Sie rasch Kontakt aufnehmen können, wenn Sie in die Einflugschneise für die Veröffentlichung kommen.
Publikationen und Publikationsideen
Aus einem Datenfundus lassen sich zumeist mehrere Publikationen erarbeiten. Selbstverständlich schreiben und veröffentlichen Sie nicht haargenau das gleiche mehrfach. Achten Sie darauf, dass viele Journals Wert auf Originalität legen, was bedeutet, dass Ihr Paper unter Umständen abgelehnt wird, weil Sie etwas eingereicht haben, das nah an bereits Veröffentlichtem ist. (Dies kann auch passieren, wenn Sie Ähnliches in Übersetzung zur Veröffentlichung einreichen.)
Nicht zuletzt: Denken Sie beim Veröffentlichen auch an Ihre Leser*innen: Einerseits möchten Sie als Expert*in für Ihren Bereich wahrgenommen werden. Andererseits möchten Sie Ihre Leser*innen nicht enttäuschen, indem Sie in jeder Veröffentlichung wieder und wieder das gleiche „aufwärmen“.
Bei der Arbeit an einem Paper, Beitrag oder Buch könnten Sie über Fragestellungen, Perspektiven und Aspekte stolpern, die in dem jeweiligen Text keinen Platz haben – und sich somit hervorragend für die nächste Publikation eignen. So könnte eine weitere Liste entstehen: mit Publikationsideen.
Urheber- und Nutzungsrechte
Während Sie an Ihrem Text arbeiten, zitieren Sie aus anderen Veröffentlichungen. Mal sind es Text-, mal vielleicht auch Bildzitate. Exakte Quellenangaben gehören zum sauberen wissenschaftlichen Arbeiten. Doch stellt sich gelegentlich die Frage nach den Urheber- bzw. Nutzungsrechten.
Um nicht in Plagiatsverdacht zu geraten, zitieren Sie Ihre eigenen Texte genauso wie auch Werke Dritter. Generell heißt es, dass im wissenschaftlichen Zitat immer so viel verbatim zitiert werden darf, wie notwendig ist, um zu verstehen, was mit dem Zitat gezeigt werden soll. Es gibt also keine exakt definierte Obergrenze an Wörtern, die Sie fortlaufend zitieren dürfen. Für wissenschaftliche Bildzitate werden ähnliche Regeln zugrunde gelegt. Sie dürfen also in der Regel ein Bild in der Größe reproduzieren, wie es für das Verständnis Ihrer wissenschaftlichen Argumentation erforderlich ist. (Doch: Achtung! Bei Bildern ist es möglich, dass Sie zwar das Abgebildete selbst verwenden dürfen, dass die spezifische Aufnahme allerdings zur Nutzung angefragt werden muss. Im Zweifel sollten Sie den Rat eines Rechtsbeistands einholen.)
Sollten Sie allerdings Zitate nicht rein wissenschaftlich nutzen, sondern beispielsweise zu „dekorativen“ Zwecken, kann es notwendig werden Nutzungsrechte einzuholen. Rechteinhaber*innen halten diese Art der Lizenzierung sehr unterschiedlich. Es gibt Verlage – vor allem sehr große Häuser –, die eigene Lizenzierungsplattformen betreiben und sehr hohe Gebühren für die Nachnutzung urheberrechtlich geschützten Materials verlangen. Andere Rechteinhaber*innen fragen stärker nach den Umständen, unter denen die Nachnutzung geschieht und passen ihre Forderungen entsprechend an.
Sichtbarkeit ist kein Zufall
Zum Aufbau Ihrer Wissenschaftskarriere gehört Sichtbarkeit und zur Sichtbarkeit in der Wissenschaft gehört das Publizieren. „Publish or perish“ ist bis heute aktuell. Ihre Sichtbarkeit können Sie mit gut geplanten Publikationen strategisch auf- und ausbauen. Einige ausgewählte Kriterien dazu haben wir Ihnen in diesem Blogpost vorgestellt.
Im Academic Career Club schauen wir uns diese und viele weitere Kriterien gemeinsam an. Kein einsamer Kampf, kein zufälliges Vorgehen mit Trial-and-Error, sondern strategische Karriereplanung in der Gruppe. Informieren Sie sich und sichern Sie sich Ihren Platz im Club von budrich training.
Die Autorin
Barbara Budrich, M.A. ist Verlegerin und Trainerin mit jahrzehntelanger Erfahrung im wissenschaftlichen Publizieren. Seit der Gründung des Verlags Barbara Budrich im Jahr 2004 und von Budrich Academic Press im Jahr 2007 hat sie zahlreiche Autor*innen beim Publizieren begleitet. Mit budrich training vermittelt sie praxisnahes Wissen rund ums wissenschaftliche Schreiben und Veröffentlichen.

