Manuel Castells macht die digitale Gesellschaft für alle zugänglich

Interview Manuel Castells Die digitale Gesellschaft

Digitale Technologien prägen unsere Kommunikation und formen so weltweit Wirtschaft, Politik und Kultur. Doch während wir in einer Ära beispielloser Beschleunigung leben, bleiben die tiefgreifenden Folgen dieser Entwicklung oft lange unbemerkt. Manuel Castells, einer der einflussreichsten Kommunikationswissenschaftler unserer Zeit, analysiert in seinem Buch „Die digitale Gesellschaft. Eine kritische Einführung“, wie die Digitalisierung alle Lebensbereiche durchdringt – von der Überwachung durch Staaten bis zur Steuerung von Kriegen durch Künstliche Intelligenz.

Castells, der vor 25 Jahren seine bahnbrechende Trilogie Das Informationszeitalter bei Leske+Budrich veröffentlichte, beweist einmal mehr: Seine Theorien sind nicht nur visionär, sondern oft schon Realität, bevor wir sie begreifen.

 

Interview zu „Die digitale Gesellschaft“

 

Lieber Manuel Castells, worum geht es in Ihrem Buch Die digitale Gesellschaft?

Es geht um die mehrdimensionale Transformation der Gesellschaft in einer Zeit, in der 99 % der vermittelten Informationen digitalisiert sind.

 

Ihr Buch erscheint zu einer Zeit, in der digitale Vernetzung und gesellschaftlicher Wandel schneller ablaufen als je zuvor. Was ist die dringlichste Erkenntnis für die Leser*innen Ihres Buchs?

Wir betreten eine neue Welt, ohne uns der Implikationen digitaler Technologien in allen Bereichen unseres Lebens bewusst zu sein. Dieses Buch informiert Leser*innen über das Was und Wie ihres täglichen Kommunikationsumfelds.

 

Lieber Manuel Castells, viele Ihrer früheren Theorien haben sich als visionär erwiesen. Gibt es eine These in Ihrem Buch, von der Sie glauben, dass sie in 10 Jahren nahezu als Allgemeinwissen gelten könnte – heute aber noch provokant wirkt?

Unsere Gesellschaft ist in allen Bereichen um digitale, interaktive Netze herum organisiert, die über das Internet laufen. Ich beobachtete bereits 1996 die Anfänge dessen, was ich als Netzwerkgesellschaft konzeptualisierte – heute wird dieser Umstand von allen wahrgenommen, die unsere Welt betrachten. Ich habe nichts vorhergesagt, sondern einfach die Prozesse erkannt, die bereits wirkten, aber von traditionellen Sozialtheorien nicht wahrgenommen wurden.

Was ich jetzt beobachte, ist, dass künstliche Intelligenz das Web ablöst, die Netze unseres Lebens zu steuern. Und so gerät die Kontrolle über unser Leben zunehmend in die Hände weniger oligopolistischer KI-Unternehmen, die nun die neue globale Oligarchie darstellen und die Welt dominieren. Die Demokratie wird von diesen neuen Mächten umgangen.

 

Warum sollten Leser*innen, die mit Ihrem Werk nicht vertraut sind, Die digitale Gesellschaft lesen?

Sie bietet einen prägnanten Überblick über alle sozio-technischen Transformationen – vollständig dokumentiert, Kapitel für Kapitel – in einem kurzen Buch, das für die allgemeine Öffentlichkeit in zugänglichem Stil geschrieben ist.

 

Darum bin ich Autor bei Barbara Budrich

Ich habe meine Trilogie über Das Informationszeitalter vor 25 Jahren auf Deutsch bei Leske+Budrich veröffentlicht, und es war eine großartige Verlags- und intellektuelle Erfahrung, die ich sehr schätze.

 

*** Redaktioneller Hinweis: Dieses Interview wurde aus dem Englischen übersetzt. ***

 

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zum Interview mit Übersetzer Edmund Budrich

 

 

 

Der Autor: Manuel Castells

Manuel Castells

  • emeritierter Professor für Sociology and Planning an der University of California, Berkeley
  • Inhaber des Lehrstuhls für Communication Technology and Society an der University of Southern California, Los Angeles
  • Ehrenprofessor für Communication an der Tsinghua-Universität in Peking
  • Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, der British Academy, der Academia Europaea sowie der Spanish Royal Academy of Economics
  • Gründungsmitglied des European Research Council der European Commission

 

Über „Die digitale Gesellschaft“

Die Digitalisierung durchdringt nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche: Wie Menschen miteinander kommunizieren, Staaten ihre Bürger*innen überwachen und Künstliche Intelligenz Kriegsverläufe prägt. Digitale Technologien bilden den Grundstein für wirtschaftliche, kulturelle und politische Entwicklungen in der spätmodernen Netzwerkgesellschaft. Aus präzischen empirischen Analysen heraus vermittelt der Soziologe Manuel Castells, wie sich die digitale Sozialstruktur unserer Zeit entwickelt hat und welche tiefgreifenden Auswirkungen sie mittlerweile auf das alltägliche Leben hat.

© Titelbild gestaltet mit canva.com | Foto Manuel Castells: privat