Ein Gastbeitrag der DGSA-Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Julia Franz und Prof. Dr. Stefan Borrmann
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Seit 2010 begleitet die Buchreihe Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) Diskussionen der Wissenschaft Soziale Arbeit im deutschsprachigen Raum. Mit nunmehr 30 Bänden bietet sie ein Publikationsforum für die DGSA, ihre Sektionen und Fachgruppen, insbesondere in Form von Tagungsbänden und themenspezifischen Sammelbänden. Aktuell erscheint der 30. Band Ein Glossar zum Praxisverständnis Sozialer Arbeit, herausgegeben von Selma Haupt, Tilman Kallenbach und Nils Klevermann für die Fachgruppe netzwerkAGsozialarbeit.
Anlässlich ihres Jubiläums lohnt sich ein Blick auf die Geschichte, die thematische Breite und die Bedeutung dieser Reihe: Sie dient der disziplinären Selbstverständigung, schafft Sichtbarkeit und dokumentiert Fragestellungen der Wissenschaft und Praxis Sozialer Arbeit.
Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) wurde 1989 gegründet, um die Wissenschaft der Sozialen Arbeit zu stärken, ihre Forschungsbedingungen zu verbessern und den fachlichen Austausch zu fördern. In diesem Kontext entstand später auch die Buchreihe, die nun „Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit“ heisst. Sie ist Teil des langfristigen Engagements der Fachgesellschaft, vielfältige Beiträge sichtbar zu machen und wissenschaftliche Diskurse einem breiteren Fachpublikum zugänglich zu machen.
Damit erfüllt sie eine zentrale Aufgabe wissenschaftlicher Publikationen: Sie schafft einen Raum, in dem sich unterschiedliche Perspektiven begegnen, neue Ideen entstehen und wissenschaftliche Diskussionen über längere Zeiträume hinweg nachvollziehbar bleiben.
Ein Spiegel der Entwicklung der Sozialen Arbeit
Wer die bisher erschienenen Bände der Reihe betrachtet, erkennt schnell: Die Buchreihe ist zugleich ein Spiegel der Entwicklung der Sozialen Arbeit als Wissenschaft und Profession.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Soziale Arbeit stark ausdifferenziert. Neue Forschungsfelder sind entstanden, theoretische Ansätze wurden weiterentwickelt und gesellschaftliche Herausforderungen haben neue Fragestellungen hervorgebracht. Die DGSA selbst ist auf 1600 Mitglieder angewachsen. Neben den ersten Sektionen und Fachgruppen haben sich viele weitere gegründet, die teils nicht nur regelmäßige Treffen, sondern eigene Tagungen veranstalten sowie Projekte und Veröffentlichungen hervorbringen.
Diese Dynamik spiegelt sich deutlich in der Buchreihe wider. Viele Bände entstehen aus Tagungen, Workshops oder Forschungsprojekten innerhalb der DGSA-Sektionen und -Fachgruppen. Andere greifen aktuelle gesellschaftliche Themen auf, die für die Soziale Arbeit von besonderer Bedeutung sind und oft bei den Jahresstagungen der DGSA im Mittelpunkt stehen.
So entsteht über die Jahre hinweg ein vielfältiges Panorama der wissenschaftlichen Diskussionen innerhalb der Disziplin.
Theorie, Forschung und Praxis im Dialog
Schon der Titel der Reihe macht deutlich, worum es geht: Theorie, Forschung und Praxis sollen nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern in einen produktiven Dialog treten.
Die Bände der Reihe zeigen, dass die Wissenschaft der Sozialen Arbeit eng mit der Praxis verbunden ist – besonders pointiert das aktuelle Glossar zum Praxisverständnis (Band 30). Viele Beiträge entstehen aus konkreten Praxisfragen, empirischer Forschung oder aus der kritischen Reflexion professionellen Handelns. Aufgegriffen werden etwa konkrete Praxisfragen wie Perspektiven von Adressat:innen und Nutzer:innen auf den Umgang mit der Corona-Pandemie, Professionelles Handeln und empirische Forschung werden reflektiert und theoretisiert, viele Bände geben gesellschaftskritischen Debatten Raum. Das macht sie nützlich für Studierende, Lehrende, Wissenschaftler:innen und Fachkräfte.
Vielfalt der Themen und Perspektiven
Die Bände behandeln eine breite Palette an Themen, beispielsweise:
- Diskussionen über den Gegenstandsbereich und die Wissenschaftlichkeit der Sozialen Arbeit
- Analysen sozialer Ungleichheit und sozialpolitischer Entwicklungen
- Fragen professioneller Handlungskompetenz
- Forschung zu spezifischen Praxisfeldern wie Jugendhilfe, Sozialpolitik oder Gemeinwesenarbeit
- methodische und forschungsethische Perspektiven
Auch gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich in den Themen der Reihe wider. Migration, Digitalisierung, soziale Ungleichheit, Klimakrise, Fachkräftemangel oder neue Formen sozialer Exklusion sind Beispiele für Themen, die zunehmend in den wissenschaftlichen Diskurs der Sozialen Arbeit einfließen und zum Beispiel in den Bänden, die auf den Jahrestagungen basieren, thematisiert wurden.
Diese Vielfalt zeigt, wie breit das Spektrum sozialarbeitswissenschaftlicher Forschung ist und wie viele Perspektiven zur Analyse sozialer Probleme beitragen.
Eine Plattform für die wissenschaftliche Gemeinschaft
Die Buchreihe ist nicht nur ein Publikationsort, sondern auch Ausdruck einer wissenschaftlichen Gemeinschaft. Sie dient als Plattform etablierter Forschende und junger Wissenschaftler:innen, die ihre Forschung einem größeren Fachpublikum vorstellen. Die Reihe dokumentiert Debatten und unterstützt so den Austausch in der DGSA.
Ausblick
Die gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen sich die Disziplin beschäftigt, sind enorm: wachsende soziale Ungleichheit, demografischer Wandel, Kriege, Flucht und Migration, Digitalisierung und ökologische Krisen. Sie berühren das Selbstverständnis und Mandat einer gesellschaftlich verankerten Profession. Zugleich verändern diese Herausforderungen die Rahmenbedingungen professioneller Sozialer Arbeit grundlegend.
Die Buchreihe „Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit“ wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle dabei spielen, diese Entwicklungen wissenschaftlich zu begleiten. Sie bietet Raum für neue theoretische Perspektiven, innovative Forschungsansätze und kritische Reflexion professioneller Praxis.
Die DGSA-Reihe hat sich über viele Jahre hinweg als wichtiger Bestandteil der sozialarbeitswissenschaftlichen Publikationslandschaft etabliert. Durch ihre Beiträge kann sie einen wertvollen Service leisten: Sichtbarkeit und Dokumentation für die Fachcommunity. Die Stärke der Buchreihe liegt in der Verbindung unterschiedlicher Perspektiven, in der Offenheit für neue Themen und in ihrer engen Verbindung zur wissenschaftlichen Gemeinschaft der Sozialen Arbeit.
Wer die Bände der Reihe liest, erhält nicht nur Einblick in einzelne Themenfelder – sondern auch in die Entwicklung der Sozialen Arbeit als Wissenschaft.
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Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (Hrsg.):
Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit
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