Bücher kalkulieren

Buch Geld © Pixabay 2020 / Foto: christianpackenius

Beim wissenschaftlichen Publizieren treffen zwei Welten aufeinander: die Welt der Wissenschaft auf die Welt des Wirtschaftens. Für einen Wissenschaftsverlag ist ein Buch nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern auch ein Wirtschaftsgut: Wir Verlagsleute leben von dem, was wir tun.

Wie kalkulieren wir ein Buch? Welche Faktoren spielen in eine Publikation hinein? Lassen Sie uns diese Dinge gemeinsam anschauen.

 

Bei der Kombination dieser Elemente, muss berücksichtigt werden, dass der Ladenpreis nicht beliebig in die Höhe schießen darf. Denn unabhängig von unseren Wünschen, wie viele Exemplare wir gern verkaufen wollen würden, kann ein Ladenpreis prohibitiv wirken.

Wir diskutieren häufig darüber, wie hoch ein Ladenpreis sein darf, um für die Leser*innen kein Hinderungsgrund zu sein. Es gibt extrem spezifische Forschungsliteratur, von der wir nicht erwarten, dass sie außerhalb von Bibliotheken überhaupt Käufer*innen findet. Die Ladenpreise für derartige Bücher werden in der Regel vergleichsweise höher ausfallen. Am anderen Ende des Spektrums finden wir Lehr- und Studienbücher: Wir wünschen uns, dass Studierende diese Bücher für ihren eigenen Studienerfolg anschaffen. Entsprechend versuchen wir, den Ladenpreis niedriger zu halten.

Insgesamt zeigt unsere Erfahrung, dass der Ladenpreis nur ein kleiner Faktor für den Erfolg eines Buches ist. Überschreitet er allerdings die Grenze der Zumutbarkeit aufgrund der vereinfachten Kalkulation, die ich in der Infografik erläutere, ist ein Zuschuss unumgänglich. Dies gilt erst recht, wenn wir das Buch – als Open-Access-eBook – kostenlos abgeben. In diesem Falle haben wir kaum eine Chance, die Kalkulation mit Buchverkäufen zur Deckung zu bringen.

Die Gemeinkosten fallen übrigens in unterschiedlichen Verlagen verschieden hoch aus, aber kein Unternehmen kommt ohne Gemeinkosten aus.

Hier unterscheiden sich die normalen Wissenschaftsverlage von Hochschulverlagen (zumindest im deutschsprachigen Raum). Letztere finanzieren sich vollständig und direkt aus Hochschulmitteln, während Verlage ihre eigene Existenz erwirtschaften. Dadurch entstehen einige Missverständnisse. Eines der grundlegenden Missverständnisse liegt im Bereich der wirtschaftlichen Kalkulation eines Buches. Während ein Hochschulverlag eine vorhandene Infrastruktur mitbenutzen kann – von Personal- über Raumkosten inklusive der Büroausstattung bishin zu den Kosten für die digitale Infrastruktur, inklusive der Hardware und Software u.v.m. -, müssen all diese Dinge von den Wissenschaftsverlagen über den Verkauf von Publikationen oder Dienstleistungen erwirtschaftet werden.

Auch Gewinn gehört für ein gesundes Unternehmen zum Wirtschaften. Gewinn ist im Übrigen notwendig, um über das Leben von der Hand in den Mund hinaus investieren und Krisen meistern zu können. Kein Verlag könnte in einer Krise (wie zum Beispiel bei den Umsatzrückgängen, die durch die Folgen einer Pandemie ausgelöst werden) seine Mitarbeiter*innen behalten, seine Miete bezahlen und seine Produktion fortsetzen, wenn er nicht ein Polster aus Vor-Krisenzeiten hätte. Einen Hochschulverlag treffen derartige Krisen nicht sofort und im gleichen Maße – er sieht sich auch nicht in der Situation, dass er durch eigene unternehmerische Entscheidungen derartige Engpässe durchstehen müsste. Von daher kann die Überlebensnotwendigkeit des wirtschaftlichen Gewinns für einen Hochschulverlag aussehen, als würde sich eine Verlegerin wie ich die Taschen vollmachen wollen. Und dabei ist es lediglich das nachhaltige Handeln einer vor- und umsichtigen Kauffrau.

 

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