Der wissenschaftliche Beirat: Prof. Dr. Marianne Kneuer

Der wissenschaftliche Beirat im Interview

Seit vielen Jahren wird der Verlag Barbara Budrich von einem engagierten wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Die Mitglieder sind mit einem oder mehreren unserer Fachbereiche (Politikwissenschaft, Soziologie, Erziehungswissenschaft, Soziale Arbeit, Gender Studies) sehr vertraut und stehen uns aktiv bei unserer Programmentwicklung zur Seite.

In dieser Rubrik stellen wir die Mitglieder unseres Beirats vor.

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Name: Prof. Dr. Marianne Kneuer

Fachbereich: Politikwissenschaft

Kurzvita: Nach zehn Jahren praktisch-politischer Tätigkeit (als Journalistin u.a. bei der FAZ und als Redenschreiberin von Bundespräsident Roman Herzog) kehrte ich in die Academia zurück und habilitierte mit einem DFG-Forschungsstipendium. Danach folgten Vertretungsprofessuren an den Universitäten Erfurt, Hagen und Darmstadt. Seit 2011 habe ich eine Universitätsprofessur an der Universität Hildesheim inne. Da ich es für wichtig halte, sich auch im Dienst für die Disziplin zu engagieren, habe ich seit 2000 verschiedene Funktionen innegehabt – sowohl in der DVPW (Sprecherin des Arbeitskreises Demokratieforschung) als auch in der DGfP (Vorstandsmitglied und Vorsitzende). Seit 2012 schließlich bin ich zudem international engagiert mit verschiedenen Funktionen in der International Political Science Association (IPSA), deren Präsidentin ich bin (2018-2021).

 

Mein Forschungsbereich

Mein erstes Forschungsinteresse liegt im Bereich der vergleichenden Regimeforschung; d.h. mich interessieren die Bedingungen und Gründe, unter denen Demokratien entstehen und zusammenbrechen und sich zu Autokratien entwickeln. Und gleichermaßen untersuche ich den umgekehrten Prozess von der Autokratie hin zur Demokratie. Damit eng verbunden ist die für Regimeforscher immer wichtiger werdende Frage, mit welchen Messinstrumenten Qualität von Demokratie zu messen ist. Die Beschäftigung mit den Themen war einerseits geprägt durch die „Bonner Schule“ um Karl Dietrich Bracher und die Auseinandersetzung mit Totalitarismus, zum anderen durch meinen Fokus auf Südeuropa und Lateinamerika und mein Studium in Spanien.

Mit der Entwicklung digitaler Medien (Internet, soziale Medien) hat sich mein zweiter Forschungsschwerpunkt herausgebildet: Die Analyse der Wirkung der Digitalisierung auf demokratische Prozesse, aber auch als Instrument autokratischer Machthaber. Insofern betrachte ich auch das Thema Digitalisierung im Lichte des Regimevergleichs. Vor allem interessieren mich digitale Partizipation und digitales Regieren sowie die Nutzung digitaler Medien durch politische Akteure.

 

Zu dieser konkreten Fragestellung forsche ich derzeit

Da Autokratisierung und Digitalisierung zwei Themen sind, deren Aktualität in der letzten Zeit eher zunimmt, gibt es Grund und Gegenstände, daran weiter zu forschen. Allerdings haben die jüngsten Krisen (Migrationskrise und Covid-19-Pandemie) mir ein weiteres Forschungsfeld erschlossen. In zwei interdisziplinären Forschungsverbünden (SOLDISK und SAFE-19) befassen wir uns mit der Rolle von Solidarität in diesen Krisen. Wie und warum entwickelt sich Solidarität? Transformiert sie sich über den Zeitraum der Krise hinweg? Und was können wir aus Diskursen über Solidarität ablesen? Der Themenkomplex Krise dürfte mich und die Forschung noch länger beschäftigen …

 

Meine letzte Publikation im Verlag Barbara Budrich

Political Science and Digitalization – Global Perspectives, herausgegeben zusammen mit meiner Kollegin Helen V. Milner, Princeton (USA).

Der Sammelband entsprang einer internationalen Tagung in Hannover im Dezember 2017, die Helen Milner und ich gemeinsam organisierten. Unter dem Thema „Political Science in die Digital Age“ ging es einerseits um den Forschungsgegenstand Digitalisierung, andererseits aber auch um eine Erkundung, welchen Einfluss Digitalisierung auf Forschung, Lehre, Publizieren und andere Aspekte unserer Profession hat. Aus einem der internationalen Roundtables entstand die Idee, erstmals eine cross-region Betrachtung dazu zusammenzustellen. Über 20 Beiträge zeichnen ein globales Bild, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Wissenschaftsgemeinschaften und ihre nationalen Kontexte hatte.

 

Was ich dem wissenschaftlichen Nachwuchs mit auf den Weg geben möchte

Sich trotz alledem nicht verbiegen lassen, sich treu bleiben, für die eigene Forschung brennen, aber nie vergessen, auch über den Tellerrand zu schauen …

 

Darum bin ich Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Verlags Barbara Budrich

Hinter dem Verlag Barbara Budrich steht ein klares und überzeugendes Konzept, das schon viele Jahre trägt – und dies trotz der rasanten Veränderungen im Verlagsbereich. Barbara Budrich steht für ein qualitätsvolles Programm und für Orientierung an Autor:in und Kund:in. Das möchte ich als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat unterstützen.

 

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3D Cover Political Science and DigitalizationMarianne Kneuer, Helen V. Milner (eds.): Political Science and Digitalization – Global Perspectives

 

 

 

Eine Übersicht der Beiratsmitglieder …

Glühbirne © Pixabay 2020 Foto: LoveYouAll… finden Sie auf unserer Website.

 

© Titelbild gestaltet mit canva.com; Autorinnenfoto: privat