4 Tipps gegen Schreibblockaden beim Schreiben in der Wissenschaft

Ob es die Angst vor dem weißen Blatt Papier ist oder der verlorene rote Faden im eigenen gedanklichen Chaos – diese vier nützlichen Tipps helfen bei jeder Art von Schreibblockade.

 

1) Papier so weiß wie unberührter Neuschnee

Wenn ihr Kopf plötzlich genauso leer scheint wie das weiße Blatt Papier, das vor Ihnen liegt, versuchen Sie Folgendes:

Denken Sie an jemanden – oder erfinden Sie jemanden – den Sie sich als ideale*n Leser*in wünschen würden: freundlich, zugetan, offen und wirklich neugierig auf das, was Sie zu schreiben haben. Schreiben Sie dieser Person einen Brief, in welchem Sie formulieren, was Sie fühlen und was Sie nicht vorstellungsgemäß auf das weiße Blatt Papier niedergeschrieben bekommen. Beginnen Sie ruhig mit „Liebe Rebecca“, „Lieber Andreas“ oder „Sehr geehrter Herr Professor Marx“, wenn es dem Zweck hilft, denn es ist erst einmal nur wichtig, dass Sie ins Schreiben kommen.

Später, wenn Sie den Weg in Ihren Text sicher gefunden haben, gibt es keinen Neuschnee mehr und das Blatt ist nicht mehr weiß. Sie können das Geschriebene so überarbeiten, ergänzen und streichen, dass es in den wissenschaftlichen Duktus passt, und es fällt Ihnen nun viel leichter, weiterzuschreiben. Jedes Mal, wenn Sie wieder an eine dieser zugeschneiten Stellen kommen, können Sie den inneren Dialog mit Ihrem idealen Leser führen, um zum Weg zurückzufinden.

 

2) Niete oder Beststeller-Autor*in

Die wenigsten Autor*innen können sich ein objektives Bild von Ihrem eigenen Werk machen. Egal, ob Sie in der positiven oder der negativen Sichtweise auf das von Ihnen Geschriebene feststecken – wenn Sie die neutrale, fachliche Sicht auf Ihre Arbeit verloren haben, sollten Sie jemand anderen danach suchen lassen:

Suchen Sie sich einen Schreib-Partner, der in einer ähnlichen Situation ist wie Sie, und bitten Sie ihn um eine Bewertung dessen, was Sie bislang geschrieben haben. Legen Sie gemeinsam Regeln fest, an die Sie sich beide halten, um zu verhindern, dass Ihnen vernichtende Kritik das Weiterarbeiten zu schwer macht. Beispiele für den Anfang:

  • Beschreibend—nicht wertend
  • Auf Augenhöhe: weder von oben herab noch unterwürfig
  • Konstruktiv—nicht destruktiv

Darauf können Sie jederzeit aufbauen, aber halten Sie die Menge Ihrer Regeln klein und überschaubar.

 

3) Die inneren Kritiker*innen schlafen nie!

Zwei Seiten derselben Medaille: Egal, wie lange und hart Sie an einem einzigen Satz arbeiten, nie wird er fertig, weil Sie nie damit zufrieden sind – oder: Einschätzungen von außen werden aus Unsicherheit zu inneren Wahrheiten.

Um mit äußeren sowie inneren Stimmen besser zurechtzukommen, schlage ich Ihnen Folgendes vor: Versprechen Sie sich zu Beginn des Schreibens, dass Sie diesen Text niemandem zeigen werden. Kommt Ihr innerer Nörgler zum Vorschein, während Sie schreiben, bitten Sie ihn, so lange still zu bleiben, bis Sie mit der aktuellen Schreib-Zeit fertig sind—danach darf er sich äußern.

Eine weitere Möglichkeit, mit diesen – häufig sehr widersprüchlichen – inneren Stimmen umzugehen, ist es, Ihr inneres Regime darum zu bitten, sich an Regeln für gutes Feedback zu halten (zum Beispiel „konstruktiv statt destruktiv“).

Mehr zum Konzept des „Inneren Teams“ in den Schriften des Kommunikationswissenschaftlers Friedemann Schulz von Thun (2011).

 

4) Der Mount Everest als Labyrinth

Sie wollen losschreiben und werden von so vielen Gedanken und Ideen bestürmt, dass es Ihnen vorkommt, als wäre Ihr Vorhaben ein Bergpfad in einem riesenhaften Gebirge, der sich in einem unübersichtlichen Labyrinth den Hang hinaufwindet. Ein Ende ist nicht zu sehen – aber auch kein Anfang. In diesem Fall hilft es, die Dinge in Portionen zu zerlegen – ob im Alltag oder beim Schreiben – dessen Bewältigung Ihnen dann deutlich leichter fällt, und dazu brauchen Sie einen Plan, genauso wie den Mut zum Weglassen (denn Sie können nicht alle Probleme lösen).

Notieren Sie zentrale Schlüsselbegriffe auf Post-It-Zetteln und sortieren Sie diese nach hierarchischen Beziehungen: Was hängt womit zusammen? Was ist ursächlich, was ist konsequent? Gibt es Begriffe, die nicht so recht zu den übrigen Begriffen passen? Sie haben mit Sicherheit zu viel Material – schreiben Sie diese in Fußnoten und entscheiden Sie am Schluss, welche noch in Ihren Text passen und welche Sie ganz streichen.

 

… und wenn das alles nicht hilft?

So individuell wie Sie selber und auch Ihre Texte sind auch die Blockaden, die Sie plagen können. Sollten Sie Unterstützung brauchen, hilft Ihnen das Team unseres Schulungsunternehmens budrich training gern weiter.

 

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