
Ein Praktikum eignet sich, um zu schauen, wie sich ein vermeintlicher Traumjob in der Praxis darstellt. Die Arbeit im Wissenschaftsverlag ist – so unser Eindruck – nach wie vor attraktiv. Vor allem das Lektorat lockt. Und häufig scheint dieser Arbeitsbereich mit romantischen Vorstellungen einherzugehen: vom Lesen spannender Texte und persönlichen Auseinandersetzungen mit Autor*innen über einzelne Formulierungen. Da kann das Verlagspraktikum ein wenig wie eine kalte Dusche wirken: Datenbankpflege statt zahllose Manuskripte und Wortwelten; Abprüfen von Qualitätskriterien statt liebevoller Textarbeit; Marktbeobachtung und -analyse, Recherche, Protokolle, Berichte, …
Der folgende Praktikumsbericht von Lisa Endmeir aus dem Sommer 2026 zeigt jedoch, dass ihre Ernüchterung gar nicht so groß war und auch die „ernüchternden“ Tätigkeiten Freude machen können.
Zu den Beweggründen des Verlages Barbara Budrich, Praktika anzubieten und was uns als Unternehmen dabei besonders wichtig ist, erzähle ich, Barbara Budrich, bei anderer Gelegenheit.
Praktikum im Verlag: Erfahrungsbericht von Lisa Endmeir
Während ich bis vor drei Monaten nur eine vage Idee davon hatte, was alles passieren muss, bis ich ein Buch im Laden aufschlagen kann, habe ich in der Zwischenzeit unmittelbar miterlebt, welche Arbeitsschritte und Überlegungen dahinterstecken. Die Wochen, die ich als Praktikantin im Verlag Barbara Budrich verbracht habe, sind geradezu verflogen. Und doch merke ich bei einem Blick zurück für diesen Text, wie gefüllt die Zeit war und wie viel ich gelernt habe.
Wie bin ich zum Verlag gekommen?
Als ich letztes Jahr für meine Bachelorarbeit in Soziologie recherchierte, stieß ich immer wieder auf den Verlagsnamen Barbara Budrich. Im Impressum von spannenden wissenschaftlichen Büchern, etwa zu feministischen Perspektiven auf Familie und Elternschaft, oder auch in der Fachzeitschrift GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. So häufig, dass ich mich bald fragte: Wäre es nicht spannend, einmal einen Blick hinter die Kulissen eines Wissenschaftsverlags zu werfen? Wie sich zeigte, ist der Verlag offen für Praktikant:innen, sodass ich ein paar Monate später die Chance erhielt, einen Einblick in die Verlagswelt zu bekommen.
Mein Praktikumsalltag
Vom ersten Tag an fühlte ich mich im Verlag und vor allem in der Lektoratsrunde sehr willkommen. Das begann bereits mit der persönlichen Begrüßung durch Philip Bergstermann, einen der Lektor:innen, sowie dem Kennenlernen der anderen Kolleg:innen im Verlag. Die täglichen Morgenrunden und die wöchentlich stattfindende Lektoratssitzung – beides online – empfand ich als wertvolle Gelegenheiten, einen Eindruck von der Arbeitsweise im Team zu bekommen. Während meiner gesamten Praktikumszeit erlebte ich meine Kolleg:innen als sehr wertschätzend und immer bereit für einen Austausch. Arbeitsabläufe und Aufgaben wurden mir ausführlich erklärt, sodass ich gut an die Hand genommen wurde und mich nie scheuen musste, auch später noch Rückfragen zu stellen.
Dabei waren meine Praktikumsaufgaben total vielfältig. Im Vordergrund stand natürlich die Unterstützung im Lektorat und in der Herstellung. Ein großer Teil meiner Aufgaben bestand darin, Manuskripte und Typoskripte (druckfertige Dokumente) Korrektur zu lesen, also auf Fehler in Rechtschreibung, Grammatik und Formatierung zu überprüfen. Neben dieser Arbeit direkt am Text gefiel es mir besonders, Publikationsanfragen von Autor:innen zu sichten und dem Lektoratsteam vorzustellen. Jedes Mal aufs Neue war es spannend, mitgesandte Exposés oder Leseproben zu öffnen und mich einzulesen. Immer mit diesen Fragen im Hinterkopf: Passt dieses Buch ins Verlagsprogramm? Für welche Zielgruppe könnte es interessant sein? Überzeugt das Konzept?
Daneben übernahm ich viele Rechercheaufgaben zu den unterschiedlichsten Themen. Sei es die Suche nach potenziellen Autor:innen in einem bestimmten Forschungsfeld, das Zusammentragen von E-Mail-Adressen oder die Recherche von passendem Bildmaterial für die Website. Durch die Abwechslung in meinen ToDos konnte ich mir meine Zeit gut einteilen und nach ein paar Stunden konzentrierter Textarbeit meinem Gehirn mit einer systematischen Internetrecherche eine Pause gönnen. Zwischendurch durfte ich auch selbst kreativ werden und Vorschläge für Werbetexte von Büchern oder Buchtitel erarbeiten. Langweilig wurde mir auf jeden Fall selten, was wohl auch daran lag, dass ich neben den Bereichen Lektorat und Herstellung auch Kolleg:innen aus dem Marketing oder dem Zeitschriftenteam unterstützen durfte.
Highlights aus meiner Praktikumszeit
Für mich war ideal, dass die wissenschaftlichen Fachbereiche im Verlagsprogramm genau meinen Interessen im Studium entsprechen. Im Archiv schlummert ein riesiger Fundus an Veröffentlichungen aus den letzten 20 Jahren, durch den ich mich immer mal wieder blätterte. Auch während dem Korrekturlesen konnte ich die Gelegenheiten nutzen, auch mal ein paar Zeilen mehr in den Buchprojekten zu lesen. So erfuhr ich ganz nebenbei noch Neues aus den Sozial- und Erziehungswissenschaften.
Absolutes Highlight waren die beiden Außentermine, zu denen ich meine Kolleg:innen begleiten durfte. Bei einem jährlich stattfindenden Gespräch mit dem Auftraggeber BIBB, dem Bundesinstitut für Berufsbildung, ging es um Absprachen über den Herstellungsprozess und eine Diskussion über den Einsatz von KI in wissenschaftlichen Publikationen. Besonders freute ich mich über die Chance, bei einer Redaktionssitzung der eingangs erwähnten Fachzeitschrift GENDER in Essen dabei zu sein. Hier konnte ich die Redaktionsarbeit hautnah miterleben. Was für ein Glück, dass der Termin genau in meine Praktikumszeit fiel!
Ein kleiner Rückblick
Am Ende meines Praktikums nehme ich viele Eindrücke mit, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Arbeitsabläufe im Verlag und die Verlagswelt im Allgemeinen. In jedem Fall werde ich auf viele der Fertigkeiten auch in anderen Kontexten zurückkommen und sicherlich in meinem Masterstudium häufig an die Praktikumszeit zurückdenken. Und wer weiß, ob mich mein Weg in Zukunft nicht wieder in die Verlagswelt führt, vorstellen kann ich mir das nun definitiv …
Ein Praktikum beim Verlag Barbara Budrich – in einem wirklich lieben Team – kann ich nur empfehlen. Das ist eine gute Idee, wenn Du gerne mit Texten zu tun hast und Dich die Fachbereiche Sozial- und Erziehungswissenschaften interessieren. Und vor allem dann, wenn Dir auch Aufgaben liegen, bei denen es um Details geht, sei es die Korrektur von Formatierung und Grammatik oder die sorgfältige Pflege von Datenbanken. Solltest Du dich für eine Bewerbung entscheiden, drücke ich Dir die Daumen und wünsche Dir viel Spaß bei Deiner Praktikumszeit!
Abschließend möchte ich mich beim Verlag Barbara Budrich, dem gesamten Team und ganz besonders bei den Lektor:innen für die tolle Praktikumszeit bedanken. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und hatte immer den Eindruck, gut in die Arbeitsabläufe eingebunden zu werden. Vielen lieben Dank Euch!
Lisa Endmeir, Juli 2026
Die Autorin
Ich bin Lisa Endmeir und war von Ende April bis Ende Juli 2026 Praktikantin im Verlag Barbara Budrich. Kurz vor Beginn meines Praktikums habe ich den Bachelor in Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln abgeschlossen. Im Oktober 2026 beginnt für mich dann das Masterstudium in Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Sie möchten ein Praktikum im Verlag Barbara Budrich absolvieren?
Alle Infos dazu finden Sie auf unserer Website unter Jobs.
© Titelbild gestaltet mit canva.com ; Fotos Barbara Budrich und Lisa Endmeir: privat

