30 Jahre „Geschlecht und Gesellschaft“: Ein persönlicher Rückblick

Geschlecht und Gesellschaft Rückblick Barbara Budrich

Der 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie fand vom 22.-25.9.2025 an der Uni Duisburg statt. Die Budrich-Verlage waren mit einem Stand vertreten – und ich konnte leider nicht dabei sein. Sehr gern wäre ich der Einladung der Herausgeber*innen der Buchreihe „Geschlecht und Gesellschaft“ gefolgt und wenigstens am Kongress-Mittwoch vor Ort gewesen. An jenem Tag fand eine Veranstaltung zum 30-jährigen Bestehen der Reihe statt.

Zwar erscheint diese Reihe mittlerweile bei dem Konzernverlag Springer Nature, bei dem der Verlag Leske + Budrich meines Vaters mittlerweile gelandet ist. Er hatte sein Haus 2003 an BertelsmannSpringer verkauft – und das Unternehmen hat seither zahlreiche Umstrukturierungen erlebt. Aber der erste Band der Reihe erschien 1995 – und damit zu Zeiten von Leske + Budrich.

 

Wie alles begann: Der Beginn der Reihe „Geschlecht und Gesellschaft“

Im Jahr 1994 war ich zu meinem Vater gegangen und hatte ihn gefragt, ob wir das Verlagsprogramm auf den Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung ausweiten könnten. Halb hatte ich mit einer Absage gerechnet. Stattdessen sagte mein Vater, er habe von einer renommierten Professorin gehört, die für eine einschlägige Buchreihe einen Verlag suche.

So kamen wir damals zueinander: Prof. Dr. Ilse Lenz und ich. Wir diskutierten die Reihe und ich lernte die weiteren Gründungsmitglieder kennen: Prof. Dr. Michiko Mae, Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, Prof. Dr. Ulla Müller und Prof. Dr. Marlene Stein-Hilbers. Im Jahr 1995 erschien im Januar mit Armbruster et al. (Hrsg.): „Neue Horizonte? Sozialwissenschaftliche Forschung über Geschlechter und Geschlechterverhältnisse“ Band 1 der nagelneuen Reihe „Geschlecht und Gesellschaft“.

 

Das Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung: Ein Herzensprojekt

In den knapp zehn Jahren, die ich die Reihe begleiten durfte, erinnere ich mich an großartige Begegnungen mit namhaften Autor*innen. Denn in der Reihe sind seither viele, viele Bände erschienen, wie die erste Auflage von Paula-Irene Villas „Sexy Bodies“ oder „Männlichkeiten“ von damals noch Robert, heute Raewyn Connell. Aus der „Internationalen Frauenuniversität – Technik und Kultur“ ifu, 2000 in Hannover gingen Publikationen hervor und ich lernte Aylâ Neusel kennen.

Eines „meiner“ wichtigsten Projekte erschien leider nicht mehr im Verlag meines Vaters. Denn erst 2004 und damit nach dem Verkauf von Leske + Budrich erschien das Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Die Idee zum Handbuch kam mir bereits 1994. Doch ist so ein Handbuch eine sowohl arbeitsintensive als auch kostspielige Angelegenheit – und ich fand lange niemanden, der oder die es auf sich nehmen konnte oder wollte, ein so großes Projekt anzugehen. Bis Dr. Beate Kortendiek als Koordinatorin des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW gemeinsam mit ihrer damaligen Chefin Prof. Dr. Ruth Becker vermelden konnte: Die Koordinationsstelle übernimmt das Projekt – sowohl finanziell als auch redaktionell.

Ich erinnere mich an viele Fahrten zu Redaktionssitzungen nach Dortmund, wo die Koordinationsstelle damals noch angesiedelt war, bevor sie nach Essen umzog. Ich war als Mit-Herausgeberin des Bandes intensiv in die Arbeiten zum Handbuch mit einbezogen. Als Lektorin, nicht als Fachwissenschaftlerin. Es war ein echtes Mammutprojekt und die Herausgeber*innen, die Koordinationsstelle, allen voran Beate Kortendiek – wir alle haben unglaublich engagiert gearbeitet!

 

Der Abschied von „Geschlecht und Gesellschaft“ – und ein Neuanfang im eigenen Verlag

Für mich war es ein großer Schmerz, die gesamte Reihe und vor allem dieses Handbuch einem anderen Verlag überlassen zu müssen. Das Handbuch erschien 2004. Im Jahr der Gründung meines Verlages Barbara Budrich.

Dass ich die Reihe Geschlecht und Gesellschaft – und viele weitere Publikationen und Autor*innen „zurücklassen“ musste, war traurig. Aber ich habe den Eindruck, dass die Reihenverantwortlichen das Beste daraus gemacht haben! Die Produktivität der Reihe ist ungebrochen, namhafte Autor*innen veröffentlichen dort, begleitet von einem renommierten Herausgeber*innengremium.

Herzlichen Glückwunsch an die Buchreihe und alle, die sich mit ihr verbunden fühlen, für 30 Jahre wissenschaftlich, persönlich und verlegerisch hervorragender Arbeit!

 

Die Autorin: Barbara Budrich

Budrich, Barbara 2024 © privatBarbara Budrich, M.A., ist von Kindesbeinen an im Wissenschaftsverlag tätig und seit 2004 selbstständige Verlegerin. Außerdem ist sie Trainerin und Coach für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren im Schulungsunternehmen budrich training. Zudem ist sie selbst Autorin. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie führt sie seit 2015 als Vorbildunternehmerin.

 

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© Foto Barbara Budrich: privat | Titelbild gestaltet mit canva.com