Open Access in der Praxis: Perspektiven eines unabhängigen Verlags

Längst ist Open Access zu einem Standard in der Wissenschaftskommunikation geworden – nicht zum einzigen Standard, aber zu einem wichtigen. Für einen Verlag bedeutet das Publizieren im Open Access, dass er keine Erlöse durch den Verkauf von eBooks erzielen kann, da diese kostenfrei zur Verfügung stehen. Und das führt zumeist dazu, dass auch keine gedruckten Exemplare des jeweiligen Titels verkauft werden können.

Beruht also das traditionelle Geschäftsmodell eines Verlages darauf, alle Kosten aus den Verkaufserlösen zu bestreiten, gilt dies bei Open Access nicht. Alle Kosten müssen durch entsprechende Gebühren refinanziert werden. Doch wie funktioniert dieses Geschäftsmodell für einen unabhängigen Verlag wie den Verlag Barbara Budrich?

 

DEAL – ein Rahmenvertrag mit großen Herausforderungen für „alle anderen“ Verlage

Die Allianz der Wissenschaften hat mit drei internationalen Großkonzernen – Wiley, Springer, Elsevier – sogenannte DEAL-Verträge ausgehandelt. Diese Verträge beziehen sich hauptsächlich auf die Finanzierung von Zeitschriftenaufsätzen im Open Access: Autor*innen aus teilnehmenden Einrichtungen können in den einschlägigen Zeitschriften dieser drei Verlage Open Access veröffentlichen.

Die entsprechenden Gebühren (rund 3.000 Euro je Paper) werden zwischen den Einrichtungen und Verlagen abgerechnet. Da dies bei Tausenden von Zeitschriften recht komplex ist, gibt es dafür ein eigens geschaffenes Unternehmen – die Max Planck Digital Library Services gGmbH –, das hier jene Aufgaben übernimmt, von denen in früheren Zeiten der Buchhandel lebte, nämlich die Vermittlung zwischen Universitäten bzw. Bibliotheken und Verlagen.

Diese DEAL-Verträge binden nicht nur enorme Mittel der teilnehmenden Institutionen, was den Spielraum für andere Verlage reduziert. Diese Verträge sind sog. „Publish&Read“-Vereinbarungen: Die so geförderten Aufsätze stehen zwar Open Access, nicht aber die gesamte Zeitschrift, in der ein solches Paper erscheint. Die teilnehmenden Institutionen haben aber kostenlosen Zugriff auf die gesamte Zeitschrift. Das eröffnet den Großverlagen die Möglichkeit, ähnliche Publish&Read-Verträge mit Partnern in der ganzen Welt abzuschließen.

Bei nicht-teilnehmenden Verlagen ist die Förderung von Open-Access-Gebühren für Zeitschriftenaufsätze, die „APCs“ – Article Processing Charges – zumeist an die Bedingung gekoppelt, dass die Zeitschrift vollständig Open Access zu erscheinen hat. Was Verlagen wie dem Verlag Barbara Budrich keinen Spielraum lässt, mit zahlreichen Einrichtungen oder international weitere Vereinbarungen zu treffen.

 

Open-Access-Angebote

Trotz dieser großen Herausforderung an Open-Access-Budgets der wissenschaftlichen Einrichtungen bietet der Verlag Barbara Budrich Open Access erfolgreich als Publikationsformat an. Dabei gibt es unterschiedliche Optionen: Diamond, Gold und Grün. Mit der aktuellen Standard-Lizenz CC BY 4.0.

Viele Autor*innen wünschen sich, dass ihr Buch Open Access erscheinen möge. Unsere Standard-Gebühren für Bücher, die sogenannte Book Processing Charge (BPC), finden Sie auf unserer einschlägigen Webseite.

Für gewöhnlich erscheint zusätzlich zum eBook auch eine gedruckte Ausgabe des jeweiligen Buches – wenngleich die Nachfrage nach Printexemplaren immer weiter abnimmt.

Aktuell (Stand 2026) erscheinen im Verlag Barbara Budrich sieben Diamond-OA-Zeitschriften (darunter zum Beispiel die GENDER, das Soziologiemagazin und die Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung (ZRex)). Diese Zeitschriften arbeiten aufgrund ihrer Finanzierungsmodelle ohne APCs.

Alle übrigen Zeitschriften des Verlags laufen auf der Basis eines Abo-Modells: Der Verkauf der Abonnements finanziert den Betrieb der Zeitschrift. Einzelne Aufsätze können mit dem Open-Express-Modell unmittelbar oder mit einer kleinen Verzögerung Open Access gestellt werden. 24 Monate nach Erscheinen des jeweiligen Hefts werden jedoch alle Ausgaben Open Access gestellt – gehen also mit einer sogenannten Moving Wall den Grünen Weg in Open Access.

 

Kontinuierliches Wachstum

Auch wenn die Finanzierung für Open-Access-Publikationen immer wieder eine Herausforderung ist, ist die Zahl der OA-Veröffentlichungen im Verlag Barbara Budrich über die Jahre kontinuierlich gewachsen. Unser erklärtes Ziel ist es, bis 2030 auf einen Open-Access-Anteil von mindestens 70% bei unseren Büchern zu kommen (s. Nachhaltigkeitsbericht).

Dabei sind BPCs, die von Einzelnen für spezifische Publikationen aufgebracht werden müssen, nicht der einzige Weg. Vielmehr setzen wir gemeinsam mit Partnern auf konsortiale Finanzierungsmodelle, wie zum Beispiel mit der Open Book Collective (OBC) oder der Initiative Purchase to Open (P2O).

Open Access Buch-Publikationen in den Budrich-Verlagen von 2021 bis 2025
Übersicht: Anzahl der OA-Buch-Publikationen in den Budrich-Verlagen von 2021 bis 2025

 

Open Access – auch für Sie?!

Wenn Sie bei uns veröffentlichen wollen – „OA“ oder nicht –, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme! Unsere Lektor*innen können Sie auch mit Blick auf das für Sie optimale Publikationsformat beraten und mit Ihnen die Passung der unterschiedlichen CC-Lizenzen diskutieren.

Sollten Sie als Wissenschaftler*in oder auch als wissenschaftliche Einrichtung keinen Publikationspartner im engeren Sinne suchen, sondern sich Publikationsdienstleistungen wünschen: Genau dafür haben wir budrich agency gegründet, ein auf wissenschaftliches Publizieren spezialisiertes Dienstleistungsunternehmen, das von konzeptioneller und Lektoratsberatung über Produktion bis hin zu Vertrieb und Marketing alles abdeckt, was fürs wissenschaftliche Publizieren von Belang ist.

Nutzen Sie die Vorteile unserer langjährigen Erfahrung: Nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf!

 

Die Autorin

Budrich, Barbara 2024 © privat

Barbara Budrich arbeitete über 10 Jahre im Verlag Leske + Budrich ihres Vaters, bevor sie 2004 den Verlag Barbara Budrich gründete. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze publiziert, übersetzt und geschrieben. Seit 2012 geben sie und ihr Team im von ihr etablierten Unternehmen budrich training (www.budrich-training.de) ihr Know-how zum wissenschaftlichen Publizieren und Schreiben systematisch in Vorträgen, Workshops und Coachings weiter.

© Foto Barbara Budrich: privat ; Titelbild: unsplash.com / Foto: shota legashvili