20 Jahre Budrich: 20 Jahre Verlagsprogramm

20 Jahre Budrich Verlagsprogramm

Seit 20 Jahren Ihr Publikationspartner für die Sozialwissenschaften: 2024 feiert der Verlag Barbara Budrich runden Geburtstag! Über das Jahr hinweg erzählen wir davon, was den Verlag in dieser Zeit bewegt und geprägt hat, lassen unsere Partner*innen zu Wort kommen und feiern mit Ihnen – live und digital hier auf unserem Blog und den Social-Media-Kanälen.

In diesem Blogbeitrag verrät Barbara Budrich ihre Lieblingspublikationen aus dem Budrich-Verlagsprogramm.

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Wenn ich gefragt werde, welche Publikation unseres Hauses meine Lieblingszeitschrift oder mein Lieblingsbuch ist, kann ich nur sagen: alle! Natürlich gibt es Autor*innen, die ich besser kenne als andere, und Themen, die mir näher sind. Es gibt Zeitschriftenredaktionen, mit denen ich regelmäßiger zu tun habe als mit anderen. Doch insgesamt würde es mir schwerfallen, einen „Liebling“ herauszustellen.

 

Das Verlagsprogramm: Manchmal mag ich Zeitschriften lieber …

Doch so viel kann ich sagen: An manchen Tagen mag ich Zeitschriften lieber als Bücher. Zeitschriften haben den Reiz, mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu erscheinen. Das bedeutet, dass die jeweiligen Redaktionen meist über Jahre intensiver mit dem Verlag zu tun haben, abhängig davon, wie häufig die Zeitschrift erscheint. Die Personen wechseln nicht allzu häufig und die Routine macht uns alle zu regelrechten Profis. Und ich arbeite gern mit Profis.

Zeitschriften haben ihre eigene Logik. Die Redaktionen entscheiden selbstständig über die Ausgestaltung der einzelnen Hefte, über die zugehörigen Zu- und Absagen. Beim Austausch über redaktionelle Planung freuen wir uns im Verlag, geben allenfalls hie und da mal eine Empfehlung zu Themen, die nach unserem Eindruck Konjunktur haben, oder zu Wissenschaftler*innen, die ein Paper oder Review verfassen können.

Die Herstellung verläuft mehr oder weniger immer gleich. Und wir dürfen sorgfältig mit darauf achten, dass alles seine Richtigkeit hat – von lebenden Kolumnentiteln (wo die Kopfzeile auf geraden und ungeraden Seiten sowie von Aufsatz zu Aufsatz unterschiedlich ist), über jahrgangsweise Paginierung (wenn die Seitenzahlen für einen Jahrgang durchlaufen und nicht je Heft neu gezählt wird), über die korrekte Vergabe von DOIs (zur ordnungsgemäßen Registrierung von Aufsätzen bei CrossRef) bis hin zur Betreuung der Korrekturläufe und zur Aufbereitung der finalen Dateien inklusive Umschlag- und Anzeigenseiten für Druck und digitale Publikation.

Der Vertrieb läuft mit großer Routine über die von uns kontinuierlich gepflegten und bei Bedarf erneuerten Kanäle mit der Unterstützung korrekter Metadaten und der Registrierung in sämtlichen einschlägigen Datenbanken. Ob digital oder gedruckt, ob über den Handel, Großhandel, Bibliotheken oder direkt an die Leser*innen, ob Open Access oder im Abo-Modell – überall gibt es einschlägige Pfade, jeder Pfad mit eigenen Voraussetzungen, spezifischen Kosten, Provisionen und Anforderungen.

Das Marketing geht Hand in Hand mit den Redaktionen, Herausgeber*innen, gelegentlich unterstützt von Beiratsmitgliedern. Wenn es gut läuft, werden wir frühzeitig über Veranstaltungen und Anlässe informiert, um gedruckt oder digital Kampagnen zu fahren, Werbemittel bereitzustellen und Auftritte zu begleiten – vom Meet-the-Editor bis hin zu Beiratstagungen oder Vortragsanlässen. Auch hier gibt es eine Mischung aus Routine und Besonderem. Und beides zusammen kann in der Kooperation zwischen „dem Verlag“ und „der Zeitschrift“ die größte Wirksamkeit entfalten.

 

 … und dann wieder die Bücher

Und dann gibt es Tage, an denen ich denke, dass die Würze des Lebens einer Verlegerin in Büchern liegt. Gedruckt oder digital, als singuläres Ereignis, als Band in einer Reihe oder als Neuauflage. Bücher bringen häufig den Stand des aktuellen Wissens auf den Punkt und vermitteln die Grundlagen oder sie stoßen Diskussionen an, bringen Impulse. Ein Buch hat – anders als eine Zeitschrift – einen „echten Anfang“ und ein „klares Ende“. Es hat einen einzigen Erscheinungstermin und findet dann Resonanz in der Wissenschaft.

Viele der Dinge, die sich über Zeitschriften sagen lassen, treffen auch auf Bücher zu – mit Blick auf Lektorat, Herstellung, Vertrieb und Marketing. Doch durch die Einzigartigkeit des jeweiligen Buches ist jedes einzelne Erscheinen quasi ein erstes Mal – und damit ein Anfang mit Zauber.

Jedes Buch hat seinen eigenen Charakter. Der wird getragen vom Charakter der beteiligten Personen und ihren Wünschen, aber auch beeinflusst vom jeweiligen Sujet, von der Darstellungsweise und den Umständen. So treten manche Bücher laut und kess auf, definieren sich als Erstlingswerke, ohne jede Schüchternheit. Andere kommen bedächtiger daher, mit Erfahrung, ohne große Illusionen, dafür aber mit Autorität, vielleicht sogar mit Wohlwollen ihren Leser*innen gegenüber. Manches Werk wünscht sich das helle Rampenlicht, während andere eher fleißig und arbeitsam daherkommen: Sie wünschen sich die nüchterne Rezeption durch die Community, um dadurch ihre volle Wirkung entfalten zu können.

Wenn ich so über die Bücher nachdenke, die wir in den vergangenen 20 Jahren veröffentlicht haben, dann weiß ich, dass es Tage gibt, an denen ich Bücher lieber mag als Zeitschriften.

 

Das Wichtigste

Das Wichtigste aber ist das Verlagsprogramm als Ganzes. Ob Zeitschrift, Jahrbuch, Reihe oder Einzelpublikation – das Verlagsprogramm setzt sich zusammen aus diesen individuellen Publikationen, aus denen ein Gesamtbild entsteht. Jede einzelne Publikation erzählt ihre individuelle „Geschichte“ als Beitrag zum jeweiligen Wissenschaftszweig. Und das Verlagsprogramm als Ganzes kommuniziert eine übergeordnete Geschichte. Was Sie, als geneigte Leser*innen, von dieser Geschichte hören, vermag ich natürlich nicht zu sagen (und die Nachricht entsteht ja bekanntlich bei den Empfänger*innen). Ich würde mich aber freuen, wenn etwas in dieser Art bei Ihnen ankäme:

Das Programm zeigt einen engagierten sozialwissenschaftlichen Verlag, der seinen Autor*innen und Themen eine Bühne bietet. Einerseits wird dadurch die jeweilige Wissenschaft vorangetrieben, andererseits drückt sich darin auch der Nutzen aus, den die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Gesellschaft bringen können.

Wenn ich auf diese Art übers Verlegen nachdenke, finde ich es großartig: was für ein Auftrag! Und ich bin dankbar für die vergangenen 20 Jahre mit Ihnen – und freue mich auf die nächsten!

 

Die Autorin

Porträt der Verlegerin Barbara Budrich mit offenen langen Haaren, dunklem Jacket über einem T-Shirt, freundlich lächelnd.Barbara Budrich, M.A., ist von Kindesbeinen an im Wissenschaftsverlag tätig und seit 2004 selbstständige Verlegerin. Außerdem ist sie Trainerin und Coach für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren im Schulungsunternehmen budrich training. Zudem ist sie selbst Autorin. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz führt sie seit 2015 als Vorbildunternehmerin.

 

 

20 Jahre Budrich auf unserem Blog …

… finden Sie in der dazugehörigen Blog-Rubrik.

 

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