VG Wort – Must-Knows für Autor*innen

Wasser Hände © Pixabay 2020 / Foto: Tama66

1.        Verwertungsgesellschaften – Aufgabe und Funktionsweise

„Wir geben 8 aufs Wort“, so lautet das Motto der VG Wort. Von Autor*innen und Verlagen gemeinsam im Februar 1958 gegründet, ist die Aufgabe der VG Wort, für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke Gelder einzusammeln – von Bibliotheken, aber auch aus Copyshops und von Herstellern von Multifunktionsgeräten. Die VG Wort steht wie alle Verwertungsgesellschaften Deutschlands – VG Bild-Kunst, GEMA usw.  – unter der Aufsicht des Deutschen Patent- und Markenamtes.

Die VG Wort sammelt Gelder aus den unterschiedlichen Quellen ein und verteilt sie nach einem festgelegten Schlüssel auf die beteiligten Urheber. 2010 waren das ca. 132 Mio. Euro, von denen knapp die Hälfte aus der Kopiergeräte-Abgabe stammte.

Auch online veröffentlichte Texte können bei der VG Wort berücksichtigt werden. Allerdings müssen sie dafür mit entsprechenden Zählpixeln versehen werden und relativ hohe Zugriffszahlen erreichen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, sich als Autor*in bzw. Übersetzer*in bei der VG Wort für eine „Sonderausschüttung“ anzumelden, falls der Verlag nicht über Zählpixel an die VG Wort meldet bzw. jemand eine eigene Webseite – zum Beispiel einen Blog – betreibt.

Die Ausschüttungen erfolgen jedes Jahr im Sommer für das Vorjahr.

 

2.        Der Wahrnehmungsvertrag für wissenschaftliche Publikationen

Urheber*innen werden von der VG Wort für die Nutzung ihrer Werke entschädigt. Damit diese Entschädigung erfolgen kann, müssen Urheber*innen einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließen.

Die VG Wort kann für die Wahrnehmungsberechtigten die entsprechenden Gelder einsammeln und nach dem jeweiligen Verteilungsschlüssel ausschütten.

Auf der Internetseite der VG Wort ist der Wahrnehmungsvertrag zu finden.

Den Wahrnehmungsvertrag sollte jeder Autor, jede Autorin möglichst frühzeitig abschließen, spätestens mit den ersten eigenen Veröffentlichungen.

Um in allen Bereichen – auch bei nicht-wissenschaftlichen Publikationen – an den Ausschüttungen partizipieren zu können, ist es erforderlich, einen umfassenden Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abzuschließen. Zudem können Urheber*innen mit der VG Wort einen Inkasso-Auftrag fürs Ausland schließen. Die VG Wort kann dann im Rahmen von Abkommen mit anderen nationalen Verwertungsgesellschaften die Interessen dieser Urheber*innen vertreten.

Wissenschaftliche Texte müssen bei der VG Wort einzeln gemeldet werden. Dies geht über das entsprechende Formular, das auf der VG Wort-Seite heruntergeladen werden kann. Alternativ – und von der VG Wort favorisiert – geht dies online.

 

3.        T.O.M.

Das Melden wissenschaftlicher Texte ist am einfachsten über die Online-Plattform der VG Wort zu erledigen. T.O.M. steht für Texte online melden und ist denkbar einfach: In die Maske der VG Wort werden die erforderlichen Angaben zum Titel der Publikation (Zeitschrift oder Buch), zu Umfang, Erscheinungsort und -jahr  sowie die eigene Rolle – (Co-)Autor*in, (Co-)Herausgeber*in, Übersetzer*in – eingegeben. Die VG Wort prüft, ob die Publikation in der erforderlichen Anzahl öffentlicher Bibliotheken verfügbar ist und ob der erforderliche Umfang erreicht wird. Im Zweifelsfalle bekommt man ein Feedback von der VG Wort.

Nach dieser Meldung werden Werk und Autor*in bei der auf das Erscheinungsjahr folgenden Ausschüttung berücksichtigt.

Ich empfehle immer, wissenschaftliche Publikationen möglichst bald nach Erscheinen zu melden. So stellt man sicher, keine Deadline zu verpassen.

Digitale Publikationen, die zur Ausschüttung bei der VG Wort berücksichtigt werden sollen, können ausschließlich über T.O.M. gemeldet werden.

 

4.        Aufteilungspläne und Ausschüttungen

Die VG Wort sammelt die Gelder ein – bei Bibliotheken, bei Geräteherstellern etc. – und verteilt die Gelder wieder.

Es gibt einen grundlegenden Aufteilungsplan für die Wissenschaft und einen für alle anderen Publikationen. Die Mitgliederversammlung der VG Wort hat im Mai 2017 entschieden, dass zwischen Verlagen (sofern sie durch die Intervention des jeweiligen Autors, der jeweiligen Autorin begünstigt werden) und Autor*innen folgendermaßen aufgeteilt wird:

  • wissenschaftliche Publikationen – 50:50,
  • nicht-wissenschaftliche Publikationen – 70:30 Autor:Verlag.

Übrigens: Die Presseverlage hatten von Anbeginn ihren VG Wort-Anteil für die Ausbildung des journalistischen Nachwuchses eingesetzt. Das BGH-Urteil von 2016 (als die reguläre Verlagsbeteiligung abgeschafft wurde) zwang diese Ausbildungsinstitutionen in die Insolvenz, so zum Beispiel die Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV), das Bildungswerk der Zeitungen. Sie hat den Geschäftsbetrieb am 30. September 2016 eingestellt und ist in Liquidation (www.abzv.de; Zugriff 9.1.2020).

Aus den Geldern, die die VG Wort einnimmt, werden diverse Sozialeinrichtungen versorgt:

  • das Autorenversorgungswerk – zur Altersversorgung hauptberuflicher Autor*innen und Journalist*innen,
  • der Sozialfonds – gewährt Beihilfen für in Not geratene Wortautor*innen, Verleger*innen oder deren Hinterbliebene
  • der Förderungsfonds Wissenschaft, den wir uns ein wenig genauer anschauen wollen.

 

Exkurs: Förderungsfonds Wissenschaft der VG Wort

Der Förderungsfonds Wissenschaft der VG Wort bietet Förderungen in folgenden Bereichen:

Literaturausstattung von Universitäts-Lehrstühlen

Es werden Beihilfen zur Literatur-Ausstattung von Lehrstühlen im Bereich des Urheberrechts gewährt.

Promotionsstipendien im Forschungsbereich Urheberrecht

Auch Promotionen im Bereich des Urheberrechts können von der VG Wort gefördert werden.

Übersetzungsförderung

Unter der Bezeichnung „Geisteswissenschaften international“ finanzieren die Fritz Thyssen Stiftung, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und das Auswärtige Amt gemeinsam mit der VG Wort seit 2008 die Übersetzung herausragender sozial- und geisteswissenschaftlicher deutscher Werke ins Englische.

Für Promovierende bzw. Wissenschaftler*innen anderer Fachbereiche kann ein weiterer Förderbereich der VG Wort von Interesse sein, nämlich die Gewährung von Druckkostenzuschüssen.

 

5.        Druckkostenzuschüsse des Förderungsfons Wissenschaft

Die VG Wort gewährt gelegentlich Druckkostenzuschüsse – z.B. für die Veröffentlichung von Dissertationen. Eine Grundvoraussetzung der Antragstellung ist, dass der Antrag noch nicht bereits anderweitig abgelehnt wurde. Deshalb: Wer die Zeit hat – die VG Wort ist nicht unbedingt schnell – und nichts gegen das Ausfüllen von Formularen hat (für die Wissenschaft eine notwendige Grundvoraussetzung), der sollte sich zuerst an die VG Wort wenden. Erst wenn von dort eine Absage kommt, kann man versuchen, anderweitig Gelder einzuwerben.

Weitere Informationen und alle notwendigen Formulare finden sich auf der Webseite der VG Wort.

 

6.        Ausblick

Solange die VG Wort ihre Aufgaben wahrnimmt, haben all jene, die publizieren, die Möglichkeit, sich für die Nutzung ihrer urheberrechtlich geschützten Werke entschädigen zu lassen. Die erstmalige Registrierung ist ebenso einfach wie die übers Internet erfolgende Meldung der Publikationen – und auch wenn man extrem viel veröffentlichen muss, um durch die VG Wort-Ausschüttungen reich zu werden: Es ist ein nettes Zubrot für Autor*innen.

 

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