Verlegen in Zeiten von Corona

Glaskugel © Pixabay 2020 / Foto: stux

Die beschlagene Glaskugel

Verlegerei heißt in den besten Zeiten, mit der Glaskugel den Erfolg von Publikationen vorherzusagen. In Zeiten wie diesen, die für uns alle Neuland sind, teilen wir uns die Glaskugel mit allen anderen. Die gesamte Wirtschaft scheint einzufrieren – außer wenigen Branchen. Die Kitas, Schulen, Hochschulen sind geschlossen, das öffentliche Leben kommt mehr und mehr zum Erliegen. Die Regierung ist bereit, Milliarden zur Verfügung zu stellen; es soll vereinfachte Regelungen geben, die wirtschaftlichen Härten staatlicherseits ausgleichen zu lassen – doch noch weiß niemand genau, wie das gehen soll. Es wird sich in den nächsten Tagen finden.

Noch ist die Glaskugel vollkommen beschlagen: Es ist nicht zu erkennen, wie es im Detail weitergeht.

 

Notfallpläne

Wir hatten keinen Pandemieplan in der Schublade. Es gibt einige Vorkehrungen, die wir für Notfälle getroffen hatten. Doch auf eine Pandemie waren wir nicht vorbereitet, muss ich gestehen. Doch letztlich befinden wir uns in bester Gesellschaft, wenn ich mir anschaue, wie sich die Dinge rechts und links von uns entwickeln.

Solange wir unseren Betrieb aufrechterhalten dürfen, werden wir das tun. Wir haben einige neuralgische Prozesse identifiziert und sind darauf vorbereitet, die meisten Arbeiten aus dem Homeoffice zu erledigen. Doch nicht jede*r kann (gut) Zuhause arbeiten, sodass auch das Büro (noch und spärlich) bevölkert ist. Wir halten viel Abstand voneinander, waschen uns ununterbrochen die Hände und haben all unsere routinemäßigen Meetings gestrichen. Abstimmungen miteinander gibt es jetzt nur noch im direkten Austausch oder über Telefonkonferenzen über die Büroräume hinweg. Absurd, aber normal in Zeiten von Corona.

Schon immer gilt im Verlag Barbara Budrich, dass Familie und enge Freund*innen oberste Priorität haben: Niemand, der plötzlich einer nahestehenden Person zu Hilfe eilen muss, braucht sich Sorgen zu machen, dass dies im Betrieb zu Nachteilen führt. Ob ein Freund in Not ist, ein Kind aus dem Hort geholt werden muss oder ein Familienmitglied unerwartet erkrankt: Wir nehmen unsere Arbeit sehr wichtig – aber die existenziellen Dinge haben immer Vorrang. Gleiches gilt für unseren Betrieb in diesen „interessanten“ Zeiten: Wer die Kinderbetreuung organisieren muss, hat die Freiheit, dies zu tun. Wer andere unterstützen muss, bekommt den entsprechenden Spielraum.

Und natürlich kann es sein, dass in den nächsten Stunden oder Tagen weitere Schließungen seitens der Regierung verordnet werden. Und dann helfen auch uns die schönsten Notfallpläne nicht mehr: Dann ist einfach zu.

 

Leser*innen und Autor*innen

Was wir an Leistungen erbringen können unter diesen erschwerten Bedingungen, das erbringen wir. So zuverlässig, wie die Umstände es erlauben. Die Buchhandlungen sind geschlossen: Darüber werden wir Sie aktuell nicht mehr mit Literatur versorgen können. Sollten weitere Einschränkungen folgen, wird es schwierig, gedruckte Publikationen zu Ihnen zu bringen – seien es Bücher, die Sie bestellen möchten, seien es Ihre Veröffentlichungen, die Sie gern in Händen halten möchten. Wir hoffen darauf, dass die härtesten Restriktionen spätestens zum Ende der Osterferien ausgestanden sein werden. Dann werden wir auch wieder in der Lage sein, physische Publikationen auf den Weg zu bringen.

Bis dahin werden wir tun, was wir können, um digital weiter zu publizieren: Fast all unsere Publikationen sind als eBooks und eJournals verfügbar. Sie können sie mit wenigen Klicks aus unserem Shop herunterladen. (Als registrierte*r Autor*in können wir Ihnen auch auf unsere digitalen Publikationen den gewohnten Autor*innenrabatt gewähren. Sollten Sie als Autor*in noch nicht für den Shop registriert sein, wenden Sie sich an Karen Reinfeld im Hause.)

 

Partner*innen

Wir kooperieren nicht nur mit großen Partnern sondern auch mit kleinen, darunter zahlreiche feste Freie. Wie so häufig im Leben wird auch die aktuelle Krise diejenigen am meisten beuteln, die den wenigsten Schutz haben: Im Zweifel sind das die Kleinen. Wir sind nicht in einer Position, aus der heraus wir freimütig Hilfen zusagen könnten. Doch wir können den einen Zahlungsaufschub gewähren und den anderen einen kleinen Vorschuss geben und weitere Projekte versprechen (im Rahmen des für uns Möglichen). Wir verstehen uns als Netzwerkunternehmen in einer interdependenten Welt. Und in Zeiten wie diesen rücken wir näher zusammen (keine Sorge, nur bildlich gesprochen). Im Bedarfsfalle bin ich die Ansprechpartnerin.

 

Nicht für die Ewigkeit

Die aktuelle Situation ist genau das: aktuell. Sie geht vorbei. In China sind bereits über 80% der bekannten Infizierten wieder gesund (de.statista.com; Zugriff 16.3.2020): Es gibt also Hoffnung, dass auch Deutschland und Europa in eine Post-Pandemie-Phase eintreten werden.

Gemeinsam schauen wir verwundert auf diese Neue Welt und hoffen, dass wir uns bald wieder frei bewegen, dass wir wieder frei wirtschaften können. Was sich im Verlag Barbara Budrich tut, darüber halten wir Sie gern auf dem Laufenden. Und vielleicht gelingt es mir ja auch, das Geheimnis zu lüften, das mich dieser Tage beinahe noch mehr bewegt, als das Virus selbst: Was geschieht mit dem ganzen Klopapier?

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!

Ihre Barbara Budrich

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© Pixabay 2020 / Foto: stux