„Nur wer quer denkt, kann die Richtung ändern! Nur wer sich engagiert, bewegt etwas.“ Die Stiftung „Aufmüpfige Frauen“ von Sigrid Metz-Göckel

Engagement im Portrait

In der neuen Rubrik „Engagement im Portrait“ rücken wir gemeinnützige Organisationen, Stiftungen und Aktionen ins Licht, mit denen wir uns verbunden fühlen und die mit ihrer Arbeit die Welt ein Stückchen besser machen. Den Auftakt macht unsere Autorin und wissenschaftliche Beirätin Sigrid Metz-Göckel mit ihrer 2004 gegründeten Stiftung „Aufmüpfige Frauen“.

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1) Liebe Frau Metz-Göckel, bitte stellen Sie sich unseren Leser*innen vor.

Metz-Göckel, Sigrid 2010Sigrid Metz-Göckel, Prof. Dr. phil. i.R.; ich absolvierte mein Studium der Soziologie und Psychologie in Mainz, Frankfurt und Gießen. Von 1976 bis 2005 war ich Hochschullehrerin und Leiterin des Hochschuldidaktischen Zentrums der Universität Dortmund. Ich veröffentlichte zur Hochschul-, Frauen- und Geschlechterforschung und blicke auf Forschungsaufenthalte in Berkeley und Wellesley, USA, CNRS in Paris und Krakau/Polen zurück.

Als Feministin war und bin ich engagiert in der Frauenbewegung und Frauen-Geschlechterforschung, insbesondere in der Förderung von Frauen in der Wissenschaft. z.B. als:

  • Initiatorin des ersten Graduiertenkollegs der Frauenforschung „Geschlechterverhältnis und sozialer Wandel. Handlungsspielräume und Definitionsmacht von Frauen“ (Deutsche Forschungsgemeinschaft, 1993-1999)
  • Initiatorin eines Promotionskollegs (Hans Böckler Stiftung, 2003 bis 2008)
  • Mitglied in zahlreichen Kommissionen und Beiräten sowie der Redaktion der GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft

Für mich ist Hochschullehrerin ein Traumberuf, der viel Gestaltungsfreiheit und Aufmüpfigkeit ermöglicht. Auch nach meiner Pensionierung habe ich mehrere Forschungsprojekte geleitet und publiziert.

 

2) Was ist die Intention hinter der Arbeit Ihrer Stiftung?

Aufmüpfigkeit im Sinne von Querdenken und Gegen-den-Stromschwimmen verlangt Mut, Zivilcourage und Eigenständigkeit. Frauen, die sich in dieser Hinsicht hervorgetan haben, erfahren noch zu wenig Anerkennung und Wertschätzung. Die Stiftung „Aufmüpfige Frauen“ dagegen zeichnet couragierte Frauen aus, die sich für Frauen einsetzen, feministisch und aufmüpfig sind und die Bürgerinnengesellschaft stärken. Sie will dem Feminismus in der Gesellschaft einen guten Klang verleihen und ist offen für viele Spielarten des Feminismus.

Das Motto der Stiftung: Nur wer quer denkt, kann die Richtung ändern! Nur wer sich engagiert, bewegt etwas.

Die Stiftung Aufmüpfige Frauen ist die einzige zeitgenössische Frauenstiftung im Ruhrgebiet und mit anderen Frauenstiftung der Bundesrepublik vernetzt.

 

3) Was hat Sie 2004 dazu bewegt, die Stiftung zu gründen?

Die Idee, eine Stiftung für aufmüpfige Frauen zu errichten, ist aus der neuen Frauenbewegung heraus entstanden. Sie hat eine längere Vorgeschichte, da ich als Stifterin nicht genügend Geld dafür hatte. Als Start habe ich daher den „Verein Stiftung aufmüpfige Frauen“ gegründet und mehr als 10 Jahre lang gespart und über den Verein (mit Spendenquittungen) Geld für den Kapitalstock gesammelt, bis die Idee Wirklichkeit werden konnte.

Frau muss nicht sehr reich sein, um eine Stiftung zu gründen, es reicht eine Idee, um Frauen mit aufmüpfigen Aktionen und Idee mit einem Preis öffentlich Wertschätzung und Anerkennung auszudrücken.

 

4) Was steckt hinter der Auszeichnung „Aufmüpfige Frau des Jahres“?

Die Auszeichnung besteht aus einem Geldpreis von 3.000 €, der im großen Rahmen in einer Feier im Rathaus der Stadt Dortmund verliehen wird.

Der Preis geht an Frauen, die zwar bekannt, aber noch nicht sehr bekannt sind. Er soll sie ermutigen und unterstützen weiterzumachen. Der Preis wird in unterschiedlichen Netzwerken ausgeschrieben und vom Vorstand der Stiftung entschieden.

Die Stiftung hat bisher 10 Frauen für ihre sehr unterschiedliche Aufmüpfigkeit ausgezeichnet, darunter eine Polin, eine Afghanin, eine jesidische Deutsche. Es sind Frauen unterschiedlichen Alters aus unterschiedlichen Berufen und sozialen Hintergründen.

Stiftung Aufmüpfige Frauen 1

In letzter Zeit wurden jeweils zwei Frauen ausgezeichnet, da ein zweiter Preis aus dem Förderverein gestiftet wurde. Diese erfreuliche Entwicklung hilft der Stiftung bekannter zu werden und zu wachsen.

 

5) Was waren die schönsten Momente im Rahmen Ihrer bisherigen Stiftungsarbeit?

Das Erlebnis einer innigen Verbundenheit mit den Frauen bei der Preisverleihungsfeier ist für mich das Schönste an der Stiftungsarbeit und die persönliche Beziehung zu den Preisträgerinnen ein Geschenk in meinem Leben.

Stiftung Aufmüpfige Frauen Preisträgerinnen

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Stiftung „Aufmüpfige Frauen“

 

© Fotos: Stiftung „Aufmüpfige Frauen“; Titelbild „Engagement im Portrait“ gestaltet mit canva.com