Schreibblockaden (Teil 3)

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Abbruch

Bis eben lief es noch gut. Heute ist Schluss. Ihr Text floss fröhlich aus Ihrer Feder, Sie haben an Ihrer Gliederung entlanggeschrieben – doch jetzt ist irgendwie die Luft raus. Es geht einfach nicht mehr weiter. Sie sitzen mittendrin in Ihrem Text. Das war’s.

 

Die Persona

Wenn Sie feststecken und Ihnen nichts mehr einfällt, obwohl Ihnen klar ist, dass Sie nicht fertig sind, können Sie versuchen, sich mit Ihrer Zielgruppe zu verbünden. Die Frage lautet: Für wen schreiben Sie?

Wenn Sie eine Vorstellung haben, für wen Sie schreiben, wissen Sie, welche Aspekte jetzt wichtig sind. Sie können herausfinden, an welchen Stellen Sie sich kürzer fassen können oder weiter ausholen und vertiefen sollten.

Es ist schwierig, sich mit der „ganzen“ Zielgruppe zu unterhalten. Deshalb empfehle ich die Arbeit mit einer Persona. Eine Persona ist die ideale Vertreterin der Zielgruppe, und Sie konstruieren sie selbst.

Die Arbeit mit der Persona kommt ursprünglich aus dem Marketing. Dort wird mit viel Aufwand und entsprechenden Daten erhoben, wer ein Produkt kaufen soll. Man fragt nach dem Alter, dem Geschlecht und weiteren sozio-demografischen Eigenheiten. Bis hin zu Hobbys, Vorlieben, Schwächen, Urlaubsorten usw. wird die Zielgruppe eingekreist, um so die optimale Ansprache herauszufiltern. Aus den eruierten Daten wird dann eine typische Zielgruppen-Vertretung destilliert: die Persona.

Wir machen es uns ein wenig leichter: Sobald Sie sich mit ein paar Rahmendaten eine optimale Zielgruppenvertretung vorstellen können, haben Sie Ihre Persona erschaffen – und dafür müssen Sie keine empirischen Daten erheben, Ihre Fantasie reicht da völlig aus.

Im Gespräch mit der Persona

Geben Sie Ihrer Persona einen Namen, setzen Sie sie auf Ihre Tischkante. Wenn Sie nicht weiter kommen, gehen Sie mit ihr ins Gespräch: Die Persona kann Ihnen sagen, ob ein Bereich zu tief ausgeführt wird. Sie hilft Ihnen, zu bestimmen, auf welchen Aspekt Sie den Schwerpunkt legen sollten und an welchen Stellen Sie rasch weitergehen können.

So hilft Ihnen diese Zielgruppenvertretung, wenn Sie beim Schreiben einen plötzlichen Einbruch erleben, wenn der Textfaden reißt und Sie nicht mehr weiterkommen.

Manchmal reicht es nicht, sich die Persona nur im Kopf vorzustellen; manchmal können Sie mit zwei Stühlen arbeiten und sich in ein „echtes“ Gespräch mit der Persona begeben.

Dazu stellen Sie zwei Stühle hin: Auf dem einen Stuhl sitzen Sie als Autor*innen-Ich. Auf dem anderen Stuhl sind Sie Ihre Persona. Um zu verhindern, dass die netten Männer mit der komischen Jacke kommen, sollten Sie für Ungestörtheit sorgen. Es fällt schwer, sich auf derartige Spiele einzulassen, wenn man Sorge haben muss, dass der eigene Wahnsinn von anderen beobachtet wird … Stellen Sie also von Ihrem Autor*innenstuhl aus eine Frage. Setzen Sie sich auf den anderen Stuhl und warten Sie ab, welche Antwort Sie als Persona geben werden.

Es mag Ihnen merkwürdige vorkommen, doch diese Methode kann helfen. Wenn Sie aus der Perspektive der Persona auf Ihr Schreibproblem schauen, kommen Sie auf andere Antworten und Lösungen, als wenn Sie ausschließlich aus Ihrer Autor*innenperspektive darauf blicken. Es ist eine sehr machtvolle Methode, die noch dazu großen Spaß machen kann, wenn man sich darauf einlassen mag.

Neuer Text – neue Persona

Schreiben Sie an einem neuen Text, kann es sein, dass Sie eine neue Persona brauchen. Es handelt sich um eine Zielgruppenvertretung – wenn Sie an einem neuen Text arbeiten, ist es möglich, dass Sie eine neue Zielgruppe bedienen. Vielleicht schreiben Sie zunächst für den Inner Circle der Scientific Community. Und der nächste Text ist für das Feuilleton einer Tageszeitung. Gut möglich, dass auch Ihre Peers den Feuilleton-Artikel lesen werden – doch die Hauptzielgruppe ist eine „interessierte Öffentlichkeit“, durchaus akademisch vorgebildet, aber nicht in den Tiefen Ihres Faches zu Hause. Dementsprechend ist es sinnvoll, eine andere Persona für das Feuilleton zu wählen als für den Fachtext.

 

Sinnvolles Schreiben

Wenn Sie im stillen Kämmerlein allein vor sich hin schreiben, kann es sein, dass Sie vergessen, für wen Sie schreiben. Dadurch kann es passieren, dass Sie den Sinn Ihres Schaffens aus dem Blick verlieren. Mit der Persona haben Sie Ihr Publikum im Blick und wissen, für wen Sie Ihren Text verfassen. Das verleiht Ihrem Tun einen Sinn und gibt Ihnen ein konkretes Ziel – und beides ist hilfreich für einen gelingenden Schreibprozess.

 

Dieser Beitrag ist der letzte in einer dreiteiligen Reihe. Lesen Sie hier Teil 1 und Teil 2.

 

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