Schreibblockaden (Teil 2)

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Das weiße Blatt Papier

Kaum jemand sitzt heute vor einem weißen Blatt Papier, das einen vorwurfsvoll anzuschauen scheint. Heute sitzen wir vor dem leeren Dokument, und es ist der Cursor, der den Vorwurf im Blinken hat.

Nicht selten schaffen wir es sogar, erste Worte ins Dokument zu schreiben. Wir lesen den Satz prüfend durch – und löschen ihn rasch wieder. Manch ein*e Autor*in verbringt die gesamte Schreibzeit mit diesem wenig erquicklichen Prozess: schreiben, löschen, schreiben, löschen … Warum?

 

Der innere Zensor

Wir alle kennen den Widerstreit verschiedener Stimmen in unserem Kopf. Und eine dieser Stimmen ist der innere Zensor: Der weiß alles (besser), zensiert und achtet darauf, dass wir nichts schreiben, was uns blamieren könnte. Er meint es also gut mit uns. Allerdings meint er es manchmal zu gut. Nämlich dann, wenn er uns dazu bringt, alles, was wir zu Papier gebracht haben, wieder zu löschen.

Was also tun?

Der Vertrag mit dem inneren Zensor

Der innere Zensor hat seine Berechtigung und eine wichtige Aufgabe: Er darf zum Ende des Schreibprozesses den Text evaluieren – am besten anhand konkreter Kriterien. Das Entscheidende Wort ist hier „Ende“. Wenn der Zensor nämlich zu früh einsteigt, blockiert er uns, verhindert Kreativität und das Entstehen des Textes selbst.

Sie können versuchen, Ihren Zensor zu befrieden, indem Sie mit ihm eine verbindliche Verabredung treffen: Er muss den Text am Ende anhand der festgelegten Kriterien abprüfen und darf Überarbeitungen verlangen. Dafür muss er aber während der Entstehung des Textes die Klappe halten. Der entstehende Text – und auch das können Sie vertraglich vereinbaren – wird erst dann Dritten vorgeführt, wenn der Zensor sein Ok dazu gegeben hat.

Voll psycho?

„Das ist doch schizophren“, sagen Sie vielleicht. Ja, kann sein. Ist aber egal: Wenn Sie einen entsprechenden Text für sich selbst aufsetzen und unterschreiben möchten, können Sie diese Vereinbarung mit sich selbst auf diesem Wege formalisieren. Letztlich ist aus meiner Sicht allemal besser, als die Schreibzeit mit unproduktivem Schreiben und Löschen zu verbringen. Dann lieber ein bisschen verrückt.

 

Dieser Beitrag ist der letzte in einer dreiteiligen Reihe. Der dritte und letzte Teil dieses Beitrags erscheint am 14. November 2019. Lesen Sie hier Teil 1.

 

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