Schreibblockaden (Teil 1)

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Viele Autor*innen kennen Schreibblockaden in der einen oder anderen Form. Entweder erscheint das Anfangen nahezu unmöglich, oder der Schreibprozess bricht plötzlich ein, der Faden reißt ab, und es geht nicht mehr weiter. In der Blogpost-Reihe zum Thema stelle ich die häufigsten Probleme dar und gebe Tipps für das erfolgreiche Überwinden dieses für jede*n Autor*in unangenehme Phänomens.

 

Vom eigenen Wissen überwältigt – oder: Wie isst man einen Elefanten?

Ganz häufig höre ich von jungen Wissenschaftler*innen, dass sie von der schieren Fülle des eigenen Wissens überfordert sind. Das Chaos im Kopf scheint zu dicht, die Informationen zu vielfältig, das Prioritäten setzen unmöglich. Sie stehen quasi vor einem großen Elefanten und fragen sich, wie Sie ihn essen sollen. Die Antwort ist einfach: einen Bissen nach dem anderen.

 

Begriffe sammeln

Eine große Hilfe in diesem Durcheinander bieten Post-Its: Notieren Sie die vielen Stichworte und Themen, die Ihnen durch den Kopf sausen auf diesen Klebezetteln; jedes Thema, jedes Stichwort bekommt einen Zettel. Geben Sie sich für den Prozess des Sammelns eine beschränkte Zeit, sodass Sie gezwungen sind, unter Zeitdruck diese verschiedenen Dinge zu notieren. Sollten Ihnen später noch Ergänzungen einfallen, können Sie jederzeit weitere Begriffe hinzufügen.

Organisieren

Nun clustern Sie die Zettel auf einem großen Poster nach Themengebieten. Sie werden feststellen, dass Sie zahlreiche Begriffe für einzelne Themen notiert haben. Manche Begriffe stehen möglicherweise recht allein: Das wäre ein Indiz für einen Bereich, der nicht ganz so zentral für das aktuelle Oberthema ist.

Organisieren Sie die Begriffscluster hierarchisch: Was ist über-, was ist untergeordnet? Bedingt das eine das andere? Welche Beziehungen bestehen zwischen den verschiedenen Einzelbereichen?

Gliederung ableiten

Übertragen Sie nun, nachdem Sie geclustert und strukturiert haben, die einschlägigen Begriffsfelder in eine Gliederung. Notieren Sie in der Gliederung zum Beispiel den Oberbegriff für einen Abschnitt und darunter in Stichworten die weiteren Begriffe, die Sie hierarchisch darunter sortiert haben.

Haben Sie dabei ruhig den Mut, Bereiche auszusortieren; solche, die mit ganz wenigen Begriffen vertreten waren, oder diejenigen, die nun recht offensichtlich vom Weg wegführen. Sind Dinge dabei, die Sie sehr gern mit ausgeführt hätten? Dann notieren Sie diese separat in einem Themenspeicher. Dort können Sie all die Themen sammeln, zu denen Sie bei anderer Gelegenheit arbeiten möchten. Notieren Sie ruhig einschlägige Literatur dazu, um es sich zu ersparen, bei anderer Gelegenheit von Null anzufangen. Verwenden Sie nicht zu viel Zeit und Sorgfalt darauf, diese Dinge auszuführen: Der Fokus liegt auf dem, was Sie von den Zetteln in Ihre Gliederung übertragen haben.

Von der Gliederung in den Text

Nicht jede*r Autor*in arbeitet gern eine Gliederung aus. Manch eine*r fühlt sich dadurch eingeengt in der eigenen Schaffenskraft. Die Gliederung, die Sie aus Ihren Post-Its heraus generiert haben, können Sie als strukturierende Leitlinie nehmen. Sie soll Ihnen helfen, aus der überwältigenden Fülle in strukturiertes Arbeiten zu kommen – nicht mehr und nicht weniger.

Zu jedem Gliederungspunkt, den Sie erarbeitet haben, können Sie nun mit mehr Übersicht ins Schreiben kommen. Sollten Sie sich noch immer von der Überfülle überfordert fühlen, können Sie anhand der einzelnen Gliederungspunkte erneut sammeln und clustern.

Elefanten essen, Bissen für Bissen

Große Aufgaben wirken häufig einschüchternd. Je größer die Aufgabe, umso mehr. Deshalb ist es gut und wichtig, das Große in kleinere Schritte zu zerlegen, von denen Sie das Gefühl haben, Sie können diese bewältigen. Deshalb haben wir den großen Elefanten (Ihr Wissen) in kleine Bissen (Begriffe auf Post-It-Zetteln) zerlegt: So können Sie das Riesending verdauen.

 

Der zweite Teil dieses Beitrags erscheint am 31. Oktober 2019.

 

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