Rassismus global (PERIPHERIE 146-147)

Die beiden folgenden Beiträge sind im Open Access (Creative Commons CC BY-NC-ND) in Heft 146-147 (2-2017) der Zeitschrift PERIPHERIE – Politik • Ökonomie • Kultur erschienen.

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Die Bedeutungen von tubaabité. Rassismuskritische Perspektiven auf das postkoloniale Dakar

Céline Barry

Zusammenfassung
Weiße Herrschaft stellt auch nach dem formalen Ende von Kolonialherrschaft eine Realität dar, mit der sich Afrikaner*innen in ihrem Alltag auseinandersetzen müssen. Trotzdem bleibt die Forschung zu rassistischen Strukturen in gegenwärtigen Afrikanischen Kontexten marginal. Dieser Beitrag geht der Frage nach, inwieweit kolonial-rassistische Verhältnisse die heutige Dakarer Gesellschaft strukturieren. Auf der Basis einer empirischen Analyse Schwarzer Perspektiven erforsche ich die Bedeutungen des Begriffs „tubaab“, der zum alltäglichen senegalesischen Sprachgebrauch gehört und ‚den Kolonisierer’ in seinen multiplen Facetten adressiert. Tubaab bezeichnet weißsein und/oder Westlichsein. Darüber hinaus wird tubaab mit Schwarzen und anderen People of Color assoziiert, um auf Situationen kultureller Assimilation und der Mitwirkung an (Re-)Kolonisierungsprozessen hinzudeuten. So erweist sich das Konzept der tubaabité als fruchtbar, um rassifizierte Hierarchien in Dakar in ihrer intersektionalen Komplexität zu thematisieren. Meine Analyse hebt die Notwendigkeit einer Forschungspraxis hervor, die Artikulationen rassistischer Herrschaft in ihren spezifischen Machtkontext einbettet und berücksichtigt, dass die uns zur Verfügung stehenden rassismuskritischen Konzepte neuen, sich wandelnden postkolonialen Wirklichkeiten angepasst werden müssen.

Schlagwörter: weißsein, Rassismus, Kolonisierung, Postkolonie, Grounded Theory, tubaab, Senegal, Dakar

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Rassismus, Kultur und Rationalität. Drei Rassismustheorien in der kritischen Praxis

Floris Biskamp

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag nimmt zwei Kernfragen der Rassismustheorie auf: erstens die Frage nach dem Verhältnis von Rassismus und Rationalität sowie zweitens die Frage, welches Sprechen über Kultur als rassistisch auszuweisen ist. Dabei vergleicht der Autor zunächst zwei rassismustheoretische Ansätze, deren Antworten auf diese Fragen er anhand der Bewertung von Kants Rassentheorie im Kontext seines Gesamtwerks sowie anhand der Diskussionen um antimuslimischen Rassismus vergleicht. Auf der einen Seite steht ein Verständnis von Rassismus als Ideologie oder falsches Bewusstsein. Der in diesem Ansatz vertretene emphatische Vernunftbegriff ermöglicht es, eine herrschaftskritische Position zu begründen sowie eine Grenze zwischen rassistischen und kritischen Formen des Sprechens über Kultur zu ziehen; der Fokus auf die Bewusstseinsebene führt jedoch dazu, dass die für Rassismus entscheidenden Macht- und Diskursdynamiken unterbelichtet bleiben. Auf der anderen Seite steht ein Verständnis von Rassismus als Herrschaftsverhältnis oder Diskurs. Hier werden Macht- und Diskursdynamiken besonders scharf dargestellt; durch den Verzicht auf einen positiven Vernunftbezug entzieht sich diese Form der eigenen rassismuskrtischen Praxis aber selbst eine wichtige Grundlage, was zu einer oftmals reduktionistischen Form der Kritik führt. Um die Stärken beider Ansätze zu verbinden, wird am Ende ein Verständnis von Rassismus als systematisch verzerrtem Kommunikationsverhältnis eingeführt, das erlaubt, Macht und Diskursdynamiken zu analysieren, ohne auf einen starken Vernunftbegriff zu verzichten.

Schlagwörter: Rassismus, Rassismustheorie, Immanuel Kant, antimuslimischer Rassismus, Islamophobie

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© pixabay 2017, Foto: Alexas_Fotos

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