Zuschüsse beantragen

Apfel in der Hand

Warum braucht es einen Zuschuss?

In einem meiner letzten Blogposts habe ich erläutert, wie die Verlagskalkulation aussieht: Ob eine Veröffentlichung bezuschusst werden muss, hängt davon ab, wie der Verlag die Verkäuflichkeit des Projekts einschätzt. Je größer die Lücke ist, die zwischen den Kosten einer Publikation und der Absatzerwartung (und damit Umsatzerwartung)  klafft, desto höher fällt der notwendige Zuschuss aus. Bei goldenen Open-Access-Publikationen geht der Verlag zumeist davon aus, dass er fast keine Verkäufe generieren kann. Die Absätze liegen zumeist im niedrigen zweistelligen Bereich.

 

Förderung beantragen

Es gibt eine Reihe von Optionen, Zuschüsse zu erhalten. Zunächst sind da die spezifischen Möglichkeiten der Finanzierung speziell von Open-Access-Publikationen. In vielen Fällen ist die Bereitschaft von Institutionen recht hoch, Article Processing Charges (APCs) reiner Open-Access-Journals zu übernehmen.

Die Förderung für sogenannte hybride Journals wird nur noch selten gewährt. Hybride Journals wirtschaften auf der Basis von Abonnements-Gebühren und bieten die Möglichkeit, einzelne Beiträge gegen Gebühr Open Access zu stellen. Lediglich bei den beiden Großkonzernen Springer und Wiley werden derzeit Article Processing Charges für Open-Access-Publikationen übernommen – jedenfalls für diejenigen Autor*innen, deren Institutionen bei DEAL mitmachen. Als Autor*in merken Sie kaum, dass Gelder fließen, wenn Ihr Beitrag Open Access in einem ansonsten mit Abo-Gebühren finanzierten Journal erscheinen. (Dieses Modell, bei dem zwei Konzerne besondere Vorteile eingeräumt bekommen, steht durchaus in der Kritik. Mehr dazu in Open Access, Wissenschaftsverlage und das DEAL-Abkommen.)

Doch gibt es auch die Möglichkeit, Book Processing Charges für die Open-Access-Publikation von Büchern zu beantragen. In Deutschland können Sie sich auf der Seite der Open-Access-Beauftragten an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen einen Überblick verschaffen, wen Sie an Ihrer Hochschule ansprechen können.

Ganz grundsätzlich lohnt es sich immer, an Ihrem Institut bzw. Ihrer Hochschule nachzufragen, ob Fördergelder verfügbar sind – und natürlich auch, unter welchen Bedingungen und in welcher Höhe. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Organisationen und Institutionen, die Sie bei Ihren Überlegungen in den Blick nehmen können.

  • Große Einrichtungen wie die DFG, Ministerien und die ganz großen Stiftungen legen in unregelmäßigen Abständen Förderprogramme auf. Selten handelt es sich dabei um die Förderung einzelner Publikationen; zumeist sprechen wir hier von Forschungsprojekten. Wenn Sie Forschungsgelder beantragen, denken Sie daran, Publikationsförderung ggf. direkt mit einzuplanen. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich über Newsletter oder Alerts informieren zu lassen!
  • Bei der VG Wort können Sie einen Zuschuss beantragen. Sollten Sie dies in Erwägung ziehen, sollten Sie dort als Erstes einen Antrag stellen: In den meisten Fällen fördert die VG Wort von vornherein nicht, wenn Sie anderweitig bereits eine Ablehnung erhalten haben.
  • Beim Stifterverband können Sie nach Stiftungen suchen, deren Förderzweck zu dem passt, was Sie selbst zu bieten haben.
  • Manch ein Unternehmen lässt sich unter Umständen ebenfalls auf eine Förderung ein. Voraussetzung dürfte sein, dass Ihre Publikation sich zu dem in Beziehung setzen lässt, was das Unternehmen tut. Gelegentlich lässt sich zum Beispiel über Ihre Herkunft aus der Heimatregion des Unternehmens eine Brücke bauen, die zur Förderung führt.
  • Auch parteinahe Stiftungen fördern gelegentlich.

Wen auch immer Sie auswählen mögen, der auch Sie auswählen mag: Denken Sie daran, dass die Nähe zu bestimmten Institutionen nicht immer wertfrei gesehen wird.

 

Einer oder viele?

Für einen Verlag ist es letztlich nicht entscheidend, ob der notwendige Zuschuss aus einer Hand kommt oder ob mehrere Institutionen fördern. Für Sie ist entscheidend, dass Sie die Richtlinien derer erfüllen, die Zuschüsse gewährleisten – und manch eine Institution besteht vielleicht auf alleinige Förderung.

Achten Sie darauf, ob eine Erwähnung in der Danksagung ausreicht. Manch ein Förderer besteht darauf, das eigene Logo und eine Erwähnung in der Titelei zu sehen. Wieder andere wünschen sich das eigene Logo auf der hinteren Umschlagseite, der sogenannten U4, oder sogar auf dem Deckel, der U1, abgedruckt zu bekommen. Wie auch immer die Vorgaben aussehen mögen: Achten Sie darauf, diese einzuhalten – von Freiexemplaren bis hin zur korrekten Nennung steht in der Regel alles genau im Förderbescheid. Informieren Sie Ihren Verlag entsprechend!

Übrigens: Einen Zuschuss zur Publikation von Aufsätzen oder Büchern zu leisten, ist im Wissenschaftsbetrieb nicht völlig ungewöhnlich. Vor allem bei spezialisierten Veröffentlichungen mit einer entsprechend kleinen Zielgruppe sind die Auflagenhöhen zu gering; bei goldenen Open-Access-Publikationen entfallen größere Druckauflagen ebenfalls in den meisten Fällen. Dann reichen die Verkaufserlöse nicht, die wirtschaftliche Kalkulation zur Deckung zu bringen: Zuschüsse werden notwendig.

 

© Pixabay 2021 / Foto: Pixel2013