Wann ist Schreibcoaching oder -beratung sinnvoll?

Spätestens im Verlauf des ersten Schuljahres lernen Kinder für gewöhnlich das Schreiben und von da an werden die Fähigkeiten systematisch verbessert. Studierende bringen also schon zu Studienbeginn Schreibkompetenz mit. Doch wird diese dann während des Hochschulstudiums systematisch und kontinuierlich verbessert? Die Antwort ist zumeist: leider nicht.

Nun glauben nicht wenige Studierende, aber auch Lehrende und die Menschheit im Allgemeinen, dass Schreiben zu den Dingen gehört, die ein Mensch entweder „kann“ oder „nicht kann“. Talent sei die „geheime Zutat“, die fantastische AutorInnen von solchen unterscheidet, die mit Mühe die geforderte Mindestanzahl an Seiten füllt.

Doch wie Carol S. Dweck in ihrem Buch „Mindset“ (2006) erläutert, ist selbst ein IQ veränderbar! Und wenn es sogar möglich ist, den eigenen IQ zu verbessern, dann sollten auch Kompetenzen im Bereich der Kommunikation veränderbar sein.

Das zeigt auch unsere Erfahrung mit einschlägigen Workshops und Coachings, in denen die TeilnehmerInnen ihre eigenen Schreibkompetenzen innerhalb kürzester Zeit enorm verbessern konnten.

 

Was ist also „gutes Schreiben“?

An welchen Kriterien bemisst sich die Qualität eines Textes? Und sind diese Kriterien für alle Textsorten gleich, gelten die gleichen Maßstäbe z.B. für wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Texte?

Es gibt einige Kriterien, die für wissenschaftliche wie nicht-wissenschaftliche Texte gleichermaßen gelten, wie unter anderem

  • formale Korrektheit,
  • einheitlicher Stil,
  • klare Struktur,
  • Angemessenheit für die Zielgruppe.

 

Die Herausforderung beginnt schon vor dem Schreiben

Auch sind die Probleme ähnlich, mit denen sich AutorInnen aus unterschiedlichen Bereichen konfrontiert sehen. Diese treten teils bereits auf, bevor der Text selbst überhaupt angefangen werden kann. In diese Kategorie fallen unter anderem

  • Aufschieberitis,
  • Schwierigkeiten mit der Arbeitsorganisation,
  • Probleme mit dem Zeitmanagement,
  • Themensuche und Themeneingrenzung.

Schließlich sehen sich AutorInnen Fragestellungen gegenüber wie beispielsweise

  • die Angst vor dem weißen Blatt und andere Schreibblockaden,
  • den Text in den Griff bekommen,
  • Konzept erstellen,
  • Anfangen, dranbleiben, fertig werden,
  • Einheitlichkeit im Stil durchhalten.

Und dann folgt die eigentliche Textarbeit, die unter anderem folgende Herausforderungen bereithält:

  • Struktur durchhalten,
  • Dynamik aushalten,
  • Nominalstil,
  • Wiederholung, Redundanz und das treffende Wort finden.

Alle diese Hürden zu nehmen, können AutorInnen lernen, können auch Sie lernen. Zu diesen Themenbereichen gibt es eine Vielzahl an Publikationen (z.B. Scheuermann 2012, Esselborn-Krummbiegel), die Sie auf den richtigen Weg bringen können, sowie Beratungs- und Coachingangebote, z.B. von budrich training, wo Sie von erfahrenen LektorInnen geschult werden.

Es ist generell wichtig, jemand Dritten auf den Text schauen zu lassen, bevor Sie ihn veröffentlicht. Allzuoft hat man nämlich nicht alles aufgeschrieben, was tatsächlich zum Textverständnis auch notwendig ist. Wohingegen andere Dinge, die nicht zum thematischen Kern gehören, möglicherweise zu viel Raum bekommen haben. Wenn Sie den Text selbst verfasst haben, sehen Sie diese Brüche und Asymmetrien nicht so leicht, wie ein Außenstehender. Übrigens benötigen Sie dafür nicht unbedingt einen Experten aus Ihrem Fachgebiet. Besonders, um stilistische und strukturelle Probleme aufzuspüren, sind solche TestleserInnen für Sie von Vorteil, die sich gerade nicht um die wissenschaftliche Fragestellung kümmern. Wenn Sie sich ausgebildete FachlektorInnen für diesen letzten Schliff suchen, dann haben Sie natürlich den Vorteil des professionellen Blicks auf Ihren Text.

 

Literatur

Dweck, Carol S. (2006), Mindset. The new Psychology of Success. How we can learn to fulfill our potential. New York.

Esselborn-Krumbiegel, Helga (2008), Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Stuttgart, 3. Auflage.

Scheuermann, Ulrike (2012), Schreibdenken. Schreiben als Lern- und Denkwerkzeug nutzen und vermitteln. Stuttgart.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.