UrheberRecht behalten in der Wissenschaft

Fragt man Fachanwälte aus dem Bereich Urheberrecht, so gibt es gerade in der Wissenschaft Bestrebungen einiger Verlage, die Autorinnen und Autoren zu entrechten, teils gar für „dumm zu verkaufen“.

Zunächst einmal, bevor das Kind im Brunnen ist: Es gibt einen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Deutschen Hochschulverband ausgearbeiteten Vertrag, der von Wissenschaftsverlagen als Vertragsgrundlage eingesetzt werden möge. In dieses sehr umfangreiche Vertragswerk können Sie einen Blick werfen, um nachvollziehen zu können,

  • was generell geregelt werden sollte,
  • ob das, was der jeweilige Verlag gerade vorschlägt, diesen Empfehlungen möglicherweise zuwiderläuft.

 

Müssen eBook-Rechte übertragen werden?

In jüngster Zeit gibt es offenbar Bestrebungen, auch aus sog. Altverträgen (hier: Verträge, die vor 1995 geschlossen wurden), Kapital zu schlagen: Autorinnen und Autoren werden aufgefordert, ihrem Verlag die Rechte an der digitalen Verwertung ihres Buches, also die Rechte am eBook nachträglich zu übertragen.

Unabhängig davon, wie die Anfrage zur Nutzungseinräumung dieser Rechte formuliert wird: Es gibt keine Verpflichtung seitens der Autorinnen und Autoren, diese Nutzung zu genehmigen. Egal, was suggeriert wird: Die Autorinnen und Autoren haben die Wahl!

Die Rechtsabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels formuliert dies so:

„Widerruft der Urheber die Einräumung von Rechten an unbekannten Nutzungsarten vollständig oder bezogen auf bestimmte, zwischenzeitlich bekannt gewordene Arten der Nutzung, wird die Rechtseinräumung von Anfang an nichtig. Der Verlag darf das Werk dann nicht auf die fragliche/n Art/en nutzen. Eventuell bereits vom Verlag an Dritte vergebene Lizenzen werden unwirksam.“ (aus: Erwerb von unbekannten und Umgang mit neuen urheberrechtlichen Nutzungsarten. Eine Handreichung für Mitgliedsverlage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Stand: 3/2011.)

Die Online-Verwertung – also die Nutzung als eBook – gilt seit 1995 als bekannt. In Verträgen, die vor 1995 geschlossen wurden, ist also die digitale online-Nutzung eine „unbekannte Nutzungsart“.

Sie sind als betroffene Autorin bzw. Autor gut beraten, Ihre Verträge dahingehend zu prüfen, ob darin die digitale online-Verwertung Ihres Buches bereits geregelt wurde. Falls ja, dann besteht kein Handlungsbedarf: Die Rechteübertragung gilt – und entsprechend bedarf es weder einer Anfrage noch einer Neuregelung. Falls nein, dann können Sie in Ruhe (!) entscheiden, ob Sie dieses Recht übertragen wollen oder nicht. Eine „angemessene Vergütung“ ist dabei übrigens vom Gesetzgeber vorgeschrieben. (Wobei ich die Erwartungen an Honorare, insbesondere bei älteren Büchern, nicht zu hoch hängen würde. Diese eBooks werden von den einschlägigen Verlagen häufig in Paketen an Bibliotheken verkauft – letzen Endes entfallen da auf den einzelnen Titel Centbeträge im niedrigen zweistelligen Bereich…)

Bei Büchern mit Verträgen, die nach 1995 geschlossen wurden, ist die Übertragung der eBook-Rechte zumeist geregelt. Wäre dies nicht der Fall, könnten Sie als Autor, als Autorin theoretisch mit den digitalen Rechten zu einem anderen Verlag gehen, als dem, der die Print-Ausgabe unter Vertrag hat. Das sollten Sie aber nur dann in Erwägung ziehen, wenn die Zusammenarbeit mit dem ersten Verlag ohnehin ein Desaster war oder dieser Verlag einverstanden ist: Es könnte dem Verlag unangenehm sein, eine Druckauflage vorzufinanzieren, um dann in einem anderen Programm das gleiche Buch als reines online-Angebot zu sehen (, dessen Herstellung natürlich ebenfalls finanziert werden muss!).

 

Vergriffen

Ist das fragliche Buch bereits vergriffen, dann gibt es für AutorInnen eine weitere Option:

Sie können sich bei Ihrem Verlag erkundigen, ob und wenn ja, für wann eine Neuauflage geplant ist. Ist keine Neuauflage geplant, können Sie vom Verlag die Rechte an dem Buch vollständig zurückfordern. Es bleiben dann auch keine etwaigen „Rechte-Reste“ an der Altauflage bestehen!

Ist das Buch bereits in einer Folgeauflage – z.B. in einer 2. Auflage – in einem anderen Verlagshaus erschienen, stehen dem Verlag der Vorauflage – in unserem Beispiel, dem Verlag, der die 1. Auflage veröffentlicht hat – keine Verlagsrechte und keine Nebenrechte mehr zu; auch nicht an der ursprünglich veröffentlichten Auflage; auch nicht an der digitalen Verwertung der 1. Auflage.

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Insbesondere die Autorinnen und Autoren unserer Häuser – Verlag Barbara Budrich und Budrich UniPress – möchte ich ermuntern, sich an uns zu wenden, falls noch Fragen offen sind.

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