Engagement im Portrait: Joana Köhler über ihre Arbeit bei SpecialDogs e.V.

Engagement im Portrait

In der Rubrik „Engagement im Portrait“ rücken wir gemeinnützige Organisationen, Stiftungen und Aktionen ins Licht, mit denen wir uns verbunden fühlen und die mit ihrer Arbeit die Welt ein Stückchen besser machen.

Heute: Gastbeitrag von Joana Köhler über ihre Arbeit bei der gemeinnützigen Organisation SpecialDogs e.V., über die unsere Bürohündin Bonnie vor einem Jahr nach Deutschland gekommen ist.

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SpecialDogs e.V. – Ein Herz für die Fellnasen aus Rumänien

Im Jahr 2017 bin ich das erste Mal auf den Verein gestoßen, als Bekannte von mir einen SpecialDog aus Rumänien adoptiert haben. Es begann damit, dass ich die Patenschaft für einen Welpen übernahm, der mit seinem Bruder zusammen ausgesetzt worden war und auf der Straße ohne Mutter kaum eine Überlebenschance hatte. Ich habe ihn auf den Namen Samy getauft.

Samy © SpecialDogs e.V., Julia Krätschmer
© SpecialDogs e.V., Julia Krätschmer

Die Hunde, die von unseren rumänischen Kollegen gefunden werden, stammen meist von der Straßen, aus öffentlichen Tierheimen mit katastrophalen Zuständen oder von privaten Besitzern, bei denen sie unter furchtbaren Bedingungen leben und verwahrlosen. Bei der Auffindung sind sie meistens sehr verängstigt, ausgehungert und manchmal auch krank oder verletzt, wie in Leons Fall. Dann werden sie zunächst einmal gründlich versorgt und dem Tierarzt vorgestellt. Die meisten tauen schnell auf, wenn sie merken, dass sie jetzt bei liebevollen Menschen in Sicherheit sind und keine Angst mehr haben müssen. Sobald die Hunde soweit sind, werden sie in die Vermittlung aufgenommen, um in Deutschland ihr warmes Körbchen auf Lebenszeit zu finden.

Leon SpecialDogs © SpecialDogs e.V., Marlies Münzner
© SpecialDogs e.V., Marlies Münzner

Was mich von Anfang an begeistert hat, ist die enorme Transparenz und Offenheit des SpecialDogs-Teams. Ich bekam regelmäßige Updates zu meinem Patenhund und alle Fragen, die ich hatte, wurden mir in kürzester Zeit beantwortet. Da ich immer genau gesehen habe, wofür mein Geld eingesetzt wird und mit wie viel Sorgfalt und Herz die Tiere vor Ort aufgenommen und behandelt werden, wusste ich, dass meine Spenden genau dort genutzt werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden, und dass wirklich jeder Euro für den Verein zählt.

So verfolgte ich also die Arbeit der SpecialDogs und unterstützte mit kleinen Spenden, wo ich konnte. Da ich schon länger auf der Suche nach einem Tierschutzverein war, den ich nicht nur mit kleinen Spenden, sondern auch mit der Zeit neben meinem Studium unterstützen kann, bot ich an, das Team auch als ehrenamtliche Mitarbeiterin zu unterstützen. Letztes Jahr im Sommer wurde ich dann als Vermittlerin eingearbeitet und nach und nach an die alltäglichen Aufgaben im Verein herangeführt. Nun, ein Jahr später, bin ich fester Bestandteil des Teams und jeden Tag im Einsatz. Meine Aufgaben sind vor allem die Telefongespräche und Vorkontrollen mit potenziellen Adoptanten zu führen, Berichte für die Teamleitung zu verfassen und die organisatorischen Dinge nach einer erfolgreichen Vermittlung abzuwickeln. Auch nachdem die Hunde in Deutschland angekommen sind, stehe ich eng in Kontakt mit den Adoptanten, unterstütze sie bei der Eingewöhnung des Hundes und führe einige Zeit später die Nachkontrolle durch. So viel Arbeit die Rettung und Vermittlung der Hunde aus Rumänien auch macht, ist sie jeden „vorher-nachher-Erfolg“ wert und auch die Hunde, die es nach der Aufnahme nicht mehr schaffen, gehen wenigstens in einem Umfeld von Sicherheit und liebevollen Menschen von uns. Am 19. Oktober 2019 kam der erste von mir vermittelte Hund nach Deutschland und auch Samy durfte da endlich die Reise in sein neues Zuhause antreten. Das hat mich natürlich ganz besonders gefreut.

 

Kastrationskampagnen für nachhaltigen Tierschutz

Neben der Vermittlung von Hunden nach Deutschland gibt es noch weitere Bereiche, in denen SpecialDogs tätig ist. Dazu gehören regelmäßige Kastrationskampagnen in Bârsănești, Bogdănești, Casin Village, Dofteana und Onești, bei denen über den Zeitraum von ein paar Tagen so viele Straßenhunde wie möglich kastriert werden, um die hohe Reproduktionsrate einzudämmen. Auch private Hundebesitzer, die sich die Kastration ihres Hundes nicht leisten können oder möchten, erhalten in dem Zeitraum die Möglichkeit, ihren Hund kostenlos kastrieren zu lassen. Jeder Adoptant zahlt bei uns als Bestandteil seiner Schutzgebühr für die Kastration eines weiteren Hundes. Diese Kastrationen sind ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit. Allerdings ist das einzige, was die Gesamtproblematik vor Ort nachhaltig verbessern kann, die Aufklärung der Menschen vor Ort. Es sind vor allem die Einstellungen und das Denken in den Köpfen der Menschen, die sich verändern müssen, um eine positive und langfristige Veränderung herbeizuführen. Wir setzen uns ebenfalls für die Verbesserung der Zustände in den öffentlichen Tierheimen ein. Hier konnten wir z. B. im Tierheim von Onești nach einem jahrelangen Rechtsstreit einige positive Veränderungen erwirken. Auf den privaten Pflegestellen sind auch die Kinder der Pflegefamilien involviert, die den richtigen Umgang mit Tieren so schon von klein auf lernen und dies an ihre Kinder weitergeben können. Die Steigerung des Bewusstseins sowie die Aufklärung zu den Zuständen in Rumänien und den Möglichkeiten, wie man sich an einer Verbesserung beteiligen kann, sind damit zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

Onesti 2016 © SpecialDogs e.V.
© SpecialDogs e.V.

Für das nächste Jahr plane ich einen Aufenthalt vor Ort, um mir ein noch besseres Bild über die Abläufe und Zustände auf den Pflegestellen und in den öffentlichen Tierheimen machen zu können und meine rumänischen Kollegen einmal persönlich kennenzulernen. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft so tolle Unterstützung und engagierte Adoptanten haben werden, um unsere Arbeit langfristig fortführen und ausbauen zu können.

 

Mehr über SpecialDogs e.V. erfahren:

offizielle Website

 

 

© Titelbild „Engagement im Portrait“ gestaltet mit canva.com