SMARTe Ziele

Bogenschießen © Pixabay 2020 / Foto: irinakeinanen

Ziele sind, anders als die berühmten „guten Vorsätze“ zu Jahresbeginn, ein gutes Arbeitsinstrument. Nicht für alles. Nicht für jede*n. Aber häufig können sie uns helfen, Fixpunkte und Meilensteine zu definieren, Prioritäten zu setzen und systematischer zu planen – trotz des allgemeinen Chaos‘, das zum bestimmenden Element des eigenen Lebens geworden zu sein scheint.

S.M.A.R.T.

Dass Ziele S.M.A.R.T. sein sollten, zeigt, in welchen Bereichen sie besonders gut verwendbar sind. Das Akronym steht für:

S = spezifisch

M = messbar

A = attraktiv

R = realistisch

T = terminierbar

Nicht alles, was wir uns gern als Ziel setzen, lässt sich mit diesen Parametern fassen. Wenn ich mir beispielsweise zum Ziel machen möchte, mich mehr um meine Freundschaften zu kümmern, fällt es mir persönlich schwer, dies „SMART“ zu definieren.

Doch andere Dinge lassen sich sehr gut in diesen Kategorien beschreiben: die Anzahl an Wörtern, die ich an meinen Schreibtagen zu „Papier“ bringen möchte; die Zahl der Publikationen, die ich in einem bestimmten Zeitraum veröffentlichen möchte; die Zahl der relevanten Texte, die ich in einer bestimmten Zeit gelesen haben möchte und so weiter.

Feiern

Das Schöne an derart spezifischen Zielen: Wir können – und sollten! – es feiern, wenn wir sie erreichen! Es gibt wissenschaftliche Erklärungen dazu (wenn Sie tiefer gehen wollen, recherchieren Sie zum Nucleus accumbens im mesolimbischen System), warum es so wichtig für uns Menschen ist, uns zu belohnen.

Wie genau Sie welches erreichte Ziel feiern, ist natürlich Ihnen überlassen. Sie müssen nicht jedes Mal ein Fünf-Gang-Menü in einem Sterne-Restaurant ansetzen (zumal dies nicht immer möglich ist…) oder sich einen großen, teuren Wunsch erfüllen. „Feiern“ kann auch darin bestehen, sich einen kleinen Spaziergang zu gönnen oder eine Stretching-Pause. Oder eine genussvoll zubereitete Tasse duftenden Tees. Sicherlich fällt Ihnen dazu ein, was für Sie ganz besonders reizvoll ist. Wichtig ist nur: Zelebrieren Sie Ihre Erfolge! Bloß einen Haken an den Eintrag der endlosen To-Do-Liste zu machen, das ist noch keine echte Feier!

Doch was, wenn ein Ziel sehr groß und der Weg dorthin weit ist? Was mache ich, wenn ich an meiner Masterarbeit sitze und mein großes Ziel ist die Professur?

„Chunking down“ – den Elefanten essen

Sie kennen es aus der Projektplanung. Dort setzen wir Meilensteine als Zwischenziele, um zu prüfen, ob wir in der richtigen Zeit auf dem richtigen Weg sind. Zum einen können wir mit Hilfe dieser Meilensteine den Kurs anpassen, sofern dies notwendig ist. Zum anderen können wir das Erreichen von Meilensteinen als Auslöser für unsere „Feierlichkeiten“ nutzen.

Wenn die Frage lautet: „Wie isst man einen ganzen Elefanten?“, dann ist die Antwort: „Einen Bissen nach dem anderen.“ Und so ist es auch mit den großen Zielen. Wir verarbeiten sie zu kleineren Happen, zu „bite-size chunks“. Deshalb nennt sich die Technik im englischsprachigen Raum „chunking down“, also etwas Großes in handhabbare Stücke zerlegen.

Dies können Sie für Ihre großen Ziele ebenfalls machen. Das Setzen von Zielen erfolgt im Business- und Lebens-Coaching häufig auf der Basis der großen Vision: Wenn ich weiß, wo ich letztlich hinmöchte, dann kann ich von dort aus zurückgehen bis zum heutigen Tag und schauen, innerhalb welcher Zeitabschnitte ich welche Ziele auf dem Weg zur großen Vision erreicht haben möchte.

Ja, das hat Schwächen: Nicht jeder Zwischenschritt lässt sich klar definieren. Und häufig kommt es zu Planänderungen. Auf dem Weg zur großen Vision würde ich Annäherungen an SMART-Definitionen gelten lassen. Und Planänderungen gehören zum Planen! Projektpläne sind nicht in Stein gemeißelt und keine exakten Rezepturen. Sie geben uns Orientierung. Nicht mehr. Und schon gar nicht weniger!

Ja/Nein-Ziele und der eigene Kontrollbereich

Für bestimmte Ziele – wir hatten es oben schon angesprochen – funktioniert diese Art der Planung nicht. Zum einen gibt es Ziele, die sich nur schwer messen lassen. Zum anderen gibt es Dinge, die entweder sind oder nicht sind. Quasi schwanger oder nicht schwanger.

Und es gibt Ziele, deren Erreichen außerhalb unseres eigenen Kontrollbereichs liegen: Ich kann zwar darauf hinarbeiten, dass mein Text veröffentlicht wird. Ich kann es aber nicht erzwingen. Und schon gar nicht innerhalb einer vordefinierten – engen – Zeitspanne.

Auch das Einüben bestimmter Gewohnheiten ist über eine SMARTe Zieldefinition nicht unbedingt leicht zu erreichen. Ab wann habe ich die Gewohnheit „für immer“ etabliert? Eine gängige Aussage ist (auch wissenschaftlich begründet; lässt sich im Internet leicht finden), dass neue Gewohnheiten sich innerhalb von sechs Wochen regelmäßigen Wiederholens eingespielt haben. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: „Ähm …“ Es gibt Gewohnheiten, da stimmt es – zum Beispiel das frühe Aufstehen ist mir zur völligen Selbstverständlichkeit geworden. Es gibt andere Gewohnheiten, da stimmt das nicht – so bin ich über lange Zeit jeden Morgen gelaufen. Und dann nicht mehr.

Ziele: nur sinnvoll, wenn sinnvoll

Ich nutze Ziele für mich dort, wo ich sie nutzen kann. An den Stellen, wo ich mir Fortschritte wünsche, SMARTe Ziele aber nicht sinnvoll finde, nutze ich sie nicht. Es ist wie mit so vielen Werkzeugen: Mit einem Hammer kann ich eine Menge bewirken. Wenn ich aber eine Pinzette brauche, hilft mir der Hammer nicht so sehr.

Klingt trivial, ich weiß. Dennoch höre ich nicht selten, dass dieses ganze SMARTe Ziele-Gedöns unsinnig sei. Und das sehe ich anders: Ziele kann ich dort einsetzen, wo sie mir helfen, Fortschritt und Erfolge sichtbar zu machen. Unterstützen sie mich bei anderen Dinge nicht, dann brauche ich vielleicht andere Werkzeuge, um mein Leben und Arbeiten zu gestalten.

 

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