Produzieren statt Importieren: atmosfair baut lokale Ofenproduktion in Nigeria und Ruanda auf

Wir vom Verlag Barbara Budrich arbeiten mit einer Vielzahl von Partner*innen zusammen. In der Rubrik „Partner“ stellen wir diese nach und nach vor.

Seit 2020 gleichen wir die CO₂-Emissionen unserer Pendelstrecken über die Non-Profit-Organisation atmosfair aus. Die Klimaschutzprojekte von atmosfair sparen nicht nur CO₂ ein, sondern fördern zudem nachhaltige Entwicklung durch Technologietransfer und Armutsbekämpfung – Aspekte, die uns wichtig sind. Derzeit erbringt atmosfair rund 90 % der CO₂-Einsparungen nach CDM Gold Standard, dem strengsten verfügbaren Standard für Klimaschutzprojekte.

Heute stellt Kerstin Burghaus, Teamleiterin für zertifizierte Klimaschutzprojekte bei atmosfair, im Gastbeitrag ein neues Projekt zur Einsparung von CO2-Emissionen in Nigeria und Ruanda vor.

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Lagos, Nigeria, Kigali, Ruanda und Berlin, Deutschland im März 2021: Auf einer Parzelle in einem Gewerbegebiet nahe Kigali, Ruanda rollen die ersten Bagger. atmosfair baut in Kigali gemeinsam mit seinen lokalen Partnern eine Fabrik für die lokale Herstellung von effizienten Save80-Öfen auf. Auch in Kano, im Norden Nigerias, wird atmosfair die Öfen zukünftig lokal fertigen. Schon bald wollen wir an beiden Standorten mit der Produktion der ersten eigenen Öfen beginnen.

 

Effiziente Save80-Edelstahlöfen sparen 80% Holz gegenüber traditionellen Feuerstellen

Die hochwertigen Save80 Edelstahlöfen sparen ca. 80% Holz gegenüber einem Drei-Steine-Feuer, auf dem in Ruanda und Nigeria traditionell gekocht wird, ein. Hierdurch schonen sie die umliegenden Wälder und das Klima, denn bei der Verbrennung von Holz entsteht das Treibhausgas CO2. Die Familien, die mit den effizienten Save80-Öfen kochen, sparen Geld und Zeit bei der Brennholzbeschaffung, und profitieren zudem davon, dass beim Kochen mit dem Save80, anders als beim Kochen auf offenem Feuer, kaum gesundheitsschädlicher Rauch und Qualm entsteht.

 

Lokale Produktion in Nigeria mit eigener Firma und neuen Vertriebswegen

In Nigeria haben wir in den letzten Monaten auf dem Weg zur eigenen Produktion für die Save80-Öfen wichtige Meilensteine erreicht: Im Frühjahr 2020 haben unsere eigene Tochterfirma gegründet. atmosfair Climate & Sustainability Limited wird Eigentümer der Ofenfabrik sein, an deren Aufbau wir gerade mit Hochdruck arbeiten. Im Oktober konnten wir auch bei der Suche nach einem geeigneten Produktionsstandort Erfolg vermelden. Ein Team von fünf Projektmanagern kümmert sich nun vor Ort in Nigeria darum, das Gebäude für die Produktion vorzubereiten, und Partner für die Beschaffung der Rohmaterialien, insbesondere von hochwertigem Stahl, für die Öfen und für deren Vertrieb zu finden. Weitere Arbeitsplätze werden wir in der Produktion schaffen. Beginnen wollen wir mit der Herstellung von etwa 10.000 bis 50.000 Öfen pro Jahr. Doch wenn Produktion und Vertrieb erfolgreich angelaufen sind, wollen wir langfristig ein Vielfaches erreichen. Um diese Zahl jährlich verkaufen zu können, müssen wir neue Wege gehen: Wir werden die Öfen nicht mehr wie bisher direkt über wenige eigene Partner an die Nutzer, sondern über Großhändler und ein Netz von Zwischenhändlern von Kano aus in ganz Nigeria vertreiben. Zugleich müssen wir die Öfen jedoch nachverfolgen können, um die erzielten Emissionsreduktionen zu erfassen. Deshalb haben wir eine Handy-App entwickelt, mit der Nutzer ihre Öfen selbst registrieren können, und analysieren mögliche Tracking-Technologien.

 

The Great Green Wall: Waldverlust stoppen – ohne gute Öfen für Haushalte nicht zu schaffen

Ofenfabrik Nigeria © atmosfair
In diesem Gebäude in Kano, Nigeria wird atmosfair zukünftig effiziente Öfen herstellen.

Bei unserem letzten Projektbesuch in Nigeria sagte uns Dr. Bukar Hassan, Leiter der National Agency for The Great Green Wall, dass er dringend viele Millionen sparsame Öfen für Familien im ländlichen Norden Nigerias braucht. Ihre Hauptenergiequelle ist Holz aus den Wäldern, die so immer weiter abgeschlagen werden. Dr. Hassan versucht dagegen, neuen Wald aufzuforsten – als grüne Mauer gegen die Nigerwüste, die aus dem Norden nach Nigeria vordringt. Ohne eine flächendeckende Umstellung vom offenen Feuer auf sparsame Öfen, so sagte er uns bei einem Treffen mit seinem Team in der Behörde in Abuja, hat er keine Chance.

 

Startschuss für die Bauarbeiten für eine neue Produktionshalle in Kigali, Ruanda

Startschuss Bauarbeiten © atmosfair
Christine Namuwonge (2. v.r.), Geschäftsführerin der ruandischen NGO Safer Rwanda und des Unternehmens SAFER 1 Ltd, begutachtet den Beginn der Bauarbeiten für die neue Ofenfabrik.

In Ruanda haben wir mit den NGOs Safer Rwanda und Rwanda Women’s Network bereits seit langem kompetente Partner vor Ort, die sich nun um den Aufbau der Ofenfabrik kümmern und die Produktion der Öfen übernehmen werden.

Die Corona-Pandemie hat die Suche nach einer geeigneten Fläche für deren Bau der Fabrik verzögert. Doch inzwischen haben wir einen Standort gefunden und auch die Baugenehmigung bereits erhalten. Am 23.02.2021 haben die Bauarbeiten begonnen.

 

Lagerhaus Ruanda © atmosfair
Das neue Lagerhaus unseres Partners Safer Rwanda.

Mit dem Aufbau der lokalen Produktion wollen wir die Zahl der verkauften Öfen pro Jahr deutlich erhöhen, um noch mehr Haushalten in Ruanda den Zugang zu den effizienten Öfen zu ermöglichen. Unsere Partner hatten daher bereits im Vorfeld die Lagerkapazitäten erweitert.

 

Testwerkstatt Berlin – Unsere Konzeptschmiede

Neuer Ofen © atmosfair
Freude über den neuen Save80-Ofen in Ruanda.

Bisher haben wir aus Deutschland vorgefertigte Save80 Bausätze nach Nigeria und Ruanda verschickt, die unsere Partner vor Ort nur noch montieren mussten. In Zukunft sollen unsere Partner und Mitarbeiter das Stanzen und Biegen der Stahlbleche übernehmen und diese selbst einkaufen. Doch vor dem Produzieren steht das Ausprobieren: In Berlin-Pankow haben wir eine Werkstatt mit den für die Produktion notwendigen Maschinen eingerichtet, in der wir in den vergangenen Monaten die pneumatischen Stanzen und andere Maschinen zunächst selbst getestet, und die Fertigungsstrecke optimiert haben. Als nächsten Schritt leiten wir nun den Aufbau der Produktionsstrecken vor Ort in Nigeria und Ruanda an. Aktuell bereiten wir zudem die Schulung unserer Partner und Mitarbeiter in Nigeria und Ruanda vor. An beiden Standorten wird es einen von uns geschulten Produktionsleiter geben, der für die Anleitung des Produktionsteams verantwortlich sein wird, ebenso wie für den Aufbau und den Betrieb der Maschinen.

 

Unser Ziel: Eine Ofenherstellung, die sich langfristig selbst trägt

Mit der Verlagerung der Produktion nach Nigeria und Ruanda wollen wir den Grundstein dafür legen, dass unsere Projektpartner vor Ort die Öfen in einigen Jahren mit immer weniger Förderung durch uns herstellen können. Die Produktion soll sich langfristig wirtschaftlich tragen. Wir können unsere finanziellen Mittel dann im nächsten Projekt einsetzen. So erreichen wir mit Ihren Klimaschutzbeiträgen den größten Effekt. Wir freuen uns bereits auf den Moment, in dem der erste vollständig selbst produzierte Ofen das Werktor verlässt.

 

Verfasserin

Dr. Kerstin Burghaus ist Teamleiterin für zertifizierte Klimaschutzprojekte bei der Non-Profit-Organisation atmosfair.

 

 

 

© Fotos: atmosfair gGmbH