Open Access und die „Barriers to Publish“

Schloss © Pixabay 2021 / Foto: Life-of-Pix

Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens

Das Open-Access-Publizieren soll in den nächsten Jahren zu dem wissenschaftlichen Publikationsstandard werden, wie es hier zum Beispiel das BMBF formuliert. Dem Rechnung zu tragen, bemühen wir uns als Verlag in unterschiedlichen Kontexten:

  • mit unseren eigenen Open-Access-Angeboten,
  • mit unseren Kooperationen wie z.B. ENABLE!
  • mit Projekten, wie dem mittlerweile abgeschlossenen Projekt OGeSoMo und dem laufenden Projekt OAPEnz.

Open Access soll unter anderem die Sichtbarkeit von Publikationen, Themen, Autor*innen erhöhen und „Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung … für alle Menschen offen zugänglich sein“ (s. BMBF, Zugriff 21.4.2021).

Auf diesem Wege kann Open Access die vielfach konstatierten „Barriers to Read“ auflösen, wenn nämlich Publikationen nicht zugänglich sind oder nur gegen hohe Entgelte – hohe Ladenpreise, hohe Abonnementsgebühren bei Zeitschriften bzw. teure Leserechte. Sehr anschaulich dargestellt findet man diese Thematik im Film Paywall: The business of scholarship.

 

Auch Open Access ist nicht umsonst

Dass auch das digitale Publizieren – ob Open Access oder hinter einer Paywall – Kosten verursacht, ist allen Beteiligten klar. Von der Qualitätsprüfung über die redaktionelle und technische Aufbereitung, von der korrekten Metadatenpflege bis hin zum Vertrieb über unterschiedliche Plattformen, von der Beratung von Autor*innen bis hin zur Langzeitarchivierung gibt es verschiedenste Arbeiten, die über den berühmten „Knopfdruck“ hinausgehen.

So kommt es, dass es für das Publizieren im Open Access unterschiedliche Geschäftsmodelle gibt. Diese Geschäftsmodelle laufen im Großen und Ganzen darauf hinaus, dass nicht ein Kaufpreis gezahlt wird, sondern eine Publikationsgebühr entrichtet wird. Diese Gebühr wird in vielen Fällen von Seiten der Publizierenden aufgebracht: Hochschulen und Einrichtungen, deren Autor*innen publizieren möchten. Sicherlich eine der größten Regelungen dieser Art für die deutsche Wissenschaft ist die sog. DEAL-Vereinbarung, die zwischen großen deutschen Wissenschaftseinrichtungen und derzeit (Stand April 2021) zwei internationalen Verlagskonzernen getroffen worden sind. DEAL stellt sicher, dass die Autor*innen aus den beteiligten Institutionen die Möglichkeit bekommen, in den von den Großkonzernen feilgehaltenen Zeitschriften Open Access veröffentlichen können.

 

„Barriers to Publish“

Wenn das Open-Access-Publizieren eine Gebühr kostet, muss eine Publikation im Vorfeld bezahlt werden. Die sog. Article Processing Charges bei Zeitschriftenaufsätzen (APCs) und Book Processing Charges (BPCs) für Buchpublikationen müssen den Ausfall an Verkäufen auffangen. (Leider können wir die optimistische Auffassung nicht unterschrieben, dass kostenlose Verfügbarkeit von digitalen Inhalten dazu führt, dass mehr gedruckte Exemplare verkauft werden können. In unseren Statistiken sorgen Goldene Open-Access-Publikationen für einen nahezug vollständigen Einbruch der Absatzzahlen der gedruckten Werke.)

Autor*innen, die keine Affiliation vorweisen können, haben bei vielen der aktuellen Open-Access-Geschäftsmodelle keine Möglichkeit, Gebühren für ihre eigenen Publikationen einzuwerben. Wer im „wissenschaftlichen Prekariat“ arbeitet, ist besonders auf das Publizieren angewiesen, um die eigene Wissenschaftskarriere voranzubringen. Die Publikationsgebühren aus eigener Tasche zu bezahlen, dürfte für viele schwierig sein.

Weit schwerer wiegen diese finanziellen Schranken für Autor*innen aus ärmeren oder stark regulierten und kontrollierten Bereichen der Welt.

Kürzlich sprach ich mit einer osteuropäischen Wissenschaftlerin und fragte sie nach ihrer Einschätzung zu dieser Thematik. „This is a catastrophe!“ – eine Katastrophe – lautete ihr klares Urteil: Die Hochschulen verfügen nicht über die Mittel, Gelder in der Höhe aufzubringen, um ihren Wissenschaftler*innen eine angemessene Teilhabe am internationalen Publikationswesen zu ermöglichen. Wie es im „Globalen Süden“ aussieht, ist leicht vorstellbar.

 

Lösungen gesucht

Ich habe keinen Stein der Weisen, um diese Fragen erschöpfend zu beantworten. Ich würde mich freuen, wenn die „Barriers to Publish“ als ernsthaftes Problem angesehen und diskutiert würde. Den „Armen“ die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der „Reichen“ kostenlos zur Verfügung zu stellen, ist sicherlich ein hehres Ziel. Die Diskussion nach Möglichkeit auf Augenhöhe zu bringen und die Fragestellungen aus aller Welt gleichberechtigt diskutieren zu können, wäre der logische nächste Schritt.

 

© Pixabay 2021 / Foto: Life-of-Pix