Online-Shop? Einrichten, fertig!

Online-Shop © Pixabay 2021 / Foto: Preis_King

Shop #1

Als ich den Verlag Barbara Budrich im Jahre 2004 gründete, war der Online-Shop rasch aufgesetzt: Mit wenigen Titeln in der ersten Programmvorschau war die Arbeit übersichtlich. Die Shop-Software war teuer, Änderungen an den einzelnen Buchtiteln und Zeitschriftenheften ließen sich von genau einem Rechner aus vornehmen. Die Autorisierung für diesen Zugriff lief über einen „Dongle“ – einen beim Betreiber angemeldeten USB-Stick, der natürlich in meinem PC steckte. Denn ich war für die Shop-Pflege damals zuständig. Wie für – fast – alles andere auch.

Wenn ich ein Buchprojekt zum Druck gegeben hatte, konnte ich die Aktualisierung im Shop vornehmen – jetzt standen Umfang, Ladenpreis und Erscheinungstermin fest. Klingelte das fertige Buch an der Verlagstür, hatte ich bereits die Rechnungen und Lieferscheine geschrieben, hockte mich an den Packtisch und machte die Aussendungen fertig, die ich anschließend zur Post brachte oder für den Bücherwagen bereitstellte.

Leider war es unmöglich, individuelle eBooks kostenpflichtig über diesen Shop auszuliefern. Ich konnte PDF-Dateien über einen Link hinterlegen und so Inhaltsverzeichnisse, Leseproben oder Anhänge zugänglich machen. Doch wir konnten keine eBooks zum Kauf anbieten.

Jede individuelle Änderung am Shop – zusätzliche Informationsseiten über den Verlag oder einzelne Bücher – mussten zum Tarif von Programmierer-Stunden eingekauft werden. Der Zugriff zum Backend wurde uns vom Anbieter nicht gewährt. Als es dann erforderlich wurde, einen neuen Button einzuführen – „Jetzt kostenpflichtig bestellen!“ -, wurde die zusätzliche Kostenbelastung dafür zum Auslöser für mich, nach einer anderen Möglichkeit zu suchen.

 

Shop #2

Viele Kolleg*innen empfahlen mir Typo3 als den absolut perfekten Shop-Standard. Dies sei auch relativ günstig für einen niedrigen fünfstelligen Betrag einzukaufen. Ich suchte weiter. Und wurde im WordPress-Universum fündig. Natürlich gibt es bessere Lösungen. Doch das Shop-Theme, das ich fand, also quasi der Verkaufsraum, gefiel mir sehr. Es gab gute Möglichkeiten, die einzelnen Titel und sogar die Autor*innen in einer eigenen Datenbank zu präsentieren. Mit Plug-Ins und Add-Ons gab es schier unendliche Optionen.

Leider war unser vorheriger Anbieter nicht begeistert von unserem Abschied. Was ich angesichts der pauschalen Hostinggebühr und dem Stundensatz bei Anpassungsnotwendigkeiten rein kaufmännisch gut nachvollziehen konnte. Für den Export unserer Daten – mittlerweile waren wir bei knapp 1.000 einzelnen Produkten im Shop angekommen – wollte er mehrere Tausend Euro haben.

Wer sich mit dem Export strukturierter Daten auskennt, kann sich vorstellen, wie ich auf dieses Angebot reagiert habe: Sagen wir, ich war nicht begeistert. Nachdem meine Verhandlungsversuche fehlschlugen, beschlossen wir, uns selbst zu kümmern: Eine Kollegin und ich haben uns hingesetzt und haben jedes einzelne Buch, jede Zeitschrift, jede Reihe und jedes Zeitschrifteneinzelheft „zu Fuß“ mit Copy-Paste übertragen. Vielleicht war unsere eigene Arbeitszeit teurer als das Angebot unseres einstmaligen Shop-Partners – vielleicht auch nicht.

Jedenfalls stand bald der neue Shop. Das Theme hielt leider das ursprüngliche Versprechen nicht: Es gab keine Möglichkeit, die Autor*innen separat zu präsentieren. Doch da das Ganze mittels Open-Source-Software zu betreiben war, hatten wir enorm viele Freiheiten und konnten Vieles auf unsere Bedarfe und die Bedürfnisse unserer Kund*innen anpassen.

Bis zu dem Tag, an dem klar wurde: Die Pflege dieses Themes wird nicht fortgeführt, es gibt keine weiteren Updates. Was immer gleichbedeutend damit ist, dass Sicherheitslücken nicht geschlossen, etwaige Gesetzesänderungen nicht umgesetzt und andere notwendige Erneuerungen nicht durchgeführt werden.

So ärgerlich dies auch war: Es führte zu unserem neuen Shop.

 

Shop #3

Der Umfang unseres Shop-Angebots an gedruckten Büchern und Zeitschriften, an E-Books und E-Journals ist nun kein großes Thema mehr. Wir haben einen zuverlässigen Admin, der uns begleitet und hilft, unseren Shop an unsere Wünsche und etwaige neue Vorgaben anzupassen – DSGVO, Mehrwertsteueränderungen bei E-Books und E-Journals, kurzfristige Mehrwertsteuersenkungen und -wiederanhebungen, Mehrsprachigkeit. An diesen Stellen ergeben sich beim Umzug keine neuen Fallstricke.

Doch zunächst mussten wir ein neues Theme – also eine neue Präsentationsform unseres Sortiments im digitalen Laden – suchen. Dann ging es darum, alle Wünsche, die wir „schon immer“ hatten, zu konkretisieren. Der Vertrieb hockte sich mit dem Marketing zusammen, das Lektorat hatte neue Ideen und alle gemeinsam besprachen wir uns mit unserem Admin. Der setzte um und zeigte Grenzen des sinnvoll Machbaren auf (alles ist „machbar“, nur teils unpraktisch und/oder enorm teuer). Wir prüften seine Entwürfe, meckerten, überarbeiteten, entwickelten neue Ideen.

Die Diskussionen begannen im Herbst 2019. Unser Ziel war der Launch im Mai 2020. Dann die Buchmesse im Oktober 2020. Nun schreiben wir das Jahr 2021. Die letzten Diskussionen laufen, während der Shop live geschaltet wurde.

Und auch, wenn vielleicht noch nicht alles perfekt funktioniert, sind viele Stunden reiflichen Nachdenkens eingeflossen, viele Tests, viele Ideen und viele weitere Stunden fachmännischer Umsetzungsarbeit. Und auch, wenn wir wissen, dass dies weder der letzte Shop gewesen sein wird, den wir launchen und dass ein Shop nie, nie, nie perfekt oder ganz fertig ist: Wir hoffen, er gefällt Ihnen!

 

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© Pixabay 2021 / Foto: Preis_King