OAPEnz – ein Blick hinter die Kulissen eines BMBF-Projekts

Vorhang © PIxabay 2021 / Foto: StockSnap

ein Gastbeitrag von Vivian Sper und Franziska Deller

Franziska Deller © Nina Schöner FotografieFranziska Deller betreut im Lektorat des Verlags Barbara Budrich die Fachbereiche Politikwissenschft und Erziehungswissenschaft. Seit Februar 2021 ist sie Teil der Redaktion im Projekt OAPEnz.

Vivian Sper © Nina Schöner FotografieVivian Sper betreut im Lektorat des Verlags Barbara Budrich die Fachberiche Gender Studies, Soziologie und Schlüsselkompetenzen. Als Teil des Redaktionsteams für das Projekt OAPEnz beschäftigt sie sich mit der Frage, wie Open Access in den Geistes- und Sozialwissenschaften vorangetrieben werden kann.

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Eckdaten des Projekts OAPEnz

  • Projektname: Open-Access-Publikation von enzyklopädischen Handbüchern – OAPEnz
  • Laufzeit: 24 Monate
  • Projektpartner: Verlag Barbara Budrich, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften
  • Meilensteine:
    • Herbst 2021: Call for Contributions und Launch der Projektwebsite
    • Bis Juni 2022: Einreichung der ersten Beiträge
    • Bis November 2022: Reviewprozess
    • Ende 2022: Veröffentlichung der ersten Beiträge auf der Plattform

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„Blackbox Verlag.“ Dieses Stichwort hören wir gerade in aktuellen Debatten zu Open Access häufig. Was sind typische Leistungen des Verlags? Warum und was kostet das? Wie unterscheidet sich eine OA-Publikation von klassischen Printformaten? Es herrschen Ungewissheit, Skepsis und manchmal wird die Verlagsarbeit auch generell infrage gestellt. Zugegebenermaßen macht das Akronym unseres aktuellen BMBF-geförderten Open-Access-Projekts „OAPEnz“ den Zugang nicht leichter. Zeit, Ihnen einen Blick hinter die Kulissen des im Februar gestarteten Projekts zu gewähren.

 

Action: Projektziele und Akteur*innen

Ins Leben gerufen wurde das Projekt im Rahmen der Förderlinie des BMBF zur Transformation des wissenschaftlichen Publikationssystems hin zu Open Access. Die politische Forderung der Durchsetzung von Open Access als wissenschaftlichem Standard stellt die Wissenschafts- und Publikationswelt vor neue Hoffnungen und Herausforderungen: Im Verlag fragen wir uns zum einen, wie wir mehr Akzeptanz und Finanzierungsmöglichkeiten für Open Access in unseren Wissenschaften, den Erziehungs- Sozial- und Politikwissenschaften, schaffen können. Zum anderen aber stehen wir auch vor der Herausforderung, eine Publikationswelt zu erdenken, die Forschung weiterhin qualitätsgesichert zugänglich macht, die zunehmende Relevanz digitaler Formate berücksichtigt und auf einer transparenten Arbeitsweise basiert.

Hier setzt das Projekt OAPEnz an. Projektgegenstand ist die Veröffentlichung eines enzyklopädisch angelegten Handbuchs „Politik und Geschlecht“, dessen einzelne Beiträge „lebendig“ im goldenen Open Access sukzessive veröffentlicht werden und das in regelmäßigen Abständen auch in einer Gesamtauflage als eBook im goldenen Open Access und mit Print‐on‐Demand‐Option erscheint.

Wir verfolgen damit vor allem drei Ziele:

  1. Die Erhöhung der Anzahl offen verfügbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse;
  2. Die Entwicklung einer Publikationsplattform, die nachhaltig im Open Source auch anderen Wissenschafts‐ und wissenschaftseigenen Verlagen zur Verfügung steht;
  3. Die Kostenevaluation bzw. die Entwicklung eines Geschäftsmodells für ähnliche Publikationen.

Diesen Weg beschreiten wir mit der ZBMed, deren Publikationsplattform PUBLISSO jetzt Redaktionen die Möglichkeit bietet, Einreichungs- und Reviewprozesse abzubilden und ganze Handbücher aus dem System heraus im OA zu veröffentlichen. Außerdem haben sich Wissenschaftler*innen aus der Sektion Politik und Geschlecht der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) bereit erklärt, dieses Pilotprojekt gemeinsam mit uns zu wagen und das Handbuch als Herausgebende inhaltlich mit Leben zu füllen.

 

Vorhang auf: Ein neues Buchformat – eine neue Form der Zusammenarbeit

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit und woran arbeiten wir konkret? Die Veröffentlichung eines enzyklopädischen, lebendigen Handbuchs im Open Access ist auf vielfältige Weise ein Novum, das alle Projektpartner*innen vor neue Aufgaben stellt.

Inhaltlich arbeiten die Herausgebenden an der Konzipierung des ersten deutschsprachigen Handbuchs zum Thema „Politik und Geschlecht“, wodurch der politikwissenschaftlichen Geschlechterforschung und feministisch- politikwissenschaftlichen Zugängen Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit zukommen soll. Durch die Möglichkeit, auch digitale Formate wie Videos einzubinden, sind Herausgebende und der Verlag dazu angehalten, auch das Format Buch neu zu denken, sodass es bspw. in der Lehre möglichst sinnvoll eingesetzt werden kann. Auch die Option der Versionierung eröffnet die Möglichkeit, Änderungen und Erweiterungen hinzuzufügen und so aktuelle Entwicklungen in den Disziplinen abzubilden. Das „innovative“ Format bedeutet aber auch ein Pilotprojekt für die Zusammenarbeit: Zwischen dem Call for Contributions und einem veröffentlichten Beitrag liegen bekanntermaßen einige Meilensteine: die redaktionelle Bearbeitung, das Peer-Review-Verfahren, die Aufbereitung des Inhalts für den Buchsatz. Ein großer Teil unserer Arbeit besteht daher aktuell darin, diese Arbeitsprozesse sinnvoll in Zuständigkeiten der Verlagsredaktion und der Herausgebenden aufzuteilen. Darüber hinaus wollen wir auch für die Autor*innen einen möglichst reibungsfreien Workflow etablieren und arbeiten bereits an Anleitungen, Style Sheets und stimmen mit den Herausgebenden u.a. die  Zitierweisen, Verschlagwortungen und Deadlines ab.

 

Cut: Digitale Möglichkeiten

Unsere Vision: Eine digitale Infrastruktur für die Erstellung von Living Handbooks schaffen, die eines Tages von sämtlichen Stakeholdern aus den Sozial- und Geisteswissenschaften – Verlagen, Fachgesellschaften, eigenständigen Redaktionen – genutzt werden kann. Auf der Plattform unseres Partners ZB MED entstehen bisher nur naturwissenschaftliche Living Handbooks. Im Rahmen des Projekts wollen wir dieses Grundgerüst nun für die Bedürfnisse  unserer Fachdisziplinen  anpassen und ausbauen. Was bedeutet das konkret?

Die Publikationskultur in den Geistes- und Sozialwissenschaften unterscheidet sich von der in naturwissenschaftlichen Fächern: Das Buch spielt – auch als physische Printausgabe – eine zentrale Rolle. Deswegen wird unser Handbuch in regelmäßigen Abständen als Printversion erscheinen. Eine ganz zentrale Aufgabe unseres Projekts ist dabei der Transfer von der digitalen Plattform in eine analoge Druckversion, der in Zukunft möglichst automatisiert ablaufen soll. Dieses Ziel stellt uns vor einige Herausforderungen: Wie wird aus einer Webseite eine formatierte, druckfähige Vorlage? Wie können wir beispielsweise digitale Zusatzmedien im Buch darstellen? Wie gehen wir mit Überarbeitungen und Aktualisierungen um?

Viele unserer Anpassungen werden im Hintergrund ablaufen und den Verantwortlichen Arbeit abnehmen: von der Erstellung der Druckvorlage über die automatisierte Aufbereitung von Metadaten (DOIs werden automatisch registriert) bis zum vorstrukturierten Review- und Publikationsprozess.

Gerade sind wir noch ganz am Anfang dieses Weges und dabei, Grundentscheidungen für das Fundament unseres Living Handbook zu treffen: Schriftform und Layout der Webseite müssen festgelegt, eine passende URL formuliert und ein Titel für die Printversion gefunden werden.

 

Backstage: Networking

Während das finale Handbuch und auch die Publikationsplattform offensichtliche Projektergebnisse darstellen, steckt hinter OAPEnz auch viel Arbeit, die im Hintergrund stattfindet: in zahllosen zoom-Konferenzen wie den jährlichen Open Access Tagen, in Diskussionen mit der ENABLE! Community und in der Vernetzung mit anderen BMBF-Projekten der gleichen Förderlinie. Der Austausch mit wichtigen Stakeholdern, also anderen kommerziellen Verlagen und Universitätsbibliotheken, sowie mit Forscher*innen ist essentiell, um nachhaltige Lösungen zu finden. Die Open-Access-Transformation ist daher auch ganz wesentlich eine Kommunikationsaufgabe.

 

Bühne frei: OAPEnz als Leuchtturmprojekt

Sie stellen fest: Bis der Vorhang aufgehen und unser Living Handbook zu „Politik und Geschlecht“ ins Rampenlicht treten kann, wird es noch viele zoom-Meetings, Testläufe, Abstimmungsprozesse, Review- und Redaktionsschlaufen geben. Und: Dieses Pilotprojekt soll erst der Anfang sein und den Beginn einer ganzen Bibliothek der Sozial- und Geisteswissenschaft bilden, mit weiteren laufend wachsenden Handbüchern aus der Politikwissenschaft, der Soziologie, den Gender-Studies und der Erziehungswissenschaft…

Es lohnt sich also, unseren Weg weiter zu begleiten! Für Fragen und Anregungen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Mehr zum Thema Open Access im Verlag Barbara Budrich …

Das Open Access-Logo des Verlags Barbara Budrich… finden Sie auf unserer Übersichtsseite Open Access.

 

© Pixabay 2021 / Foto: StockSnap