Schulunterricht in Zeiten von Corona in Rombo, Kenia

von Sigrid Tschöpe-Scheffler

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Im März 2020 war ich in Kenia und bin dann Anfang April 2020, dank der Rückholaktion des Auswärtigen Amtes, zehn Tage später als geplant, nach Deutschland ausgeflogen worden.

Ich war zuerst in Majaoni am Indischen Ozean, wo ich an der feierlichen Einweihung eines Dorfprojekts (Kirche und Familienzentrum) teilnehmen konnte. Dank vieler Spenden konnte der Bau eines Gemeindezentrums realisiert werden – eine sehr einfache Holzkonstruktion, mit offenen Wänden und einem Dach aus Eisenplatten, gestampftem Boden und zwei Löchern hinter dem Bau als Toiletten, als Sichtschutz dient eine Plastikfolie. Dort finden sowohl Gospelgottesdienste als auch Familientreffen statt, Workshops mit Jugendlichen und Frauen zu besondere Themen, Tanz- und Musiknachmittage. In einem Workshop zum Thema Resilienz habe ich dort an drei Tagen mit 25 Frauen in der ersten Woche in dem halbfertigen Gebäude bereits mit viel Freude arbeiten können. Eine Freundin hat eine Nähmaschine finanziert, die ebenfalls dort steht und eifrig benutzt wird. Es war ein großes beeindruckendes Einweihungsfest mit einem vierstündigen Gospelgottesdienst, mit viel Musik und Tanz, und das ganze Dorf war anwesend.

Das neue Gemeindehaus

 

Schulunterricht während der Pandemie

Damals konnte noch keiner wissen, dass dieses Familienzentrum zum Mittelpunkt für die Kinder werden würde, die bis Januar 2021 keine Schule mehr besuchen können, da der kenianische Staat beschlossen hat, so lange die Schulen geschlossen zu halten. Meine Kontaktpartner dort, Pastor Jonathan und seine Familie, haben mit den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern beschlossen, die 50 Kinder der Gemeinde bis Ende Dezember selbst zu unterrichten. Einige ältere Jugendliche und eine Dorfbewohnerin, die selbst Lehrerin ist, haben kleine Gruppen von 6-8 Kindern übernommen, die von 9.00 -12.00 Uhr regelmäßig kommen und Englisch, Mathe und Kisuaheli lernen. An einem Tag gibt es einen Projekttag, an dem der Zimmermann aus dem Dorf etwas über Baukonstruktionen erklärt, eine Mutter Kochunterricht erteilt oder der Farmer mit den Kindern in die Natur geht und Pflanzen und Bäume bestimmt. Ein weiterer Lehrer konnte, dank einiger Spenden, die zum Glück immer wieder bei mir eintreffen und die ich sofort weiterleite, bis Ende Dezember gewonnen werden und unterrichtet die älteren Jugendlichen.

Seit der Pandemie konnten die Menschen nicht mehr in ihren Jobs arbeiten, wurden von heute auf morgen arbeitslos und hatten kein Einkommen mehr. „Wir werden nicht an Corona sterben, sondern an Hunger“, so die Meinung der Bevölkerung. Das Land wurde von einem auf den anderen Tag wegen der Corona-Pandemie fast auf Null gestellt. Alle Hotels und Restaurants am Meer und in Mombassa haben am 16.3.2020 schließen müssen, ebenso die Geschäfte, und die Reisemöglichkeiten wurden extrem eingeschränkt.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich gleich im Freundeskreis von meinen Erlebnissen erzählen können, und dank der Spenden halfen kleine Essenspakete mit Maismehl und Öl über die größte Not hinweg. Inzwischen gibt es erste Lockerungen, aber die Einnahmequelle am Meer, die durch die Touristen in den Hotels und Restaurants entsteht, entfällt nach wie vor. Eine Erwerbslosenabsicherung gibt es nicht und die Menschen stehen ohne Geld da.

Nach dem Einweihungsfest wollte ich Mitte März eigentlich nach Rombo weiterfahren, um dort die Schulpatenkinder, deren Familien und die Schulen zu besuchen. Kurzfristig musste aber das Volunteershaus in Rombo wegen Corona geschlossen werden, es durften keine Besucher mehr empfangen werden, und ich konnte nicht weiterreisen. So blieb ich anfangs noch in dem Dorf Majaoni, durfte dann aber auch dort wegen Corona als Ausländerin nicht mehr bleiben, und die Freunde haben mich am Meer in dem einzigen noch geöffneten Apartmenthaus für die letzten Tage meines Aufenthaltes dort untergebracht.

Trotz der Reiseverbote kamen sie jeden Tag 15 km mit einem Motorrad angereist, versorgten mich mit Ugali (Maismehl), Kokosnüssen und Mineralwasser. Wir saßen am menschenleeren Strand und überlegten gemeinsam, wie es für sie weitergehen könnte. Ich habe sie nach meiner Rückkehr mit einem Kleinkredit unterstützt, von dem sie eine kleine Garküche gebaut haben und nun schon seit drei Monaten relativ erfolgreich als Familien- und Dorfteam arbeiten und Chapati und Mandzaani (gefüllte Teigtaschen) an Geschäftsleute verkaufen. Außerdem haben sie Farmland gepachtet, um Mais für den Eigenbedarf anzubauen. Dass die anfangs gut wachsenden Maisstauden dann von den frei herumlaufenden Ziegen erheblich minimiert wurden, gehört zu den vielen traurigen Ereignissen.

Es klingt vielleicht alles sehr abenteuerlich, aber ich habe mich in der ganzen Zeit von den Dorfbewohnern und meinen Freunden beschützt und umsorgt gefühlt, wofür ich sehr dankbar bin. Auch darüber, dass sie kleine Perspektiven haben, bin ich froh.

 

Die aktuelle Lage in Rombo

  • Die Schulen sind geschlossen und bleiben bis Januar 2021 zu.
  • Das Schulgeld, das die Paten schon bezahlt haben, wurde den Familien übergeben, damit sie davon Lebensmittel kaufen konnten.
  • Das Motorrad von Light of Maasai wurde gestohlen, es war die einzige Fortbewegungsmöglichkeit, um die Familien besuchen zu können.
  • Zu den Direktoren der Schulen hat Elaine inzwischen wieder Kontakt. Die LehrerInnen sind dabei, die Klassenzimmer umzurüsten: Die Schulbänke werden zersägt, da immer nur ein Kind im Abstand von 2 Metern auf der Bank oder auf neuen Stühlen sitzen kann.
  • Die Schulklassen müssen daher enorm verkleinert werden. Einige Schülerinnen haben bereits im Januar 2020 die Schule verlassen und haben an einem Computerkurs teilgenommen, um sich auf einen Job im kaufmännischen Bereich vorzubereiten, aber auch das ist seit April nicht mehr möglich.

Es werden in den Schulen erst einmal keine neue Kinder mehr angenommen, und die Direktoren gehen davon aus, dass einige Kinder auch nicht mehr kommen werden. Die älteren (ab 14-Jährigen) werden angehalten, Jobs zu suchen. Die Schulen müssen darüber hinaus Wassertanks kaufen, damit die Hände unter fließendem Wasser gewaschen werden können und nicht, wie bisher, in einer Wasserschüssel, ausserdem muss reichlich Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen, um die Bänke regelmäßig reinigen zu können. Es müssen Masken gekauft oder genäht werden und jede Klasse muss mit einem elektronischen Fieberthermometer ausgestattet sein (Vorgaben der Regierung).

Das alles wird überprüft und nur dann können die Schulen starten.

 

Mehr über Light of Maasai erfahren:

offizielle Website

 

© Pixabay 2020 / Fotos: Sigrid Tschöpe-Scheffler