„Nicht alles, was ich will, geht. Aber es geht in der Regel mehr, als ich denke.“ – 5 Fragen an Jasmin Döhling-Wölm

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

3D Cover Döhling-WölmIm Verlag Barbara Budrich ist erschienen: Karriere, Macht und Netzwerke. Spielregeln für die Karriereentwicklung von Jasmin Döhling-Wölm in der 2., erweiterten Auflage.

 

 

 

Über das Buch

Ist es wirklich ein Ausstieg aus der Wissenschaftskarriere, wenn eine hochdotierte Historikerin in eine NGO wechselt? Oder handelt es sich nicht schlicht um einen Feldwechsel einer hochqualifizierten Akademikerin? Jasmin Döhling-Wölm zeigt einen Weg auf, die eigene Karriereentwicklung aktiv und eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen – und dabei die persönlichen Netzwerke konstruktiv zu nutzen. Die zweite, erweiterte Auflage ihres Buches nimmt auch den angemessenen Umgang mit digitalisierten sozialen Netzwerken in Karriereprozessen, der sich zunehmend zu einer Schlüsselkompetenz von Fach- und Führungskräften entwickelt, in den Blick.

Kurzvita von Jasmin Döhling-Wölm in eigenen Worten

  • Lehramtsstudium an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit den Schwerpunkten Bildungsökonomie, Kompetenzbildung und Motivationspsychologie
  • Aufbau von wissenschaftlich konzipierten Lehr- und Personalentwicklungsprogrammen für Studierende, Forschende und Lehrende an den Universitäten Hannover, Bremen und Oldenburg
  • 2001: Gründung des Consulting-Instituts für akademische Karriereentwicklung karrierekunst mit dem heutigen Sitz in Bremen
  • Mit ihrem Team in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Consultant und Coach für Fach- und Führungskräfte in inner- und außeruniversitären Karrieresystemen tätig

 

1) Liebe Frau Döhling-Wölm, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Karriere, Macht und Netzwerke für unsere Leser*innen zusammen.

In meinem Buch zeige ich auf, wie Menschen in herrschenden Machtverhältnissen die eigenen Karriereverläufe konstruktiv mit Hilfe von Netzwerken gestalten können. Das Motto, das ich vermittele ist: Nicht alles, was ich will, geht. Aber es geht in der Regel mehr, als ich denke.

In gewisser Weise handelt es sich um ein Selbstcoachingbuch, das den Kontext liefert, wie das Karrieresystem für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wirklich funktioniert. In der 2. erweiterten Auflage habe ich besonders das digitale Karriere-Netzwerken mit einem weiteren Kapitel berücksichtigt. Die Digitalisierung der Karrieremärkte wird von zu vielen unterschätzt bzw. als Gefahr gesehen, was sie ja teilweise auch ist. Ich zeige in dem Kapitel zum digitalisieren Netzwerken Strategien und Instrumente auf, sich angemessen als Expertin bzw. Experte sichtbar zu machen und mit positiven wie negativen Effekten auf diese Sichtbarkeit hin umzugehen.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Die erste Auflage entwickelte ich 2015, weil ich sah, dass die überwiegende Mehrheit von wissenschaftlichem Personal im Mittelbau im deutschsprachigem Raum keine angemessenen Angebote zum selbstgesteuerten und kritischen Karrierenetzwerken in ausreichendem Umfang in Anspruch nehmen kann. Im Sinne des Empowerment habe ich daher das Handbuch zum Selbstcoaching geschrieben. Auch war es mir ein Anliegen, einen Qualitätsstandard anzuregen, wie strategische Karriere-Netzwerkanalysen im Coaching aussehen sollten, um effektiv und effizient für die Coachees zu sein.

 

3) Inwiefern unterscheidet sich die zweite Auflage konkret von der ersten?

Die erweiterte Auflage mit dem Kapitel zur Digitalisierung war mir noch vor der Corona-Krise ein Herzensanliegen. Gerade internationale Arbeitsmärkte für akademische Fach- und Führungskräfte erfordern schon lange eine Sichtbarkeit und Partizipation auch in digitalen Kommunikationsstrukturen wie dem Internet. Die COVID19-Pandemie hat es dann besonders deutlich gemacht, dass Remote Working erweiterte Kompetenzen erfordert im Umgang mit digitalen Tools und auch infrastrukturell und gesellschaftlich noch einiges zu tun ist.

Frauen und Männer werden aktuell wieder in traditionelle Rollen zurückgedrängt. Alles erscheint so logisch und das stört mich. Daher rege ich mit meinem erweiterten Buch besonders an, mit Neugier die digitale Karriere-Spielwiese zu erobern, Netzwerke auszubauen und zu pflegen und aktiv zu partizipieren in meinungsbildenden Prozessen.

 

4) Was entgegnen Sie Menschen, denen das Netzwerken nach eigener Aussage schwerfällt?

Ich antworte frei nach Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht netzwerken. Jeder und jede agiert in Netzwerken. Wer ist schon autark? Allerdings scheint es ein gesellschaftliches Bild vom Netzwerken zu geben, das mit extrovertierten Persönlichkeiten verbunden wird, die vor allem egozentrierte Mikropolitik betreiben – kurz Lobbyismus. Diese gibt es, keine Frage. Daher ist mir genau dieser Perspektivwechsel auf das Netzwerken wichtig. Unser Netquest® Level 12 Coachingprogramm zu meinem Handbuch hat genau diesen Schwerpunkt: Wie netzwerke ich, wenn ich glaube, dass ich das Problem beim Netzwerken bin?

Ja, es ist richtig: Strategisches Netzwerken hat ein Ziel. Und ja, es stimmt auch, dass ich mit dem gemeinsamen Ziel auch einen persönlichen Vorteil erlangen will. Deswegen ist es ja auch ein reflexives Verb, sich zu engagieren in Netzwerken.

Das gilt aber ebenso für soziale Ziele wie Gleichstellung, Integration oder Meinungsfreiheit. Ohne Netzwerkarbeit in eigener Sache ist auch im Karriereverlauf wenig zu erhoffen und vieles passiv zu wünschen.

 

5) Darum bin ich Autorin bei Budrich:

Was mich am VBB besonders begeistert ist die Wertschätzung für mich als Fachautorin und Mensch, die stabile Bereitschaft aller, mich in meinen Netzwerkprojekten zu unterstützen, den Mut aller Beteiligten, auch heiße Themen anzufassen und die Großzügigkeit in Bezug auf die Verwendung meiner eigenen Texte auch über den VBB-Druckrahmen hinaus. Das ist für mich Verlegerinnentum in Bestform.

 

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3D Cover Döhling-WölmJasmin Döhling-Wölm: Karriere, Macht und Netzwerke. Spielregeln für die Karriereentwicklung

2., erweiterte Auflage

 

 

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