Geblättert: „Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden“ (10. Auflage) von Ralf Bohnsack

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Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden (10. Auflage)

von Ralf Bohnsack

 

Über das Buch

Im Zentrum des Lehrbuchs steht die vom Verfasser selbst als Forschungspraxis entwickelte dokumentarische Methode in ihren Anwendungsbereichen der Text- und Bildinterpretation mit einem Fokus auf der Gesprächsanalyse und der Gruppendiskussion. Die Gegenüberstellung von „qualitativ“ und „quantitativ“, die als zentrale Leitdifferenz die Auseinandersetzung in der empirischen Sozialforschung bestimmt, erscheint methodologisch wenig begründet. Das Buch stellt drei zentrale Wege der rekonstruktiven Sozialforschung mit ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten vor (narratives Interview, objektive Hermeneutik und dokumentarische Methode) und diskutiert grundlegende Anforderungen, die an Methodologie und Forschungspraxis der rekonstruktiven Sozialforschung gestellt werden.

Leseprobe: S. 24-28

 

2.3 Zur Methodologie rekonstruktiver Verfahren

Die interpretativen oder rekonstruktiven Verfahren gehen den entgegengesetzten Weg, nach dem Motto: Weniger Eingriff schafft mehr Kontrollmöglichkeiten. Durch weniger Eingriffe des Forschers soll mehr methodische Kontrolle erreicht werden. Das klingt paradox.

Die Fragestellung soll – wenn wir beim Interview bleiben – möglichst offen sein, sodass die Befragten die Kommunikation weitestgehend selbst strukturieren und damit auch die Möglichkeit haben, zu dokumentieren, ob sie die Fragestellung überhaupt interessiert, ob sie in ihrer Lebenswelt – man sagt auch: ihrem Relevanzsystem – einen Platz hat und wenn ja, unter welchem Aspekt sie für sie Bedeutung gewinnt. Die Befragten sollen selbst offen legen, wie sie die Fragestellung interpretieren, damit die Art und Weise, wie sie die Fragen übersetzen, erkennbar wird; und zugleich wird ihnen die Gelegenheit gegeben, das Thema in ihrer eigenen Sprache zu entfalten. Je umfassender dies geschieht, desto geringer ist die Gefahr, dass die Interviewenden oder auch diejenigen, die das Interview auswerten, die Befragten missverstehen.

Methodische Kontrolle bedeutet hier also Kontrolle über die Unterschiede der Sprache von Forschenden und Erforschten, über die Differenzen ihrer Interpretationsrahmen, ihrer Relevanzsysteme. Und diese Kontrolle gelingt nur, wenn ich den Erforschten Gelegenheit gebe, ihr Relevanzsystem zu entfalten, und dann darauf aufbauend – rekonstruierend – mir die Unterschiede der Interpretationsrahmen vergegenwärtige.

In einem Aufsatz zur Gegenüberstellung von offenem und geschlossenem, also standardisiertem Interview führt Kohli (1978, S. 11) ein Beispiel aus einer eigenen Untersuchung an. Es geht um die Frage, wie Filme über Arbeiter von Arbeitern selbst wahrgenommen und interpretiert werden: „In unserer ‚Arbeiterfilm‘-Untersuchung lautete die Eingangsfrage: ‚Wie hat Ihnen der Film gefallen?‘ Damit sollte ermittelt werden, welche Beurteilungsdimensionen und -kriterien die Befragten von sich aus an den Film anlegen; erst danach sprach der Interviewer einzelne davon selber an, z.B. mit der Frage ‚Beschreibt der Film die Wirklichkeit so, wie sie ist? Oder gibt es Dinge darin, die nicht so sind wie in der Wirklichkeit?‘ – mit Nachfragen hinsichtlich spezifischer Aspekte (Arbeiter, Betriebsrat, Geschäftsleitung, Konfliktlösung etc.). Der Befragte wird also im offenen Interview dazu gebracht, selber anzuzeigen, was für ihn in welcher Weise relevant ist. Die allgemeinen Fragen, mit denen der Interviewer beginnt, müssen von ihm konkretisiert werden. Der Interviewer beschränkt sich zunächst darauf, den Beiträgen des Befragten zu folgen und diese wo nötig durch ergänzende Nachfragen zu vertiefen, und kommt erst am Schluß auf die noch nicht behandelten Bereiche des Leitfadens zu sprechen.“

Im offenen Interview geht es, wie in allen offenen Verfahren, also darum, die Befragten ein Thema in deren eigener Sprache, in ihrem Symbolsystem und innerhalb ihres Relevanzrahmens entfalten zu lassen; nur so können die Interviewer(innen) oder Beobachter(innen) vermeiden, in die Einzeläußerung Bedeutungen hineinzuprojizieren, die ihr nicht zukommen. Wenn z.B. ein Befragter auf Fragen angibt, er sei streng erzogen worden, so kann der Forscher mit dieser Äußerung allein recht wenig anfangen; es sei denn, er projiziert seine eigenen Vorstellungen von strenger Erziehung dort hinein. Mehr erfährt er, wenn diese Äußerung im Kontext einer Erzählung des Befragten steht, dem Befragten mit seiner Erzählung Gelegenheit gegeben wird, die Erziehungsstile seines Elternhauses in seiner Sprache darzustellen. Dies kann dadurch geschehen, dass das Thema vorgegeben wird, hier also das Thema ‚Erziehungsstile‘. Im sog. narrativen Interview (siehe dazu Kap. 6) wird hier lediglich eine Zeitspanne vorgegeben, eben die Kindheit oder auch die gesamte bisherige Biographie. Letzteres hat den Vorteil, dass man nicht nur etwas über das Elternhaus erfährt, sondern zugleich etwas über den Stellenwert, den der oder die Einzelne der Erziehung im Elternhaus im Kontext der Gesamtbiographie beimisst.

Das Zauberwort heißt also Kontext: Im Einzelinterview kann ich die Einzeläußerung erst im Gesamtkontext einer Erzählung oder längeren Darstellung adäquat verstehen. In einer Gruppendiskussion (vgl. dazu auch Kap. 3 u. 7) kann mir dadurch vieles klarer werden, dass ich den Einzelnen in der Kommunikation mit denjenigen erlebe, mit denen er oder sie auch im Alltag kommuniziert, also innerhalb des gewohnten sozialen Kontextes, z.B. innerhalb der Clique, der Gruppe der Gleichaltrigen, mit denen er oder sie auch sonst zusammen ist. Dadurch, dass die Einzelnen wechselseitig aufeinander Bezug nehmen, bildet sich ein kommunikativer Kontext, durch den der Sinngehalt der je einzelnen Äußerung für mich deutlicher wird. Und gegenüber denjenigen, mit denen die Einzelnen auch in ihrem Alltag zusammen sind, werden sie die Symbole, die Sprache und vor allem auch die Metaphern, die Bilder verwenden, die für diese jeweilige Lebenswelt typisch sind.

Im Falle der teilnehmenden Beobachtung habe ich den Vorteil, dass ich die Äußerungen – seien es nun individuelle Äußerungen oder Gespräche, Diskussionen – auf den jeweiligen Handlungskontext beziehen kann, über den geredet wird. Das heißt, wenn ich z.B. eine teilnehmende Beobachtung in einem Ausbildungsbetrieb durchführe, kann ich mir ein Bild von dieser Ausbildungssituation machen und zugleich Gespräche, Diskussionen von Lehrlingen über diese ihre Wirklichkeit mitverfolgen.

Allen offenen Verfahren ist gemeinsam, dass sie denjenigen, die Gegenstand der Forschung sind, die Strukturierung der Kommunikation im Rahmen des für die Untersuchung relevanten Themas so weit wie möglich überlassen, damit diese ihr Relevanzsystem und ihr kommunikatives Regelsystem entfalten können und auf diesem Wege die Unterschiede zum Relevanzsystem der Forschenden überhaupt erst erkennbar werden.

Im Sinne eines derartigen methodisch kontrollierten Fremdverstehens wird dann methodische Kontrolle möglich. Christa Hoffmann-Riem nennt zwei methodische Prinzipien der interpretativen Verfahren: einerseits das Prinzip der Offenheit und andererseits das Prinzip der Kommunikation. Es heißt dazu bei ihr (1980, S. 343f.): „Das Prinzip der Kommunikation besagt, daß der Forscher den Zugang zu bedeutungsstrukturierten Daten im allgemeinen nur gewinnt, wenn er eine Kommunikationsbeziehung mit dem Forschungssubjekt eingeht und dabei das kommunikative Regelsystem der Forschungssubjekte in Geltung läßt“, und weiter unten (S. 346): „Das Prinzip der Offenheit besagt, daß die theoretische Strukturierung des Forschungsgegenstandes zurückgestellt wird, bis sich die Strukturierung des Forschungsgegenstandes durch die Forschungssubjekte herausgebildet hat.“

Um dem gerecht zu werden, bedarf es auch einer Überprüfung des Theorieverständnisses, wie es uns in den konventionellen, den standardisierten Verfahren begegnet.

Ich verlasse also nun den Bereich der Kommunikation zwischen Forscher bzw. Beobachter auf der einen und denjenigen, die Gegenstand der Forschung sind, auf der anderen Seite und wende mich einer allgemeineren Beobachtung des Forschungsprozesses zu, dem Verhältnis von Theorie und Gegenstand der Forschung, also dem Verhältnis von Theorie und Beobachtung. Dabei stütze ich mich auf Überlegungen der Phänomenologischen Soziologie mit ihrem Begründer Alfred Schütz und in der Wendung, die ihr die Ethnomethodologie gegeben hat. Des Weiteren beziehe ich mich auf die Wissenssoziologie von Karl Mannheim und die Hermeneutik – vor allem in der Art und Weise, wie Habermas die hermeneutische Tradition aufgegriffen, aber auch kritisiert und weiterentwickelt hat. Außerdem stütze ich mich auf die Forschungstradition der Chicagoer Schule.

Die Methodologie des hypothesenprüfenden Verfahrens, wie sie vor allem von Popper entwickelt wurde und die sich zur dominanten Methodologie entwickelt hat, erhebt den Anspruch, gleichermaßen auf den Gegenstand der Naturwissenschaften wie auch der Sozialwissenschaften zugeschnitten zu sein. Dieser Anspruch auf eine „Einheitswissenschaft“ ist wesentliches Merkmal dieser Methodologie. Demgegenüber wurde vor allem von Alfred Schütz, aber auch von Karl Mannheim und – mit Bezug u.a. auf Schütz – pointiert auch von Habermas geltend gemacht, dass die Besonderheiten des Gegenstandsbereichs der Sozialwissenschaften bzw. die Besonderheiten, durch die die Beziehung der sozialwissenschaftlichen Theorie zu ihrem Gegenstand charakterisiert ist, eine Orientierung an der naturwissenschaftlichen Methodologie nicht zulassen.

Im Unterschied zu den naturwissenschaftlichen theoretischen Konstruktionen verbindet die sozialwissenschaftlichen Konstruktionen etwas Besonderes mit ihrem Gegenstandsbereich. Bei Alfred Schütz (1971, S. 6) heißt es dazu: „Die Tatsachen, Daten und Ereignisse, mit denen der Naturwissenschaftler umgehen muß, sind lediglich Tatsachen, Daten und Ereignisse innerhalb seines Beobachtungsfeldes; jedoch ‚bedeutet‘ dieses Feld den darin befindlichen Molekülen, Atomen und Elektronen gar nichts. Dem Sozialwissenschaftler liegen aber Tatsachen, Ereignisse und Daten einer völlig verschiedenen Struktur vor. Sein Beobachtungsfeld, die Sozialwelt, ist nicht ihrem Wesen nach ungegliedert. Sie hat eine besondere Sinn- und Relevanzstruktur für die in ihr lebenden, denkenden und handelnden Menschen. In verschiedenen Konstruktionen der alltäglichen Wirklichkeit haben sie diese Welt im voraus gegliedert und interpretiert, und es sind gedankliche Gegenstände dieser Art, die ihr Verhalten bestimmen, ihre Handlungsziele definieren und die Mittel zur Realisierung solcher Ziele vorschreiben – kurz: sie verhelfen den Menschen in ihrer natürlichen und soziokulturellen Umwelt ihr Auskommen zu finden und mit ihr ins Reine zu kommen. Die gedanklichen Gegenstände, die von Sozialwissenschaftlern gebildet werden, beziehen und gründen sich auf gedankliche Gegenstände, die im Verständnis des im Alltag unter seinen Mitmenschen lebenden Menschen gebildet werden. Die Konstruktionen, die der Sozialwissenschaftler benützt, sind daher sozusagen Konstruktionen zweiten Grades: Es sind Konstruktionen jener Konstruktionen, die im Sozialfeld von den Handelnden gebildet werden (…)“. Mit Bezug auf Alfred Schütz spricht Anthony Giddens (1984, S. 95) in diesem Zusammenhang auch von einer „doppelten Hermeneutik“ der sozialwissenschaftlichen Begriffsschemata.

Das Handeln derjenigen, die Gegenstand der Forschung sind – also das sog. Alltagshandeln – beruht auf Konstruktionen, d.h. auf Abstraktionen, Typenbildungen und auch auf Methoden. Wenn wir uns an die Experimente von Garfinkel erinnern, so wurde dort deutlich, dass Äußerungen indexikal sind, Indikatoren für Bedeutungsgehalte. Um diese zu erschließen, muss ich Interpretationsleistungen erbringen. Ich muss über ein Wissen verfügen und über Methoden der Interpretation (auch bereits im Alltag), die es mir ermöglichen, das Wissen um Handlungsmotive, Orientierungen, Rollenmuster etc. in der geeigneten Situation und gegenüber den geeigneten Personen „anzuwenden“.

Zu einer Methodologie und Erkenntnistheorie der „Kulturwissenschaften“, die davon ausgeht, dass uns im Alltag bereits Methoden gegeben sind, über die wir sozusagen intuitiv verfügen und die es zu rekonstruieren gilt, hat Karl Mannheim ganz wesentliche und bisher noch wenig erschlossene Beiträge geleistet. Zwar hat sich die Ethnomethodologie, die zu einem Teil in der Phänomenologischen Soziologie von Alfred Schütz verankert ist, auch durch Mannheim inspirieren lassen – vor allem durch dessen dokumentarische Methode der Interpretation –, allerdings ohne systematisch und tiefgreifender auf die Mannheimschen Gedanken einzugehen (vgl. dazu v.a. Kap. 3.2).

Die Besonderheit sozialwissenschaftlichen Denkens besteht also darin, dass sich nicht nur dieses Denken selbst aus Interpretationen, Typenbildungen, Konstruktionen zusammensetzt, sondern dass bereits der Gegenstand dieses Denkens, eben das soziale Handeln, das Alltagshandeln auf unterschiedlichen Ebenen durch sinnhafte Konstruktionen, durch Typenbildungen und Methoden vorstrukturiert ist. Und dies gilt nicht nur dann, wenn wir uns in Alltagstheorien über soziales Handeln verständigen, über dieses Handeln reflektieren, sondern es gilt dies auch für dieses Handeln selbst: Es ist typengeleitet, wissensgeleitet, entwurfsorientiert (vgl. dazu auch Berger/Luckmann 1969).

So haben wir es z.B., wenn ich mich morgens ins Auto setze, um zu meinem Arbeitsplatz zu fahren, mit Routinehandeln zu tun: Ich finde den Weg beinahe wie im Schlaf. Dennoch beruht dieses Handeln auf einem Entwurf. Der Weg ist in meinem Kopf hypothetisch vorgezeichnet. Wenn jemand verstehen will, was ich tue, reicht es nicht aus, dass er mich im Auto sitzen sieht; er muss auch meinen Entwurf, meinen Handlungsplan kennen bzw. muss er Annahmen über meinen Entwurf, meinen Plan machen, um das, was er beobachtet, zu verstehen.

Wenn der Forscher in jedem Fall auf den verstehenden Nachvollzug der Entwürfe derjenigen angewiesen ist, die Gegenstand der Forschung sind, so kann man sagen, dass das Alltagshandeln der äußerlichen, der bloßen Beobachtung unzugänglich ist: „Die Alltagserfahrung, die im Lichte von theoretischen Begriffen und mit Hilfe von Meßoperationen in wissenschaftliche Daten umgeformt werden kann, ist ihrerseits symbolisch strukturiert und bloßer Beobachtung unzugänglich“ (Habermas 1981, S. 162). Die Alltagserfahrung ist symbolisch strukturiert, besteht aus symbolischen Konstruktionen, auch bereits im Bereich des Routinehandelns, des vortheoretischen oder – wie es bei Mannheim heißt – atheoretischen, unreflektierten Handelns. Vom Standpunkt der wissenschaftlichen Konstruktion sind diejenigen des Alltags solche ersten Grades. Die in ihnen implizierten Methoden muss der Sozialwissenschaftler zunächst – ehe er selbst konstruiert und Methoden entwickelt – rekonstruieren.

Hierzu ist eben Voraussetzung, dass denjenigen, die Gegenstand der Forschung sind, Gelegenheit gegeben wird, ihre Konstruktionen und ihr kommunikatives Regelsystem zu entfalten. Dies ist die eine Bedeutung des Begriffs der Rekonstruktion, der rekonstruktiven Verfahren. Sie bezieht sich auf den Alltag derjenigen, die Gegenstand der Forschung sind.

Die andere Bedeutung ergibt sich dann, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass auch die Forschung, die Arbeit des Wissenschaftlers, ihre Alltagspraxis hat. Forschung vollzieht sich als Alltagshandeln des Wissenschaftlers. Aus der Beobachtung dieser Forschungspraxis heraus wird in zunehmendem Maße darauf hingewiesen, dass erkenntnistheoretischer und methodologischer Anspruch auf der einen Seite und Forschungspraxis auf der anderen Seite auseinander klaffen. Dies führt häufig auch zu einem Auseinanderklaffen von tatsächlicher Forschungspraxis und der Darstellung dieser Forschungspraxis, der Verfahrensweise in Veröffentlichungen wie auch z.B. gegenüber Forschungsförderern: „Die begrenzte Relevanz der wissenschaftstheoretischen Leitvorstellungen zeigt sich schon daran, daß die meisten praktizierenden Wissenschaftler kaum über ein klares wissenschaftstheoretisches Selbstverständnis verfügen, geschweige denn über eine Kenntnis konkurrierender und erkenntnistheoretischer Grundpositionen (…) Stattdessen wird in der Praxis mit Faustregeln von Objektivität gearbeitet, die erfahrungsgesättigt-indexikalisch sind (…) Die Einbindung der Laborarbeit in wissenschaftstheoretische Überprüfungsregeln und selbst der Bezug auf Objekttheorien (‚Stand der Forschung‘), erfolgt erst im Ergebnisbericht – eine Beobachtung, die auf eine ‚doppelte Produktionsweise‘ (…) wissenschaftlicher Erkenntnisse verweist. Denn ‚Forschung‘ und ‚Darstellung‘ folgen unterschiedlichen Rationalitätskriterien“ (Bonß/Hartmann 1985, S. 31).

Wenn wir uns die Alltagspraxis der Forschung ansehen, zeigt sich, dass trotz oder auch vielmehr gerade wegen der hier angesprochenen Abweichung von erkenntnislogischen Richtlinien Erkenntnisgewinne zu verzeichnen sind. Die Forschenden verfahren eher intuitiv, nutzen ihre intuitiven, nicht explizierten Alltagskompetenzen und verfeinern sie auf der Grundlage ihrer Forschungserfahrung.

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