Geblättert: „Reflexive Diversitätsforschung“ von Andrea D. Bührmann

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Reflexive Diversitätsforschung. Eine Einführung anhand eines Fallbeispiels

von Andrea D. Bührmann

 

Über das Buch

Diversität – einerseits Anlass zu kontroversen Diskussionen, andererseits eine Chance, über gesellschaftliche Teilhabe nachzudenken. „Reflexive Diversitätsforschung“ von Andrea D. Bührmann bietet eine grundlegende Einführung in die wichtigen Strömungen der Diversitätsforschung. Dabei werden zunächst zentrale Bestimmungsmomente der Forschungsperspektive theoretisch vorgestellt. Empirisch-praktisch wird das Beispiel der Diversitätsstrategie und deren Umsetzung an der University of California präsentiert. Diese Fallstudie veranschaulicht insbesondere die intersektionale Forschungsperspektive sowie das multi-level und multi-method Forschungsdesign der reflexiven Diversitätsforschung. Im Sinne eines reflexiven Konstruktivismus wird dabei das Forschen selbst als Praxis am Beispiel der University of California, Berkeley reflektiert.

Leseprobe: S. 71-77

 

2.2.1 Methodologisches Programm: Intersektionalität

Steven Vertovec (2007) hat mit seinem Begriff der ‚super-diversity‘ darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur die ethnische Zugehörigkeit, sondern auch noch andere Dimensionen, wie die Geschlechtszugehörigkeit, das Alter und deren Verschränkungen, aber eben auch institutionelle Regeln des Migrationsstatus und die damit verbundenen Rechtsstatus sowie die Integration in den Arbeitsmarkt und in lokale Gesellschaften bzw. Gemeinschaften, für unterschiedliche Migrationslagen relevant sein könnten. Ähnliche Überlegungen finden sich schon früher in der Geschlechterforschung. Auch hier wurde vor allem auf die Verschränkungen zwischen race, class und gender aufmerksam gemacht.83

Zur systematischen Erforschung dieser oder ähnlicher Verschränkungen wird seit einiger Zeit auch von manchen Diversitätsforschenden (vgl. etwa Nkomo 1992; Janssens/Steyaert 2003; Holvino 2010; Tatli 2010; Kaufmann 2015; 2016; Hearn/Louvrier 2015) auf das „facettenreiche Konzept“ (Ganz/ Hausotter 2019: 391) der Intersektionalität zurückgegriffen. In der reflexiven Diversitätsforschung wird das Konzept der Intersektionalität im Sinne einer methodologischen Heuristik aufgegriffen, um gerade nicht die Relevanz bestimmter Dimensionen vorauszusetzen, sondern deren Relevanzsetzung und die wirklichen, weil wirksamen Folgen dieser zu erforschen. Dabei werden Dimensionen der Diversität nicht mehr als ‚einzelne‘, sondern vielmehr als – aus forschungspragmatischen Gründen heraus zunächst – ‚vereinzelte‘ Dimensionen verstanden.84 In ähnlicher Weise betrachtet Knapp (2013) Intersektionalität nicht als eigenes Paradigma, sondern macht sich – wie etwa zuvor schon Floya Anthias und Nira Yuval-Davis (1992) sowie Patricia Hill Collins (2007) – dafür stark, Intersektionalität als „heuristisches Instrument“ zu verstehen, „das innerhalb aller Theoriekontexte in die Formulierung von Forschungsfragen eingreifen und komplexere Rahmungen für deren Interpretation anbieten könne“ (Knapp 2013: 345). Denn – so Knapp (2013: 346) weiter – „[d]ie intersektionelle Perspektive interveniert in die Struktur des überkommenen Dispositivs von Aufmerksamkeit, Ausblendung, Indifferenz und Delegation und die damit verbundenen Formen der wissenschaftlichen Arbeitsteilung. Darin liegt ihr innovatives Potential“.85 In diesem Sinne hat dann auch Uta Klein (2019: 1060) darauf aufmerksam gemacht, dass – mit Blick auf die Fragen, wie Prozesse der Kategorisierung verlaufen sowie wie Differenzkategorien konstruiert, verwendet und angeeignet werden –, die Diversitäts- von der Intersektionalitätsforschung lernen könnte. So sollten „die Diversity Studies die Diversifizierung zum Gegenstand haben und nicht (nur) die Differenz, die Identifikationen und nicht die Identitäten. Auch sind Benachteiligungen sowie Privilegierungen in den Blick zu nehmen, die mit Kategorisierungsprozessen erzeugt werden“.

Mit Blick auf die Formierung einer intersektionalen Heuristik können unterschiedliche Diskursstränge identifiziert werden. Sie werden im Folgenden in ihren wesentlichen Konturen skizziert.86 Ziel ist es, deutlich zu machen, dass eine Forschung über intersektionale Vermittlungen, die Intersektionalität als Interferenzen begreift, in besonderem Maße zur reflexiven Diversitätsforschung passt.

 

Intersektionen: Positivistisch imprägnierter Diskusstrang

Die Entstehung der Intersektionalitätsforschung wird in der Regel auf die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung zurückgeführt und knüpft an frühe Überlegungen aus dem Black Feminism an (vgl. Hill Collins 2007; Crenshaw 2019). Mitte der 1980er Jahre prägte die US-amerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw (1989) den Begriff Intersektionalität. Er bezeichnet die Verschränkung und damit das Zusammenwirken unterschiedlicher Dimensionen der Differenzierung:

„Consider an analogy to traffic in an intersection, coming and going in all four directions. Discrimination like traffic through an intersection may flow in one direction, and it may flow in another. If an accident happens in an intersection, it can be caused by cars traveling from any number of directions and, sometimes, from all of them. Similarly, if a Black woman is harmed because she is in the intersection, her injury could result from sex discrimination or race discrimination.“ (Crenshaw 1989: 149)

Ein zentrales Interesse der Intersektionalitätsforschung ist an diesem Punkt die Bekämpfung von Diskriminierungen (zuvor) diskriminierter Gruppen, ohne in einfache Identitätslogiken zurückzufallen (vgl. auch Chebout 2011: 48 ff.; Mercer et al. 2015: 441). Eine typische Fragestellung ist dann z.B., ob – und wenn ja, inwiefern – class, gender und race zusammenwirken? Dieses Zusammenwirken unterschiedlicher Dimensionen bzw. Kategorien wurde zwar auch quantitativ, jedoch vor allem mit qualitativen Methoden untersucht. Das Konzept Intersektionalität ist zunächst in der Geschlechterforschung intensiver rezipiert worden. In diesem Kontext ist mehr oder minder explizit auf Überlegungen aus der Kritischen Theorie, aber auch der sozialen Ungleichheitsforschung wie der Biographieforschung rekurriert worden. Dabei geht es bei einer solchermaßen positivistisch imprägnierten Intersektionalitätsforschung zumeist darum, zwischen den diskriminierten Angehörigen einer sozialen Gruppe weitere Gruppenzugehörigkeiten zu erforschen, ohne wiederum diese Diskriminierungserfahrungen ‚einfach‘ im Sinne einer doppelten oder dreifachen Diskriminierung aufzuaddieren.

Im Fokus dieses Diskursstranges der Intersektionalitätsforschung steht also der Kampf gegen Diskriminierungen: Dabei wird von einem Zusammenwirken unterschiedlicher Differenzen in Gestalt von miteinander vermittelten Achsen sozialer Ungleichheit ausgegangen. Das Interesse gilt vor allem der markierten Seite der Unterscheidung. Schließlich werden Diversitätsdimensionen bzw. Ungleichheitskategorien als positiv gegeben thematisiert.

 

Interdependenzen: konstruktivistisch orientierter Diskursstrang

In der Intersektionalitätsforschung wird dann ab Mitte der 1990er Jahre zunehmend die Metapher der Kreuzung hinterfragt. Es stehen nicht mehr so sehr ‚intrakategoriale‘ oder ‚interkategoriale‘ Fragstellungen im Fokus, sondern ‚anti-kategoriale‘ oder besser de-konstruktive (vgl. auch Mercer et al. 2015: 441; Bührmann 2009): Mit Blick auf mögliche verdinglichende Wirkungen identitätslogischer Konstruktionen von Differenzen plädieren Katharina Walgenbach und andere (2007) schon früh dafür, das Zusammenwirken verschiedener Dimensionen im Sinne von Interdependenzen zu verstehen. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Konzept der Intersektionalität darauf abziele, die Verschränkungen und Wechselwirkungen verschiedener Kategorien bzw. Dimensionen in nicht-essentialisierender und ungleichheitskritischer Weise in den Blick zu nehmen (vgl. etwa Walgenbach 2018: 40ff.). Darüber hinaus gehe es darum, die Wechselwirkungen mit Blick auf ihre Funktionen zu analysieren. Es gehe aber auch darum, die so entstehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse und deren Formierung und Transformierung in den Blick zu nehmen. Dimensionen der sozialen Differenzierung werden nicht mehr (nur) als gegeben, sondern nun auch als Effekt unterschiedlicher sozialer Praxen bzw. Praktiken betrachtet. Dabei bezieht sich eine kritische Intersektionalitätsforschung vor allem auf die bereits erwähnten Achsen der Ungleichheit. Unklar ist allerdings, ob weitere Ungleichheitsachsen – und wenn ja, welche – neben race, class und gender relevant werden sollten. Lynn Weber (2001) schlägt z.B. sexuality vor, während Gabriele Winker und Nina Degele (2009) Geschlecht und Sexualität in der Kategorie Heteronormativität aufgehen lassen.

Insgesamt stehen in diesem Diskursstrang nicht mehr nur die Aus-/Wirkungen der Verschränkungen je unterschiedlicher Differenzen im Fokus des Interesses. Vielmehr liegt jetzt der Fokus auf den Entstehungsbedingungen. Intersektionalität wird demnach als sozial bzw. gesellschaftlich hervorgebrachtes Phänomen begriffen.

 

Interferenzen: Performativ informierter Diskursstrang

Auch in Bezug auf das Konzept Intersektionalität kann – wenn man so will – ein ‚performative turn‘ konstatiert werden: Zum einen wenden sich Ahu Tatli und Mustafa Özbilgin (2012: 181) gegen die Idee, voreilig bestimmte oder ‚bloß‘ gesellschaftstheoretisch begründete Differenzierungsdimensionen ex ante zu setzen. Vielmehr bevorzugen sie im Anschluss an Bourdieu einen emischen Ansatz, „in which the salient categories of diversity are emergent rather than pre-determined, and they are empirically identified and locally defined according to their role in generating power, privilege, advantage, disadvantage, discrimination and inequality at work.“ Zum anderen wird auch hier vorgeschlagen, das Forschen als Praxis zu betrachten. Den Ausgangspunkt bilden Überlegungen von Donna Haraway zum Reflexionsbegriff, wie er in der optischen Physik verwendet wird. Haraway (2007, zitiert nach Barad 2013: 27) hegt dabei den Verdacht, „dass Reflexivität, wie Reflexion, bloß das gleiche woandershin verschiebt, und dabei Sorgen um Original und Kopie und die Suche nach dem Authentischen und wirklich Wirklichen aufwirft“. Stattdessen plädiert Haraway für den Diffraktionsbegriff. Denn „[a]nders als Reflexionen, verschieben Diffraktionen nicht das gleiche in mehr oder minder verzerrter Form woanders hin“(ebd.). Vielmehr könne Diffraktion „als eine Metapher für eine andere Art kritischen Bewußtseins“ (ebd.) dienen. Im Rekurs auf Haraways Überlegungen konzipiert Barad (2013) Diffraktion als methodologischen Ansatz und entwickelt die theoretische Perspektive eines agentiellen Realismus (vgl. auch Barad 2012), in dem Wissen und seine Produktion als wirkliche, weil wirksame Praxis begriffen werden:

„Der Punkt ist hier nicht bloß, die Beobachter*in wieder in die Welt zu holen (als ob die Welt ein Behälter wäre und wir bloß unsere Situiertheit in ihr anerkennen müssten), sondern die Tatsache zu verstehen und zu berücksichtigen, dass auch wir [- als Forschende -, Anm. der Verf.] Teil des differentiellen Werdens der Welt sind. Außerdem geht es nicht bloß darum, dass Wissenspraktiken materiale Konsequenzen haben, sondern dass Wissenspraktiken spezifische materielle Auseinandersetzungen sind, die an der (Re-)Konfigurierung von Welt teilhaben.“ (Barad 2013: 58)87

Diese Überlegungen machen Stephan Trinkaus und Susanne Völker für eine – ihrer Meinung nach – entscheidende Erweiterung der intersektionalen Perspektive fruchtbar. Dabei gehe es darum, „keine stabilen Orte in der Interferenz und insofern auch keine eindeutigen Wege oder Kreuzungen“ (Trinkaus/Völker 2013: 456) zu entdecken. Es sei davon auszugehen, dass Interferenzen88 nicht einfach zu entdecken wären, weil sie ‚da‘ seien, sondern vielmehr bedeutete dies, „von den großen, kategorialen Differenzen des Rassismus, Sexismus und Kapitalismus zu den kleinen, nichtlinearen und unbestimmten Differenzen überzugehen, in denen sich die Welt als soziale ereignet“ (ebd.: 456).

Mit der Perspektive des agentiellen Realismus stellt Barad die Unterscheidung zwischen Epistemologie und Ontologie in Frage und führt deshalb den Begriff der ‚intra-action‘ ein, der darauf verweist, dass Objekte (der Beobachtung) nicht außerhalb oder vor einer Interaktion ‚da-sind‘. Vielmehr gingen Objekte erst aus Intra-Aktionen hervor. Dabei bilden die Apparate – und wenn man so wollte, könnte man hier auch von Dispositiven auf der Mikro-Ebene sprechen89 – des Beobachtens die Bedingungen der Möglichkeit, z.B. von menschlichen Akteuren oder Aktanten zu sprechen. Genau diese Überlegungen werden im Forschungsstil der reflexiven Diversitätsforschung aufgegriffen und fruchtbar gemacht.

 

Zwischenfazit

Die hier formulierte vergleichende Re-Konstruktion macht klar, dass sich diverse Familienähnlichkeiten – im Sinne Ludwig Wittgensteins (1953) – zwischen den unterschiedlichen Diskurssträngen – sowohl mit Blick auf die Konzipierung von Diversität und Intersektionalität als auch deren Erforschung – beobachten lassen. Sie weisen zwar keine identischen, aber doch immerhin ähnliche Merkmale auf.

Viele Forschende fragen deshalb in pragmatischer Absicht – und wenn man so will: ganz im Sinne von Klein – nach dem möglichen theoretischen, methodologischen bzw. methodischen Nutzen des Konzepts Intersektionalität für die Erforschung von Diversität (vgl. Hanappi-Egger/Bendl 2015). Jeff Hearn und Jonna Louvrier (2015: 62) konstatieren etwa: „Diversity, diversity management (DM), and intersectionality are clearly interconnected: they intersect“. Auch Gertraude Krell (2014: 195) plädiert für eine „integrative Position“, wonach eine intersektionale Perspektive schon immer in der Diversitätsforschung enthalten gewesen sein solle. Denn – so führt Krell (2014: 199) weiter aus – die Diversitätsforschung hätte schon früh kategoriale Interdependenzen berücksichtigt. Klar scheint zu sein, dass Familienähnlichkeiten existieren, unklar ist aber (noch), welche und inwiefern diese berücksichtigt werden sollten (vgl. dazu auch Mercer et al. 2015: 442; Bührmann 2015b; 2015c). In diesem Sinne argumentieren unterschiedliche Forschende: Jeff Hearn und Jonna Louvrier (2015: 71) schlagen vor, sowohl externe als auch interne Prozesse der Intersektionalisierung in Bezug auf organisationale Trans-/Formierungen zu betrachten; Kaufmann (2015) will im Rahmen einer intersektionellen Diversitätsforschung ‚komplexe Ungleichheitsprogramme in ihren Wechselwirkungen‘ erforschen (vgl. in diesem Sinne auch Bendl/Eberherr 2015). Dabei stellt sie eine machtkritische Perspektive in den Vordergrund.

In der reflexiven Diversitätsforschung wird Intersektionalität insbesondere im Sinne von Interferenz als fruchtbare methodologische Heuristik aufgegriffen, um komplexe Konstellationen von Vielfalt zu erforschen. Es wird in ihr jedoch – anders als z.B. bei Knapp und anderen Vertreter*innen der Intersektionalitätsforschung – gerade nicht eine (gesellschaftstheoretisch begründete) Relevanz bestimmter Dimensionen bzw. Kategorien unterstellt, sondern sie interessiert sich – übrigens hier auch im Anschluss an Judith Butler (1991) – dafür, weshalb welche Dimensionen der Differenzierung von wem in welcher Weise mit Blick auf welche strategischen Ziele relevant (gemacht) und in welchen Auseinandersetzungen artikuliert werden. Dabei argumentiert die reflexive Diversitätsforschung entsprechend eines diffraktiven Lesens (Barad 2012: 12): Statt etwa unterschiedliche theoretische Perspektiven und Positionen als abgeschlossen zu begreifen, um sie miteinander zu kontrastieren oder gegeneinander zu profilieren, werden Verschränkungen und Bruchlinien, d.h. Interferenzen, zwischen diesen in den Blick genommen und theoretische Positionen als prinzipiell offen thematisiert (vgl. auch Hoppe/Lemke 2015). So geht es beispielsweise nicht mehr nur um gender, race, und class, sondern um die Prozesse der genderisation, racialisation und classicalisation.

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83 So zeigt etwa Ilse Lenz (2013), dass in Deutschland mittlerweile der Weg in Führungspositionen in fast gleicher Weise für Männer mit und ohne Migrationshintergrund offensteht, während Frauen unabhängig von einem Migrationshintergrund mehrheitlich ausgeschlossen bleiben. Frauen ohne Migrationshintergrund konnten von der allgemeinen Aufwärtsmobilität insbesondere in technischen und/oder wissenschaftlichen Berufen profitieren. „Parallel dazu aber findet anscheinend eine Konzentration vor allem ausländischer Frauen in ungelernte Hilfsarbeiten statt, so dass von einer parallelen Differenzierung und Polarisierung im Berufssystem nach Geschlecht und Migrationsstatus gesprochen werden kann“ (Lenz 2013: 98).

84 In ähnlicher Weise argumentiert auch Ann Garry (2011: 844). Sie betrachtet Intersektionalität als „framework or strategy for thinking about issues, a set of reminders to look at a wider range of oppressions and privileges to consider their mutual construction or at least their intermeshing“.

85 Zugleich wendet sich Knapp (2013: 344) dagegen, Diversity Management in Unternehmen und Diversity Policies – etwa in Hochschulen – als ‚unkritisch‘ abzutun.

86 Für einen systematischen Vergleich der Formierungsphasen von Diversitäts- und Intersektionalitätsforschung vgl. Bührmann 2020.

87 Barad (2012: 100) spricht an anderer Stelle in diesem Zusammenhang auch von einer „Onto-epistemo-logie“, wonach die Trennung zwischen Erkenntnistheorie und Ontologie einen bloßen „Nachhall der Metaphysik [darstelle,] die einen wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und nicht-Mensch, Subjekt und Objekt, Geist und Körper, Materie und Diskurs annimmt.“ Im Folgenden wird indes im Rahmen der reflexiven Diversitätsforschung genau jene Grenzziehung beobachtet.

88 Interferenzen bezeichnen dabei das „Bemühen, zu verstehen, welche Differenzen von Bedeutung sind, wie sie etwas ausmachen und für wen. Sie ist eine kritische Praxis des Engagements, keine distanzlernende Praxis des Reflektierens von Welten“ (Barad 2013: 57). Damit fragt man im Konzept der Interferenzen nach den fluiden Dynamiken zwischen und unter verschiedenen Dimensionen von Differenzen. In dieser Perspektive existieren dann keine stabilen Wege oder Intersektionen und auch keine Interdependenzen vorgängig, vielmehr sind diese – und zwar von uns Forschenden – erst fest-gestellt.

89 Vgl. dazu auch Trinkaus 2013: 173.

 

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