Geblättert: „Aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit. Eine praxistheoretische Studie zum Übergang in Unternehmensberatungen“ von Eva Heinrich

Aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit. Eine praxistheoretische Studie zum Übergang in Unternehmensberatungen

von Eva Heinrich

 

Über das Buch

Der Übergang aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit ist selten durch eine nahtlose Rückkehr an den Arbeitsplatz gekennzeichnet. Der berufliche Wiedereinstieg in Unternehmensberatungen stellt allerdings einen besonders sensiblen Prozess des (Neu-)Austarierens des Verhältnisses zwischen den Lebensdomänen dar. Eben dieser Prozess wird in der vorliegenden Studie näher in Augenschein genommen und gefragt, wie der fokussierte Übergang im organisationalen Kontext von Unternehmensberatungen durch Praktiken hergestellt, gerahmt und vollzogen wird.

Leseprobe: S. 31-37

 

2.4 Forschungsstand rund um den Übergang aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit

Möchte man sich dem erwerbsbezogenen Wiedereintritt im Anschluss an die Elternzeit zunächst über die Rezeption bestehender Forschung weiter nähern, so wird man unter dem Label der Übergangsforschung nur sehr begrenzt fündig. Mit dem expliziten Fokus auf den Übergang kann lediglich ein aktuelles Projekt ausgemacht werden, welches das Zusammenspiel von Elternschaft und Erwerbstätigkeit in Bezug auf Übergangswahrscheinlichkeiten von Eltern in Augenschein nimmt. Das bis 2019 laufende Projekt Family Friendly Firms and Careers unter der Leitung von Grunow analysiert den Einfluss familienfreundlicher Maßnahmen in Betrieben auf das Arbeitsmarktverhalten von Müttern und Vätern. Unter Rückgriff auf verknüpfte Betriebs- und Personaldaten wer-den Wechselwirkungen zwischen betrieblichen familienfreundlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, staatlich gesteuerten Rahmenbedingungen sowie regionalen Kontextfaktoren auf individuelle Arbeitsmarktentscheidungen analysiert. Das Projekt geht den zentralen Forschungsfragen nach, unter welchen Bedingungen Unternehmen betriebliche familienfreundliche Maßnahmen einführen und welche Veränderungen sich im Laufe der Zeit durch die zunehmende Bedeutung des Themas in der Gesellschaft zeigen. Darüber hinaus wird erforscht, welche Auswirkungen betriebliche familienfreundliche Maßnahmen auf das Arbeitsmarktverhalten der Belegschaft, insbesondere der Mütter und Väter, in unterschiedlichen betrieblichen und regionalen Kontexten und unter verschiedenen familienpolitischen Rahmenbedingungen haben. In Bezug auf die vorliegende Arbeit scheint das Projekt von besonderer Bedeutung, da hier eine quantitative Makroperspektive auf das in dieser Arbeit qualitativ auf Meso- und Mikroebene bearbeitete Thema geboten wird.

Weitet man in Anbetracht der im Zweig der Übergangsforschung angesiedelten Projekte zum Übergang aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit den Radius potenzieller wissenschaftlicher Anschlussmöglichkeiten ein wenig aus, lässt sich einiges finden, das in enger Verbindung zum fokussierten Gegenstand steht.

So setzt der Übergang aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit zu-nächst den äußerst weitreichenden Übergang in die Elternschaft voraus und schließt an diesen an. Dem widmen sich Reichle und Montada (1999) in ihrer Längsschnittstudie, in der sie 190 erstmalige Eltern in Bezug auf deren kognitive, emotionale und aktionale Reaktionen auf die Lebensveränderung zu vier Messzeitpunkten erforschten. Im Zuge dessen wurden Zusammenhänge genannter Reaktionen mit der Partnerschaftszufriedenheit, dem Belastungsempfinden, kindlichen Charakteristiken, Partnerschaftsbestand und psychosomatischen Beschwerden untersucht. Fthenakis, Kalicki und Peitz (2002) wiederum fokussieren sich in ihrer LBS-Familien-Studie auf Anpassungsleistungen an das Leben mit einem Kind sowie die Bewältigung der elterlichen Verantwortung. Besondere Aufmerksamkeit kommt hierbei der Bedeutung der erstmali-gen Geburt, der Bewältigung der erstmaligen Elternschaft als einschneidendem Lebensereignis sowie der damit einhergehenden Veränderung der Partnerschaftsentwicklung zu. Durch die auf 177 Eltern ausgedehnte Längsschnittstudie identifizieren Fthenakis, Kalicki und Peitz Implikationen zur psychologischen Prävention und Intervention im Übergang zur Elternschaft (Fthenakis/Kalicki/Peitz 2002: 50). Rose und Seehaus (2015) wiederum nehmen Geschlechterpraxen in der Übergangspassage von Schwangerschaft, Geburt und früher Elternschaft in den Blick. Sie beschäftigen sich mit normativen und praktischen Entwicklungen der Elternschaftskultur und stellen dabei Geschlechterarrangements in den Mittelpunkt. Auch Dechant, Rost und Schulz (2014) beschäftigen sich mit Geschlechterpraxen beim Übergang zur Elternschaft und fokussieren sich dabei in einer qualitativen Längsschnittstudie mit 14 deutschen Paaren auf Bedingungsszenarien der Arbeitsteilung. Sie analysieren die Arbeitsteilung nach der Erstgeburt und stellen fest, dass meist Frauen die Phase der Erwerbsarbeit unterbrechen oder reduzieren, während Männer tendenziell in Vollzeit erwerbstätig bleiben. Im Zuge dessen entfalle ein größerer Anteil der Hausarbeit sowie auch der Kindesbetreuung auf die Frauen. Bemerkenswert erscheint auch der unterschiedliche zeitliche Invest von Männern und Frauen auf verschiedene Kinderbetreuungsbereiche. Zusammenfassend stellen Dechant und Schulz (2013) fest, dass die geschlechterspezifische Aufteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit maßgeblich durch den Übergang in die Elternschaft beeinflusst wird. Auch Grunow und Evertsson (2016) analysieren Veränderungen der Arbeitsteilungen von Frauen und Männern beim Übergang zur Elternschaft und realisieren dies erstmals in Form einer international vergleichenden, qualitativen Studie mit rund 334 künftigen Eltern in acht europäischen Ländern. Ftenakis und Minsel (2002) beschäftigen sich mit der Rolle des Vaters in der Familie und differenzieren diese anhand der Unterscheidung in verschiedene Stadien weiter aus. So analysieren sie die Bedeutung von Vaterschaft beim Übergang zur Elternschaft, aber auch in Familien mit Schulanfängern und Jugendlichen. Auch Kapfhammer und Mayer

(1996) erforschen den Übergang in die Elternschaft und legen hierbei ein besonderes Augenmerk auf psychologische und psychodynamische Aspekte des Übergangs zur Vaterschaft. Du Bois-Reymond (2013) wiederum beschäftigt sich mit Unterschieden im Elternwerden und vergleicht im Zuge dessen die Gegenwartsgesellschaft mit vorangegangenen Generationen. Sie konstatiert, dass Elternschaft zunehmend Planung sowie auch komplizierte Aushandlungs-prozesse erfordere, bei denen es gelte, subjektive Wünsche mit objektiven Gegebenheiten wie z.B. der Berufsausrichtung und familienpolitischen Leistungen in Einklang zu bringen (Du Bois-Reymond 2013: 311). Bensel (2005) bringt mit seiner Arbeit zum Übergang zur Elternschaft in westlichen und traditionalen Kulturen noch eine ganz andere Perspektive in die Betrachtung mit ein und arbeitet die Bedeutung verschiedenster kultureller Rituale rund um die Elternschaft heraus. Er beschreibt im Zuge dessen dedizierte Rituale des Mut-ter- sowie Vaterwerdens. Als ein Werk besonderer Reichweite, sowohl im öffentlichen als auch im wissenschaftlichen Diskurs kann Gloger-Tippelts (1988) Phasenmodell des Übergangs zur Elternschaft betrachtet werden. Gloger-Tippelt betrachtet den Übergang zur Elternschaft als sukzessiven Verarbeitungsprozess, der durch idealtypische Phasen in seinen prozesshaften Grundzügen veranschaulicht werden kann. Als erste Phase, die bis zur 12. Schwangerschaftswoche geht, beschreibt sie die Verunsicherungsphase, die je nach Kinderwunsch und -planung freudige oder besorgte Verunsicherung aus-lösen kann (Petzold 2007: 2). Die zweite Phase, die von der 12. bis zur 20. Schwangerschaftswoche geht, bezeichnet Gloger-Tippelt (1988) als Anpassungsphase. Diese sei durch die kognitive und emotionale Anpassung und da-mit verbundene wachsende Akzeptanz der Schwangerschaft gekennzeichnet (Petzold 2007: 3). Die daran anschließende dritte Phase, von der 20. bis zur 32. Schwangerschaftswoche, stellt die Konkretisierungsphase dar. In dieser werde die Verarbeitung vertieft und Kindesbewegungen seien erstmals zu registrieren (Petzold 2007: 3). Die vierte Phase, von der 32. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt, bezeichnet Gloger-Tippelt (1988) als Phase der Antizipation und Vorbereitung auf Geburt und Kind. Diese Phase sei durch einen Wandel der Zeitperspektive charakterisiert, indem sich die Eltern davon lösen, sich an der verstrichenen Schwangerschaftszeit zu orientieren und stattdessen die verbleibende Zeit bis zur Geburt als Maßstab nehmen (Petzold 2007: 3). Die fünfte Phase stellt die Geburtsphase dar und beschreibt den Kulminations- und Wendepunkt für die Familienentwicklung (Petzold 2007: 3), die nicht nur in biologischer, sondern auch in sozialer Hinsicht besonders bedeutsam scheint. Die daran anschließende sechste Phase, die Erschöpfungsphase trotz erstem Glück über das Kind, zieht sich bis zum zweiten Lebensmonat des Neugeborenen (Petzold 2007: 3). Neben der physischen Erschöpfung sowie der drastischen Veränderung des Hormonhaushalts der Mutter ist die psychische und physische Anpassung auf einen vom Kind diktierten Tagesablauf eine der Haupt-herausforderungen. Die siebte Phase geht vom zweiten bis sechsten Lebens-monat des Neugeborenen und wird als Phase der Herausforderung und Um-stellung bezeichnet. Wenngleich durch erste Entwicklungsschritte des Kindes die zunehmende Gewöhnung an die Elternrolle gelingt, sinkt die Zufriedenheit mit der Partnerschaft in dieser Zeit bei Erst-Eltern rapide (Petzold 2007: 3f). Die achte und letzte Phase nach Gloger-Tippelt (1988), vom 6. bis 12. Lebens-monat des Neugeborenen, stellt die Gewöhnungsphase dar. Diese wird als Zeit der relativen Entspannung und Sicherheit betrachtet, in der sich erste routine-mäßige Verhaltensweisen gegenüber dem Kind entwickeln (Petzold 2007: 4). Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass Elternwerden im Kontext der Übergangsforschung aus verschiedensten Blickwinkeln mit unterschiedlichen Fokussierungen in vielen Bereichen tiefgehend erforscht scheint. Obwohl die veränderte Lebenssituation durch die (ggf. erneute) Elternschaft umfangreiche Anpassungsleistungen erfordert, denen durch das Wahrnehmen einer Eltern-zeit gezielt Raum geboten wird, so scheinen diese doch durch die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit erneut erodiert zu werden. Während für Mütter der Übergang in die Elternschaft mit dem Mutterschutz einhergeht und oftmals unmittelbar in den Übergang in die Elternzeit mündet, so scheint für Väter der Übergang in die Elternschaft deutlich seltener derart eng an den Übergang in die Elternzeit verknüpft. Somit ist davon auszugehen, dass neben einer individuell unterschiedlichen auch eine geschlechterspezifische Verschiedenheit in der Parallelität mehrerer Übergänge gegeben ist. Im Hinblick darauf bietet da-her das idealtypische Phasenmodell des Übergangs zur Elternschaft von Gloger-Tippelt (1988) wertvolle Anhaltspunkte, um die Lage der Elternzeit, den Zeitpunkt des Wiedereintritts und damit den Ausgangspunkt des fokussierten Übergangs in seiner Parallelität zum Übergang in die Elternschaft einzuordnen.

Ein oftmals parallel zum beruflichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit verlaufender Übergang scheint der des Kindes von einer vornehmlich familialen Betreuung hin zur Betreuung in einer Kindertagesstätte, Krippe, Kindergarten oder sonstigen außerfamilialen Betreuungsinstitution zu sein. Dabei liegt die Annahme nahe, dass ebendieser Übergang des Kindes eng mit dem des Elternteils verknüpft ist, indem das Gelingen des kindesbezogenen Über-gangs mehr oder minder zur Voraussetzung der Realisierung des elterlichen Übergangs zurück in die Erwerbstätigkeit wird. Wirft man daher einen näheren Blick auf die Erforschung des Übergangs in eine Betreuungseinrichtung, so kann festgestellt werden, dass dieser bislang insbesondere in Bezug auf die Anpassungsleistung des Kindes beforscht und in seiner Bedeutung für weitere Übergänge des Kindes untersucht wurde. Bensel (2010) konzentriert sich in seinem Werk Von der Familie in die Krippe. Der erste große Übergang insbesondere auf die Bedeutung der individuellen vorangegangenen Lebensgeschichte und die bestehenden Erkenntnisse von Kindern, die diesen bei der Bewältigung ihres Übergangs in die Krippe als Referenz zur Verfügung stehen.

Bensel arbeitet zwei mögliche Wege der Bewältigung heraus und unterscheidet zwischen der Möglichkeit des Übergangs als Entwicklungsstimulus und der des Übergangs als Minitrauma (2010: 16). Weiterführend beschäftigt er sich mit den Auswirkungen dieser potenziellen Erfahrungen für die Betrachtung und Bewältigung weiterer Übergänge. Auch Beelmann (2013) thematisiert normative Übergänge im Kindesalter und beschäftigt sich hierbei unter anderem mit Anpassungsprozessen beim Eintritt in den Kindergarten. Auf Basis einer theoriegeleiteten empirischen Längsschnittstudie mit insgesamt 180 Kindern, deren Eltern und relevanten Pädagogen analysiert er übergangsspezifische Veränderungen der äußeren Lebenssituation, damit einhergehende Herausforderungen und Belastungen sowie auch die kindlichen Anpassungs- und Entwicklungsprozesse. In seiner differenzierten Analyse richtet Beelmann (2013) seine Aufmerksamkeit bezüglich des Adaptionsverhaltens des Kindes sowohl auf den familialen als auch den Kontext in der pädagogischen Institution. Auf diese Untersuchung aufbauend, identifiziert er im Sinne von Risiko- bzw. Schutzfaktoren spezifische personale und soziale Faktoren, die den Adaptionsprozess bedeutsam stabilisieren oder destabilisieren. Laewen, Andres und Hédervári (2011) entwickeln in ihrem Werk Die ersten Tage. Ein Modell zur Eingewöhnung in die Krippe und Tagespflege das Berliner Eingewöhnungs-modell nach Infans. Obgleich es auch hierbei um die aktive Anpassungsleistung von Kindern am Übergang, der sogenannten Eingewöhnungsphase in die Kita geht, so wird diese als gemeinsamer Prozess in Zusammenarbeit mit Eltern und pädagogischem Personal der Kita betrachtet. Auch Beller (2002) beschäftigt sich mit der Eingewöhnung in die Krippe und beschreibt ein Modell zur Unterstützung der aktiven Auseinandersetzung aller Beteiligten mit dem Übergang und dem damit zusammenhängenden Veränderungsstress. Er legt seinen Fokus hierbei weniger isoliert auf das Kind, sondern betont die Relevanz der Unterstützung aller an der Eingewöhnung beteiligten Personen. Niesel und Griebel (2013) wiederum sehen vor dem Hintergrund zunehmender Heterogenität von Kindern und Familien neue Herausforderungen für die Übergangsgestaltung aus der Familie in die Kindertageseinrichtung. In ihrem IFP-Transitionsmodell bündeln und beschreiben Niesel und Griebel (2013) Anforderungsprofile für die Entwicklungsaufgabe von Kindern und Eltern. Sie betrachten das Modell als Basis für die Identifikation individueller Unterstützungsbedarfe und beschreiben dessen Eignung zur Ableitung pädagogischer Ansätze zur Übergangsgestaltung als ko-konstruktives Zusammenwirken aller Beteiligten. In ihrem Werk aus 2015 plädieren Niesel und Griebel für die Stärkenorientierung am Kind und betonen deren Relevanz, um das Bild der Abhängigkeit und Bedürftigkeit junger Kinder zu relativieren. Im Zuge dessen verstehen Niesel und Griebel (2015) den Übergang des Kindes in eine Betreuungseinrichtung nicht ausschließlich als Entwicklungsaufgabe des Kindes, sondern als durch verschiedene Akteure wie Kind, Eltern und pädagogische Fachkräfte ko-konstruierten und aktiv gestaltbaren Prozess. Bilanzierend kann festgehalten werden, dass der Übergang von Kindern aus der Familie in eine Betreuungsstätte sowohl Chancen als auch Risiken für diese bedeutet, jedoch aber in jedem Fall einen Anpassungsprozess darstellt. Dieser kann nicht isoliert von der familialen Konstellation und damit den Eltern betrachtet werden, da diese eine ko-konstruktive Funktion in der Gestaltung und Bewältigung des Übergangs für das Kind einnehmen. Da die Betreuung von Kindern bei der Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit oftmals eine notwendige Voraussetzung darstellt, scheint auch diese Thematik für den in dieser Arbeit fokussierten Übergang aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit relevant. Es wird angenommen, dass sich zumindest für manche Personen die Eingewöhnung in eine Kinderbetreuungseinrichtung mit dem bevorstehenden eigenen Übergang zurück in die Erwerbstätigkeit überschneidet und der Übergangsprozess dadurch beeinflusst wird.

Sucht man unter dem Label der Übergangsforschung weiterhin nach für den fokussierten Übergang relevanten Forschungsbezügen, so wird man eben-falls im Feld der Untersuchungen von Übergängen zurück in die Erwerbstätigkeit fündig. Dabei scheinen auf Basis der Publikationsanzahl insbesondere zwei Schwerpunkte in der bisherigen Forschung von besonderem Interesse gewesen zu sein: die Erforschung vom Übergang aus der Arbeitslosigkeit zurück ins Erwerbsleben, dem sich unter anderem Brixy, Gilberg, Hess und Schröder (2002) widmen, sowie die Erforschung des Übergangs zurück in die Erwerbs-tätigkeit von Frauen. Pfau-Effinger und Geissler (1992) wenden sich der Analyse institutioneller und sozio-kultureller Kontextbedingungen der Entscheidung verheirateter Frauen für Teilzeitarbeit zu und Lauterbach, Huinink und Becker (1994) widmen sich institutionellen Bedingungen weiblicher Arbeit in Beruf und Familie. Sie sprechen sich gegen die Diskriminierung nicht leistungsbezogener Eigenschaften wie Geschlecht auf funktionierenden Märken aus und analysiert unter Bezug auf politische Gegenstrategien aus haushalts-ökonomischer, finanzpolitischer, vertragstheoretischer und evolutionsbiologischer Perspektive, wie die Ökonomie Verwerfungen am Arbeitsmarkt und in der Familie bewertet. In einem weiteren Werk beschreibt Lauterbach (1994) Berufsverläufe von Frauen aus drei Geburtskohorten in Bezug auf Erwerbsbeteiligung, Unterbrechung und Wiedereintritt. Auch Krüger und Born (2011) thematisieren in ihrem Werk Individualisierung und Verflechtung. Geschlecht und Generation im deutschen Lebenslaufregime. Statuspassagen und Lebens-lauf die Reproduktion von Ungleichheiten auf Basis geschlechterspezifischer Unterschiede in Bezug auf Übergänge zurück in die Erwerbstätigkeit. Es er-scheint bemerkenswert, dass bei Analysen zum Rückübergang in die Erwerbs-tätigkeit weder Ausgangs- oder Ankunftspositionen, noch der prozessuale Ab-lauf oder gar Unterstützungsmöglichkeiten von Interesse zu sein scheinen, sondern eher Gründe für unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zur initialen Herstellung des Übergangs.

Ein weiterer Strang der Übergangsforschung wiederum fokussiert Über-gänge innerhalb der Erwerbstätigkeit. So widmen sich Ebbers und Langanka (2013) innerbetrieblichen Übergängen und verstehen diese als hierarchischen Auf- oder Abstieg sowie auch als fachqualifikationsbezogene Veränderung auf horizontaler Ebene. Dabei referieren Ebbers und Langanka die Auflösung tradierter Strukturen in Unternehmen und betrachten die daraus resultierende er-höhte Flexibilität und Vielschichtigkeit als Basis für die Wandlung innerbetrieblicher Übergänge. Sie hinterfragen klassische Modellierungen wie Karriereleitern und diskutieren mit einem Fokus auf Arbeitnehmern die Einfluss-größen des Veränderungsprozesses betrieblicher Übergänge. Auch dies scheint im Kontext des in dieser Arbeit beleuchteten Übergangs zurück in die Erwerbs-tätigkeit nicht irrelevant, zumal eine Verknüpfung dieser mit parallel einher-gehenden innerbetrieblichen Übergängen – vermutlich insbesondere mit Veränderungen auf horizontaler Ebene oder auch dem hierarchischen Abstieg – nicht vollkommen unrealistisch erscheint.

Mit Rückblick auf den bisherigen Forschungsstand rund um den Übergang aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit kann festgehalten werden, dass mit besonderem Fokus auf den Übergangsprozess relativ wenig direkte Anschlussmöglichkeiten für das vorliegende Projekt gegeben sind. Erweitert man den Radius jedoch auf vorangegangene (Übergang in die Elternschaft), parallele (Übergang des Kindes in eine Betreuungseinrichtung) sowie auch ähnliche Übergänge (zurück in die Erwerbstätigkeit allgemein und innerbetrieblich), so lassen sich teilweise Anknüpfungspunkte aufdecken, die für die weitere Untersuchung des im vorliegenden fokussierten Übergangs von Be-deutung sein könnten.

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3D Cover Heinrich Elternzeit ErwerbstätigkeitEva Heinrich: Aus der Elternzeit zurück in die Erwerbstätigkeit. Eine praxistheoretische Studie zum Übergang in Unternehmensberatungen

Reflexive Übergangsforschung – Doing Transitions, Band 7

 

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