Father Michael Lapsley – eine kleine Deutschlandreise

Begonnen hatte diese Reise im Jahr 2006, als ich das Buch von Prof. Pumla Gobodo-Madikizela „A Human Being Died That Night“ ins Deutsche übersetzte („Das Erbe der Apartheid“). Dort begegnete mir in einer Fußnote Father Michael Lapsley. Jahre später – im Dezember 2012 – begegnete er mir persönlich: Wir trafen uns auf einer Tagung, ausgerichtet von Pumla Gobodo-Madikizela. Dort erzählte mir Michael, dass er kürzlich seine Biografie veröffentlicht habe – in den USA und in Südafrika, natürlich auf Englisch. Ob er sie auch auf Deutsch veröffentlichen wolle, fragte ich. Ja, eine Übersetzung sei in einem Luxemburgischen Verlagshaus geplant. Und dann sagte ich die entscheidenden Worte: „Sag Bescheid, wenn ich etwas tun kann!“

Sie sagten Bescheid und ich konnte etwas tun…  Soeben ist die Biografie von Father Michael Lapsley („Mit den Narben der Apartheid„) auf Deutsch bei uns erschienen und vom 10. bis 13. März fuhr ich mit ihm und seinem Begleiter Thandikaya Ncosani durch einen kleinen Teil der Republik: von Berlin über Hannover und Hamburg nach Köln. Am 17.3. gab es ein kurzes Wiedersehen in Luxemburg.

Wo auch immer wir hinkamen, mit Father Michael bleiben Gespräche nicht höflich an der Oberfläche. Es dauert wenige Sekunden und die Menschen öffnen sich. Da bildet auch seine Exzellenz, der Botschafter der Südafrikanischen Republik in Berlin, Makhenkesi Arnold Stofile, keine Ausnahme, der im Südafrika der Apartheid Folter und Einzelhaft erdulden musste. Er schreibt sehr eindringlich über diese Qualen in seinem Kommentar zu Michael Lapsleys Buch. Und auch in seiner Rede spricht er von den Albträumen, die manch einen bis ans Lebensende peinigen.

Oft, sagt Michael, sprechen die Menschen von sich selbst, wenn sie von ihm oder seinem Buch sprechen. In vielen Rezensionen sei ihm dieses Phänomen begegnet. Er begrüßt dies. Schließlich ist seine Mission die Arbeit mit traumatisierten Menschen. Dies hat ihn dazu bewegt, im Jahre 1998 seine eigene Einrichtung zu gründen: das Institute for Healing of Memories (IHOM) mit Sitz in Südafrika und den USA. Seither fliegt er um die Welt, hält Workshops ab – auf allen Kontinenten, mit Menschen, die sehr unterschiedliche Traumata erlitten haben. Und jedes Exemplar dieses Buches, sagt er halb im Scherz, sei ein kleiner Mitarbeiter von IHOM.Michael Lapsley, Roger Molitor und Barbara Budrich in Luxemburg 17.3.2014

Im Anschluss an die vier gemeinsamen Buchpräsentationen in Deutschland reisten Michael und Kaya weiter nach Luxemburg. Dort ist Michael schon lang bekannt und entsprechend gefragt: Er besucht Schulen, ein Hospiz, hält Workshops ab und Gottestdienste. Er ist mit der Britischen Botschafterin in Luxemburg befreundet – Alice Walpole, verwandt mit dem ersten Britischen Premieminister Sir Robert Walpole. Die dortige Buchpräsentation wird von einem Mitglied des Staatsrats moderiert, Roger Molitor. Der Erzbischof von Luxemburg Jean-Claude Hollerich übernimmt die Begrüßungsansprache: Ich finde, in Luxemburg wird Father Michael die Ehre zuteil, die ihm für seine großartige Arbeit gebührt.

Ende März präsentiert er unser Buch in der Schweiz – in Bern und Basel –, dann reist er weiter nach Kroatien, Bosnien und Serbien, um die serbokroatische Ausgabe seines Buches vorzustellen. Mitte April ist er für zwei Wochen (und einige Workshops) in Südafrika, bevor er die Koffer packt, um in die USA zu reisen.

Für ihn ist unsere Begegnung vermutlich kaum mehr als eine Fußnote in seinem bewegten Leben. Mir aber geht es wie den jungen Leuten in der Comenius Schule in Pinneberg, die wir gemeinsam besucht haben: Ich werde diese Tage nicht vergessen.

 

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