Wie ein Exposé bei der Promotionsplanung helfen kann – Gastbeitrag von Jutta Wergen

Unsere Autorin Dr. Jutta Wergen fragt, was ein gutes Exposé kann und gibt einen Ausblick auf unsere Publishing Insights am Mittwoch, 13. Juli, „Das Exposé als Kompass für die Dissertation“.

 

Ein Exposé für die Promotion ist eine hohe Anforderung bei der Promotionsvorbereitung. Das betrifft nicht nur die Gestaltung eines Exposés, sondern auch die Inhalte und den Zeitplan, der in jedem Exposé enthalten sein soll.
Wer ein Exposé schreiben möchte, braucht einen Überblick über das Thema und daher macht es Sinn, sich zunächst diesen Überblick zu schaffen, bevor ein Exposé verfasst wird. Das ist aber oft zeitintensiv und birgt viele Unsicherheiten.

 

Welche Funktion hat ein Exposé?

So sehen es jedenfalls die meisten Promotionsordnungen vor. Ein Exposé wird zunehmend auch zur Bewerbung auf eine Stelle als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in oder für ein Graduiertenkolleg benötigt. Sicher wird ein Exposé zur Bewerbung auf ein Stipendium gebraucht.

Auch wenn kein Exposé verlangt wird, ist ein Exposé empfehlenswert, denn es ist für die Konzeption und für die Umsetzung einer Dissertation hilfreich.
Einerseits gibt ein Exposé Orientierung und Sicherheit über die Inhalte der Dissertation zwischen Promotionsbetreuung und Promovierend*in. Andererseits können viele Hürden, die ein Forschungsprozess bereithält, bereits vorher erkannt und in der Planung berücksichtigt werden.

 

Was ist ein Dissertationsexposé?

Das Exposé ist ein Projektplan, mit dem ein Forschungsprojekt im Rahmen einer Dissertation geplant wird. Es zeigt die wissenschaftliche Relevanz, das Promotionsthemas und die Kompetenz des oder der Promovierenden, dieses Thema in der Promotion erfolgreich zu bearbeiten. Das Exposé sagt also aus, ob und welchen wissenschaftlichen Ertrag das geplante Promotionsprojekt bringen wird.

Promovierende zeigen mit ihrem Exposé also, dass sie ein wissenschaftlich relevantes Thema in der angemessenen Qualität in der zur Verfügung stehenden Zeit und mit den notwendigen wissenschaftlichen Methoden, Theorien und Techniken im Rahmen einer Dissertation bearbeiten können. Ein Exposé verdeutlicht auch die Notwendigkeit des angestrebten wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns sowie den Forschungsablauf und die Methoden, die ein Forschungsprozess beinhaltet, um diesen Erkenntnisgewinn zu erlangen.

 

Welche Inhalte hat ein Exposé?

Die Inhalte eines Promotionsexposés hängen davon ab, ob und welche Vorschriften es zum Verfassen eines Exposés der jeweiligen Hochschule, der Fakultät, des Instituts, des Lehrstuhls oder der Promotionsbetreuung gibt.
Vor allem wenn ein Exposé für ein Stipendium verfasst werden muss, ist es wichtig, die Vorgaben beispielsweise die der Begabtenförderwerke genauestens einzuhalten. Hier ist also eine gute Recherche die Voraussetzung.
Gerade Exposés für Stipendien müssen nicht nur eine herausragende Qualität vorweisen, sondern auch unbedingt alle formalen Vorgaben erfüllen.
Sollte es keine Vorgaben für das Exposé geben, können sich die Schreibenden selbst überlegen, wie sie ihr Exposé zielführend gliedern.

Hier einige Vorschläge, welche Inhalte ein Promotionsexposé zu einem guten Exposé machen. Das Exposé muss einen Überblick über das gesamte Forschungsprojekt geben und verdeutlichen, dass die Wissenschaft dieses Promotionsprojekt braucht.

 

Mögliche Inhalte des Exposés in den Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften

  • Eine kurze Zusammenfassung, ein Abstract, worum es in Deiner Promotion gehen wird.
  • Eine Systematisierung des zur Fragestellung führenden Forschungsstands.
  • Eine theoretische Einbettung der Forschung
  • Eine Fragestellung, die sich aus der Forschungslücke vorhandener Forschung ergibt.
  • Die geplanten Erhebungs- und Auswertungsmethoden, mit denen die Fragestellung beantwortet werden kann.
  • Weitere Einzelheiten zum methodischen Vorgehen, beispielsweise die Auswahl der Untersuchungsgruppe bzw. Untersuchungsgegenstände
  • Ein Arbeit- und Zeitplan, der sowohl geleistete Vorarbeiten aufzeigt sowie die weiteren Schritte im Forschungsprozess.

 

Wie gehe ich vor, wenn ich ein Exposé verfassen möchte

Der Forschungsstand muss recherchiert, gelesen, ausgewertet, ausgewählt und systematisiert werden. Dazu muss ein Überblick über vorhandene Forschung erstellt werden. Dazu gehören alle Studien im jeweiligen Forschungsfeld, weitere Studien des Fachs der jeweiligen Teildisziplin. Um ein Forschungsfeld abzudecken, müssen möglicherweise auch Studien über das Fach hinaus gesichtet werden.

Die vorhandene Forschung soll sinnvoll systematisiert werden, beispielsweise chronologisch oder nach Schwerpunkten, nach Theorien, Untersuchungsgegenständen oder Untersuchungsgruppen oder nach bereits vorhandenen Ergebnissen.

Die Fragestellung wird auf der Basis des Forschungsstands entwickelt und zielt darauf ab, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Darum müssen vorher erst alle vorhandenen Ergebnisse einbezogen werden, um die Forschungslücke zu entdecken und zu begründen.

Geeignete und passende Forschungsmethoden zur Beantwortung der Forschungsfrage müssen ausgewählt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass sich die Methoden an der Beantwortung der Fragestellung orientieren.

Ein wichtiger Schritt zum fertigen Promotionsexposé ist die Recherche der Inhalte und der formalen Vorgaben.

Der Zeitplan für das Promotionsexposé kann zum Schluss erstellt werden. Vorher sollte recherchiert werden, ob es etwaige Vorgaben hinsichtlich der Promotionsdauer gibt. Das ist besonders bei der Bewerbung auf Stipendien wichtig.

Es ist schwierig vorherzusagen, wie lange die Erstellung eines Promotionsexposé ist, dauern wird. Abhängig ist dies davon, in welcher Zeit der Forschungsstand systematisiert werden kann.

Die Absprache mit der Promotionsbetreuung ist in der Konzeptionsphase des Exposés wichtig. Die fachliche Expertise der Promotionsbetreuung kann die Zeit der Erstellung des Exposés verkürzen. In der Vorbereitungsphase der Promotion sollte daher sollten regelmäßige Gesprächstermine zwischen Promovierenden und Promotionsbetreuung stattfinden.

Im ersten Schritt ist es eine gute Idee, bevor der Text für das Exposé geschrieben wird zunächst die Struktur zu entwickeln. Dies geht gut in Form einer Visualisierung, beispielsweise eines Concept Maps. Wenn das dann mit der Promotion Betreuung abgesprochen ist, kann das Feedback der Promotionsbetreuung eingearbeitet und der Text geschrieben werden.

Ein Exposé vor Beginn der Promotion ist hilfreich, das Promotionsprojekt zu planen und die Arbeitsschritte zu gestalten. Möglicherweise ist es sogar eine Abkürzung im Promotionsprozess, denn mit einem guten Exposé tauchen möglicherweise weniger Schwierigkeiten auf, weil sie in der Phase der Entwicklung des Exposés bereits gelöst wurden.

 

Über Jutta Wergen

Dr. Jutta Wergen ist Schreibtrainerin und Coach für Promovierende. Sie bietet regelmäßig Schreibwerkstätten zum Exposéschreiben an. Im Verlag Barbara Budrich hat sie den Ratgeber Promotionsplanung und Exposé geschrieben.

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Sie wollen mehr wissen?

 

Was gehört idealerweise in das Exposé meiner Dissertation? Wie vermittle ich die Grundideen meines Projektes? Wie kann mich ein Exposé bei meiner Promotionsplanung unterstützen? In unserer Publishing Insights „Das Exposé als Kompass für die Dissertation“ am 13. Juli gibt Wissenschafts-Coach, Autorin und Schreibtrainerin Dr. Jutta Wergen Input, wie Sie sich mit Ihrem Exposé optimal auf den Promotionsprozess ausrichten.

 

Die Publishing Insights im Juli findet auf Deutsch statt und ist über folgenden Link buchbar (kostenlos für Budrich-Autor*innen und Schreibclub-Mitglieder): Das Exposé als Kompass für die Dissertation

 

 

Titelbild: pexels.com / Karolina Grabowska