Die eigenen Erfolge feiern

Pfau © Pixabay 2020 / Foto: Alexas_Fotos

Wissenschaftler*innen sind zumeist sehr ehrgeizig. Der eigene Anspruch an die eigene Arbeit ist wahnsinnig hoch. Und mit sich selbst zufrieden sein, erscheint wie ein übertriebenes Baden in Selbstgefälligkeit. Das finde ich sehr schade. Denn für Herzblut-Wissenschaftler*innen ist die Wissenschaft das Leben. Und wäre es nicht schön, wenn das eigene Leben sogar Spaß machen würde? Wenigstens ein bisschen?

Ich selbst arbeite gern mit Zielen (wer mit mir an Zielen arbeiten möchte, kann sich zur entsprechenden Publishing Insight im Januar 2021 anmelden – kostenlos für Budrich-Autor*innen): Große Projekte auf kleinere Einzelprojekte herunterzubrechen, macht das Leben leichter. So kann ich manche Ziele Schritt für Schritt erreichen. Das geht nicht bei allen Zielen, denn manche sind Ja/Nein-Ziele: Da gibt es kein langsames Herantasten. Quasi schwanger oder nicht schwanger.

Bei einem der letzten Schreibclub-Treffen erzählte eine Teilnehmerin sehr glücklich, dass sie eine Verlängerung ihrer Forschungsförderung gewährt bekommen habe. Ich fragte sie, wie sie das gebührend gefeiert habe. Sie lachte. Diese Vorstellung erschien ihr absurd.

Wenn Sie auch nur ein bisschen so sind wie dieses Club-Mitglied, dann feiern auch Sie Ihre Erfolge nicht. Nicht die kleinen Erfolge des Alltags und nicht die großen. Vielleicht die ganz Großen, oder wenigstens Meilensteine auf Ihrem Weg? Das eigene Leben besteht nur aus Arbeit und zur Belohnung für ein abgeschlossenes großes Projekt „dürfen“ wir uns um den ganzen Kleinkram kümmern, der liegengeblieben war – gibt es etwas Schöneres? Ich glaube schon. Und ich möchte Ihnen drei Kleinigkeiten vorschlagen, die nicht viel Arbeit machen. Aber vielleicht bereichern Sie Ihr Leben.

Belohnungen

Als ich das erste Mal über Anreize und Belohnungen nachdachte, fiel mir nicht viel ein. Wein und Schokolade. Vielleicht bei einem großen Anlass Essen gehen. Oder ein Wellness-Wochenende. Das war das ganze Ausmaß der „schönen Dinge“, die ich mir als „Belohnungen“ für das Erreichen von Zielen oder Meilensteine vorstellen konnte. Unter uns: Das reicht nicht!

Die großen Belohnungen waren zu teuer. Und immer nur naschen oder Alkohol – das ist auf Dauer nicht die Art von positiver Verstärkung, die mir vorschwebt. Es geht auch viel grundlegender, einfacher und sogar Corona-konform. Auf meiner Belohnungsliste stehen jetzt Dinge wie:

  • Meditation,
  • Yoga,
  • Spaziergang
  • Couch mit (Hör)Buch oder Musik,
  • ausführliches Telefonat mit Familie oder Freund*innen.

Kostet nichts bis überschaubar wenig und sind kleine Belohnungen, die sich wunderbar in einen häufig überfüllten Alltag einfügen. Für das Erreichen ganz großer Ziele – wie zum Beispiel das Einwerben eines großen Projekts – können Sie die großen Dinge auf Ihren Zettel schreiben. Doch die kleinen Freuden des Alltags sind die Dinge, die aus Ihrem mit Arbeit (im positiven Sinne) erfüllten Leben eines machen, in dem auch Genuss und Ausgleich ihren Platz haben.

Erfolgs- und Dankbarkeitstagebuch

Morgens aufwachen und im Bett an drei Dinge denken, für die Sie dankbar sein können in Ihrem Leben – das ist eine Einstimmung auf einen positiven Tag. Und bestens geeignet als Alternative zum ersten Problem, das einen freudig anspringt wie ein junger Hund. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass diese Art des mentalen „Primings“ dazu führt, dass Sie als debil grinsende*r Optimist*in fürderhin keine Probleme mehr angehen werden. Im Gegenteil: Mit einer positiven Grundstimmung lassen sich die alltäglichen Nickeligkeiten besser managen und große Probleme mit Energie angehen.

Ein Erfolgs- und/oder Dankbarkeitstagebuch lässt sich gut in eine Abendroutine einbauen. Die letzten Gedanken, mit denen Sie sich vor dem Schlafengehen befassen, gelten den kleinen und großen Erfolgen des Tages oder den Menschen und Dingen, denen Sie dankbar sind. Insbesondere für Menschen, die sich gern mit ihren Problemen im Bett wälzen anstatt zu schlafen, ist dies eine gute Übung.

Allerdings muss Sie das nicht von der Gewohnheit abhalten, Ihrem Unterbewusstsein eine gute Frage mit in die Nacht zu geben: Nicht selten bekommen Sie am nächsten Morgen die Antwort präsentiert. Aber eine gezielt gestellte Frage ist etwas anderes, als die immergleichen Probleme, die uns häufig in schlaflosen Nächten besuchen kommen.

Drei bis fünf kleine Dinge – von einem Lächeln über das Licht, das auf das Herbstlaub fällt, bis hin zu lobenden Worten zum eigenen Text, die wir bekommen haben – alles gilt und darf im Tagebuch aufgeführt werden.

Blättern Sie an grauen Tagen durch eines dieser Tagebücher – Sie bekommen einen anderen Eindruck von Ihrem Leben!

Glas des Glücks

Anstatt Schönes im Tagebuch festzuhalten, können Sie auch ein großes Glas nehmen und regelmäßig datierte Zettel mit schönen Erlebnissen, Erfolgen oder Dinge, für die Sie dankbar sind in dieses Glas werfen. Sie können eine Familienübung daraus machen und jede*r wirft regelmäßig Zettel mit schönen Begebenheiten in das Glas.

Suchen Sie sich einen bestimmten Tag im Quartal, Halbjahr oder Jahr, an dem Sie das Glas leeren und miteinander die Zettel durchgehen. Das hat drei Effekte:

  1. Das Schöne in Ihrem Leben bekommt einen besonderen Platz.
  2. Unangenehmes prägt unsere Erinnerung deutlich stärker als Positives: Dieser Tendenz arbeiten Sie damit entgegen – Ihr Leben wird in Ihrer Erinnerung schöner.
  3. Und wenn Sie diese Übung nicht allein machen, können Sie sich mit Ihren Lieben gemeinsam freuen und lernen einander von neuen Seiten kennen.

Die Werkezuge zu kennen, ist der erste Schritt…

… aber ohne sie einzusetzen, sind die besten Werkzeuge nutzlos. Wenn Sie also so weit gelesen haben, dann probieren Sie doch einfach mal das eine oder andere aus. Und schauen Sie, ob sich dadurch etwas an Ihrem Leben zum Guten verändert: Ob zum Beispiel Ihr Energielevel steigt oder Ihre Motivation sich verstetigt oder was auch immer es sei.

Nutzen Sie andere Tools? Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören!

 

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