Double Dipping: Hochkonjunktur für Konzernverlage mit Wissenschaftsprogramm

(c) Microsoft
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In den vergangenen Jahren haben einige merkwürdige Gewohnheiten der Naturwissenschaften Einzug in den Sozial- und Geisteswissenschaften gehalten: Eine möglichst hohe Publikationsfrequenz in gerankten, peer-reviewten, englischsprachigen Zeitschriften ist für die Naturwissenschaften seit langem gleichbedeutend mit hoher wissenschaftlicher Relevanz. Interessanterweise wird daraus auch eine hohe wissenschaftliche Qualität abgeleitet. Das Ganze möge dann noch ubiquitär, am liebsten „kostenlos“ verfügbar sein – über Open Access (Kosten für die OA-Publikation eines Beitrags in einer einschlägigen englischsprachigen Zeitschrift rund 2.000-3.000 Irgendwas – USD, GBP oder EUR) oder über von den Bibliotheken für -zig Tausende erkaufte Jahresabonnements. Die internationalen Großkonzernverlage wie Elsevier und Springer freuen sich über diese Einkommensquellen, die allgemein als „Double Dipping“ bezeichnet werden: Das Geld kommt gleich zweimal. Die Gewinne, die diese Konzerne ausweisen, liegen denn auch bei rund 40%: schön für die Aktionäre, großartig für die Konzernlenker. Nicht ganz so erfreulich für die Allgemeinheit.

Das Geld kommt vom Staat. Die Landesregierungen sitzen mit am Tisch, wenn Millionen aus Bibliotheksetats für Zeitschriftenabonnements-Pakete verhandelt werden; die Hochschulen statten ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Geldern aus, um ihre jeweiligen Beiträge „freizukaufen“. Die Freiheit der solcherart ubiquitär verfügbaren Wissenschaft hat ihren Preis.

Wie digital und überall zugänglich muss Wissenschaft eigentlich sein? Und ist es für die Geistes- und Sozialwissenschaften wirklich notwendig, sich ebenfalls in diese neue „Wissenschaftskultur“ zu begeben? Wieso wehren sich die Wissenschaften nicht gegen diese Enteignung und den vollkommen überteuerten Handel mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen? Cui bono?

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