Digitales Konzept für Studierende zum selbstregulierten Lernen von Kochkünsten

HiBiFo – Haushalt in Bildung & Forschung 2-2021: Inwieweit gelingt eine digitale Vermittlung von „cooking skills“ auf Basis von selbstreguliertem Lernen?

Inwieweit gelingt eine digitale Vermittlung von „cooking skills“ auf Basis von selbstreguliertem Lernen?

Sonja Huber & Christina Kleiser

HiBiFo – Haushalt in Bildung & Forschung, 2-2021, S. 78-91

 

Das Sommersemester 2020 stellte aufgrund der COVID-19-Pandemie Dozierende und Studierende anwendungsbezogener Seminare im Bereich der „cooking skills“ vor große Herausforderungen. Bewährte Präsenzkonzepte mussten auf Digitallehre umgestaltet werden. Ziel dieses Beitrags ist, beispielhaft ein digitales Konzept aufzuzeigen, durch das sich Studierende auf Basis weitgehend selbstregulierten Lernens Kompetenzen im Kontext von „cooking skills“ aneignen konnten.

Schlüsselwörter: digitale Lehre, cooking skills, selbstreguliertes Lernen, Gesundheitspädagogik

 

How successful is the digital teaching of “cooking skills” based on self-regulated learning?

Due to the COVID-19 pandemic, the summer semester of 2020 poses a huge challenge for lecturers and students of application-related seminars in the field of “cooking skills”. Proven presence concepts had to be redesigned to digital teaching. This article aims to demonstrate a digital concept that allows students to acquire “cooking skills” based on largely self-regulated learning.

Keywords: digital teaching, cooking skills, self-regulated learning, health education

 

1 Einleitung

Aufgrund der Covid-19 Pandemie und des damit verbundenen Lockdowns im Frühjahr 2020, konnte das Sommersemester 2020 im Bachelorstudiengang Gesundheitspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg nicht wie ursprünglich geplant durchgeführt werden. Insbesondere anwendungsorientierte Lehrveranstaltungen mussten in kurzer Zeit so umstrukturiert und konzipiert werden, dass auch ohne Präsenzlehre die erforderlichen Kompetenzen von den Studierenden erworben werden konnten. Dies erforderte eine sorgfältige Planung, das Aufbrechen vorhandener Lehrkonzeptionen und die Neukonzeption digitaler Versionen. Theoriebasierte Seminare konnten synchron über Videokonferenzen oder asynchron über vertonte Präsentationen oder terminierte Arbeitsaufträge gestaltet werden. Für anwendungsorientierte Seminare bestand die Schwierigkeit, die Studierenden bei fachpraktischen Aufgaben, insbesondere beim Kompetenzaufbau bei der Nahrungszubereitung, ohne Präsenz gezielt zu unterstützen und Reflexionsprozesse in Gang zu bringen. Dies verlangte eine engmaschige Begleitung dieser Aufgaben. Das hierzu entwickelte Konzept, seine Umsetzung und Evaluation werden in diesem Artikel vorgestellt.

2 Zielgruppe und Rahmenbedingungen

Der Bachelorstudiengang Gesundheitspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg wird seit über 10 Jahren angeboten. Dabei wird die Gesundheitspädagogik als Disziplin gesehen, die verhaltens- und verhältnisbezogene Maßnahmen kreiert, evaluiert und einsetzt (Pädagogische Hochschule Freiburg, 2020). Handlungsfelder sind Ernährung und Bewegung, psychische Störungen und körperliche Gesundheit. Diese Handlungsfelder sind in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention, Intervention und Rehabilitation verortet. Da bei der Planung von gesundheitspädagogischen Maßnahmen neben den gesundheitlichen Aspekten auch soziale, ethische und kulturelle Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind, gelten Evidenzbasierung und Wissenschaftlichkeit sowie ein mehrperspektivisches Verständnis von Gesundheit und Krankheit als Voraussetzungen für adäquates gesundheitspädagogisches Handeln. Das didaktische Konzept des Studiengangs umfasst verschiedene Prinzipien, von denen einige in dem hier vorgestellten Seminar einbezogen werden. Handlungsorientierung, exemplarisches Lernen, selbstgesteuertes Lernen, Bezug zur Berufspraxis und Mehrperspektivität können in dem Seminar  berücksichtigt werden (Pädagogische Hochschule Freiburg, 2020).

Die in diesem Artikel vorgestellte Lehrveranstaltung mit dem Titel „Gesundheitsressource Kochkunst und Esskultur“ befindet sich im Studienverlauf im zweiten Fachsemester. Eine Besonderheit des betreffenden Studienkollektivs des Sommersemesters 2020 war die deutlich höhere Studierendenzahl im Vergleich zu regulären Kohorten. Aus diesem Grund wurden die Studierenden für das betreffende Seminar in sechs Gruppen aufgeteilt und zwei Lehrpersonen waren für die Betreuung der Gruppen zuständig.

Das Seminar ist Teil des Moduls „Handlungsfelder: Bewegung und Ernährung“, welches sowohl theoretische als auch praxisorientierte Anteile umfasst. Es ist dabei explizit anwendungsorientiert ausgerichtet. Laut Modulhandbuch soll durch das Seminar erreicht werden, dass die Studierenden über ausgewählte fachpraktisch relevante Fertigkeiten der Bereiche Ernährung verfügen, grundlegende Ernährungskonzepte bewerten sowie deren Relevanz für die Gesundheitsförderung, Prävention, Kuration und Rehabilitation beschreiben können. Weiterhin wird angestrebt, dass die Studierenden Maßnahmen entwickeln können, die Ernährungsverhalten für Adressatengruppen modifizieren und dabei ausgewählte Konzeptionen berücksichtigen. Dabei sollen einschlägige Methoden der Ernährungsplanung angewendet und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Außerdem sollen die Studierende nach dem Seminar alters- und situationsbezogene Ernährungsempfehlungen geben können. Die praktische Nahrungszubereitung ist mit den Schlagworten „Techniken der Nahrungszubereitung, cooking skills und Esskultur“ im Modulhandbuch explizit angesprochen (Pädagogische Hochschule Freiburg, 2020).

Unter regulären Bedingungen findet das Seminar in Präsenz in der Lehrküche der Pädagogischen Hochschule Freiburg statt, um gerade auch den fachpraktischen Ansprüchen gerecht zu werden. Aufgrund der gesetzlichen und hochschulinternen Vorgaben konnte dies im Sommersemester 2020 nicht wie gewohnt umgesetzt werden und das Seminar fand ausschließlich digital statt.

3 Theoretischer Hintergrund und Stand der Forschung

Das Seminar „Gesundheitsressource Kochkunst und Esskultur“ spricht von der Möglichkeit der „Kochkunst“ als „Gesundheitsressource“ und verfolgt somit einen interdisziplinären kultur-, sozial- und naturwissenschaftlichen Ansatz innerhalb der Gesundheitspädagogik (Heindl, 2008). Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Nahrungszubereitung werden hierbei als Teile von „food literacy“ aufgefasst, die es den Menschen ermöglichen, „den Ernährungsalltag selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und genussvoll zu gestalten“ (Bundeszentrum für Ernährung [BZfE], 2020a, S. 5). Auch in internationalen Begriffsbestimmungen von food literacy wird auf die Notwendigkeit von „(cooking) skills“ verwiesen (Vaitkeviciute et al., 2015; Vidgen & Gallegos, 2014).

Blickt man vor allem auf gesundheitlich-naturwissenschaftliche Aspekte der Nahrungszubereitung, so zeigt eine US-amerikanische Übersichtsarbeit aussichtsreiche Effekte (Asher et al., 2020). Asher et al. (2020) legen dar, dass die Nahrungszubereitung aus Grundzutaten zu Hause den Gesundheitswert der verzehrten Speisen deutlich erhöht und gehen danach auf die mangelnden Lernmöglichkeiten der „cooking skills“ beispielsweise in Schulen ein (Asher et al., 2020). Überträgt man diese Gedanken auf Deutschland, so fällt auf, dass es in den Bundesländern Deutschlands kein verbindliches Schulfach für alle Heranwachsenden gibt, das die anwendungsorientierte Nahrungszubereitung umfasst. Asher et al. (2020) erwähnen etliche Studien, die verdeutlichen, dass mangelnde „cooking skills“ zu Hause zu einer nicht-bedarfsgerechten Ernährungsform der (erwachsenen) Kinder führen. Somit wird der Bedarf deutlich, genau an dieser Stelle gesundheitspädagogische Angebote zu offerieren.

Angesichts der Notwendigkeit, das betreffende Seminar mittels digitaler Medien durchzuführen, war Verantwortungsbewusstsein der Studierenden für den eigenen Lernprozess gefordert, da sie eigenverantwortlich und weitgehend selbstreguliert arbeiten mussten. Wie die Literatur aufzeigt, stellt das selbstregulierte Lernhandeln für Studierende eine nennenswerte Herausforderung dar und ist gleichzeitig eine relevante Voraussetzung für ein Hochschulstudium (Schober et al., 2016; Zimmerman & Schunk, 2011). In diesem Zusammenhang stellt sich für Hochschuldozierende die Frage, wie selbstreguliertes Lernen im Setting Hochschule didaktisch unterstützt und gefördert werden kann. In der Literatur wird diesbezüglich von direkter und indirekter Förderung selbstregulierten Lernens gesprochen (Gerholz, 2012). Während direkte Ansätze das Einüben von Strategien zum selbstregulierten Lernen fokussieren, liegt der Schwerpunkt bei indirekten Förderansätzen auf der Gestaltung der Lernumgebung. Dabei werden idealerweise Studierenden Möglichkeiten zur aktiven Selbstregulation angeboten und die Lernumgebungen so ausgestaltet, dass sie das eigenverantwortliche Lernhandeln unterstützen. Eine besondere Herausforderung stellt in diesem Zusammenhang die entsprechende Ausgestaltung des Lernsettings in digitaler Form dar. Als wichtige Elemente einer solchen digitalen Lernumgebung werden in der Literatur die Ausgestaltung der Lernumgebung unter Berücksichtigung digitaler Medien, die Beachtung verschiedener Formen digitaler Lehr- und Lernsettings sowie die Ermöglichung von orts- und zeitunabhängigem Lernen durch z.B. die Verwendung von videobasierten Medien genannt (Häfele & Maier-Häfele, 2020; Keller et al., 2021). Im nachfolgenden Abschnitt wird auf die Lernumgebung des hier vorgestellten Seminars eingegangen.

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