Die Promotion veröffentlichen

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Barbara Budrich © Nina Schöner FotografieDieser Beitrag von Verlegerin Barbara Budrich ist in „Exposé – Zeitschrift für wissenschaftliches Schreiben und Publizieren“ Heft 1-2021 erschienen.

Barbara Budrich arbeitete über 10 Jahre im Verlag Leske + Budrich ihres Vaters, bevor sie 2004 den Verlag Barbara Budrich gründete. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze publiziert, übersetzt und geschrieben. Seit 2012 geben sie und ihr Team im von ihr etablierten Unternehmen budrich training (www.budrich-training.de) ihr Know-how zum wissenschaftlichen Publizieren und Schreiben systematisch in Vorträgen, Workshops und Coachings weiter. Neuestes Projekt für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist die Zeitschrift Exposé, deren Herausgeberin sie ist.

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Im deutschsprachigen Raum gilt für Doktorarbeiten vielfach eine Publikationspflicht. Häufig haben Promovierende die Wahl, ob sie kumulativ oder monografisch vorgehen. In beiden Fällen ist das zeitnahe, angemessene Publizieren nicht trivial. Lassen Sie uns beide Varianten mit ihren Vor- und Nachteilen kurz beleuchten.

 

Kumulativ Publizieren

Die Vorgaben zum kumulativen Publizieren sind unterschiedlich – von Hochschule zu Hochschule und von Fachbereich zu Fachbereich. Was bedeutet, dass Sie im Falle einer kumulativen Promotion zunächst die Spielregeln herauszufinden haben. Und zwar am besten, bevor Sie sich fest- und loslegen.

Mir ist es in meiner Beratungspraxis schon begegnet, dass eine Promovierende vor der Aufgabe stand, in einem gerankten Journal zu veröffentlichen – in einem Fachbereich, in dem es zu diesem Zeitpunkt keine gerankten deutschsprachigen Journals gab. Ihre Fragestellung allerdings bezog sich explizit auf Deutschland, und es war für sie nicht leicht, überhaupt einen englischsprachigen Text zu verfassen. Bei anderer Gelegenheit war das Thema einer Doktorarbeit derart interdisziplinär ausgerichtet, dass es schwierig war, eine passende Zeitschrift zu finden – oder gar drei bis vier verschiedene, um dort zu veröffentlichen. Der Doktorvater kannte sich in diesem Bereich mit den Publikationsmöglichkeiten selbst nicht aus und konnte nicht unterstützen. Zwei Beispiele, die andeuten, wo Probleme liegen können.

Wenn Sie also Ihre Dissertation kumulativ Publizieren möchten, stellen Sie sicher, dass Sie eine Vorstellung davon haben, in welchen Zeitschriften dies für Sie angemessen möglich ist.

Hinzu kommt die Zeitschiene: Es mag einfach klingen, innerhalb der vorgegebenen Zeit drei oder vier Aufsätze zu publizieren. Je nachdem, in welcher Disziplin Sie mit welchem Schwerpunkt unterwegs sind und innerhalb welches Zeitrahmens die von Ihnen in die engere Wahl genommenen Zeitschriften operieren, kann dies zu einer Herausforderung werden.

Ich kenne nicht wenige Zeitschriften, bei denen vom Call for Papers bis zur Publikation 12 bis 18 Monate vergehen. Bei manch einer Zeitschrift dauert es von der Einreichung bis zur Rückmeldung bereits drei bis sechs Monate. Solange Ihr Vorschlag oder Manuskript akzeptiert wird, mag daraus ein für Ihre Belange passender Zeitrahmen werden. Kassieren Sie hingegen eine oder gar mehrere Absagen und es kommen Überarbeitungsschleifen hinzu, kann das Ganze rasch zu einer sehr langwierigen Operation ausarten.

Schließlich bleibt noch die Rechtefrage, wenn Ihre Arbeit nach den Veröffentlichungen der einzelnen Aufsätze als Ganzes publiziert werden soll. Diese Frage ist weder kompliziert noch besonders anspruchsvoll – es empfiehlt sich lediglich, bereits vor der Veröffentlichung der Aufsätze mit der jeweiligen Redaktion über Ihre Verpflichtung zu sprechen, diesen Aufsatz erneut in einem anderen Kontext zu publizieren.

 

Die Doktorarbeit als Monografie

Um Ihre Doktorarbeit als Monografie zu veröffentlichen, haben Sie zahlreiche Möglichkeiten. Welchen Weg Sie beschreiten können und wollen, liegt vor allem an Ihren eigenen Kriterien.

Während die Veröffentlichung in einem renommierten Wissenschaftsverlag für gewöhnlich die größte Reputation bietet, ist dies im Vergleich mit den übrigen Publikationswegen tendenziell die langwierigste, aufwendigste und teuerste Variante.

In der Abbildung finden Sie eine Matrix, die potenzielle Publikationspartner und einige Autor*innen-Kriterien verknüpft. Bitte verstehen Sie die Kriterien nur als Beispiele: Es gibt weitere und andere Dinge, die Ihnen wichtig sind – die vorgestellten Anforderungen sind weder vollständig, noch muss jede einzelne für Sie relevant sein.

Übrigens ist die Veröffentlichung als eBook zumeist selbstverständlich, und Open Access zu publizieren ist häufig eine Option. Bevor Sie sich auf einen Publikationspartner festlegen, stellen Sie sicher, dass Ihre Monografie in der von Ihnen präferierten Variante bzw. im von Ihnen gewünschten Format veröffentlicht wird und dass Sie im Besitz aller notwendigen Rechte sind, die zur Veröffentlichung notwendig sind.

 

Ihr Ziel – Ihr Weg

Welcher Weg der „richtige“ ist, vermag ich nicht zu sagen: Das hängt von Ihnen, Ihren Zielen und Ihren Möglichkeiten ab. Mir sind beinahe schon so viele unterschiedliche Kriterien, Wünsche und Vorstellungen untergekommen wie Promovierende. Die eigenen Ideen mit der Realität abzugleichen, ist unabdingbar (entschuldigen Sie die Trivialität!) – und häufig gibt es im je eigenen Umfeld nur Wenige, die sich mit den unterschiedlichen Optionen des Publizierens umfassend auskennen. Wie in vielen Bereichen des Lebens ist durch die Vervielfältigung der Wahlmöglichkeiten die Unsicherheit nicht kleiner geworden. Wenn Sie aber Ihre eigenen Ziele, Ihre Motivation und Ihre Möglichkeiten klar vor Augen haben, fällt die Wahl leichter.

 

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