„Digitale Transformation braucht sachangemessene Steuerung.“ – 5 Fragen an Markus Schäfer

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

Im Verlag Barbara Budrich ist erschienen: Lehren und Lernen mit digitalen Medien und Technologien. Ein Lehrbuch für die Organisation der Lehre in der digitalen Welt von Markus Schäfer.

 

 

Über das Buch

Die Digitalisierung stellt die Bildungspraxis vor große Herausforderungen: Digitale Medien und Technologien stellen zum einen Erkenntnisgegenstände dar, die uns alle beschäftigen. Zum anderen revolutionieren digitale Technologien das Lehren und Lernen nicht nur in Schulen, Universitäten und Unternehmen, sondern auch in informellen Kontexten.

Das Lehrbuch präsentiert didaktische Konzepte für die Organisation der Lehre in Schulen, Betrieben, Hochschulen und Bildungsstätten. Die didaktischen Konzepte integrieren die produktive und rezeptive Nutzung digitaler Medien und Technologien in Designprojekte.

 

Kurzvita von Dr. Markus Schäfer in eigenen Worten

Portrait Markus SchäferDr. Markus Schäfer absolvierte eine Berufsausbildung zum Kfz-Elektriker. Anschließend studierte er an der Universität Siegen Maschinenbau. Im Jahr 2012 wurde er am Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik mit der Promotionsschrift „Zur Effizienz handlungsorientierter Unterrichtssettings – eine empirische Studie“ promoviert. Dr. Schäfer leitet aktuell den Fachbereich Kfz-Technik am Berufskolleg in Menden, ist Fachberater der Generalie „Bildung in der digitalen Welt“ bei der Bezirksregierung Arnsberg und Lehrbeauftragter der Universität Siegen. Markus Schäfer beschäftigt sich insbesondere mit Fragen zum Medien- und Methodeneinsatz, der Curriculumentwicklung und der Sachkompetenzbeurteilung in der digitalen Welt.

 

1) Lieber Herr Schäfer, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Lehren und Lernen mit digitalen Medien und Technologien für unsere Leser*innen zusammen.

Mein Lehrbuch stellt didaktische Konzepte vor, mit denen Lehrende ihre Veranstaltungsplanungen digital transformieren können. Das bedeutet konkret, dass Bildungspersonal ein Art Rezept erhält, mit dessen Hilfe analoge Lernsituationen, z. B. Unterrichtsstunden, in digitale Lernprojekte verwandelt werden können. Eine besondere Rolle spielt dabei das Medium Film. Das Lehrbuch greift hier den Trend auf, dass das Medium Film, besser Kurzfilm, zwischenzeitlich eine geradezu herausragende Bedeutung als Informations- und Bildungsmedium erhalten hat.

Die Leser*innen erfahren im Buch, welche Produktionstechniken sich eignen, wenn die produktionsorientierte Filmbildung zu einem methodischen Element der Lehre gemacht wird, wie Filme direkt in der Lehrveranstaltung entwickelt werden können und wie sie als qualitätsgeprüfte Lernressourcen in beliebigen Lern- bzw. Content-Management-Systemen oder auf Youtube & Co. nutzbar gemacht werden können. Neben rechtlichen, ethischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Medienproduktion und -nutzung werden bildungswissenschaftliche Fragestellungen vertieft. Hier geht es um Aspekte der Kompetenzentwicklung und um Möglichkeiten der pädagogischen Intervention und Moderation. Mein Lehrbuch richtet sich an alle, die ihre Veranstaltungsplanung an die Bedingungen in einer digital geprägten Kultur anpassen möchten.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Den gab es. Ich setze, wie viele andere Kolleg*innen auch, in der Lehre häufig Kurzfilme ein. Das Medium Kurzfilm eignet sich aufgrund seiner hohen Informationsdichte in besonderer Weise als Informations- und Lernmedium. Leider habe ich in der Praxis immer wieder festgestellt, dass die Filme, die ich finden kann, selten richtig gut passen. Teilweise sind die Filme fachlich falsch. Andere Filme sind zu lang oder sie reduzieren didaktisch nicht so, dass die Lerngruppe profitiert. In der wissenschaftlichen Reflexion entsprechender Situationen entstand dann die Idee, ein didaktisches Format zu entwickeln, mit dem die Filmproduktion direkt in den eigenen Lehrveranstaltungen umgesetzt werden kann. Damit wurde aus der Not, ­ keine passgenaus Filme zu haben, ­ eine Tugend, weil die Filmproduktion durch Lernende zum einen passgenaue Filme liefert und zum anderen eine lerner*innenaktive Lehre mit digitalen Medien und Technologien ermöglicht. In rund 500 Projekten bzw. Experimenten haben ich diese Idee gemeinsam mit Schüler*innen bzw. Auszubildenen Kraftfahrzeugmechatroniker*innen bildungswissenschaftlich und methodisch ausdifferenziert und immer weiter verfeinert. Das Resultat ist ein Konzept, dass unter dem Terminus Designorientierung Verbreitung findet. Dieses Konzept wird im Buch vorgestellt. Die filmischen Resultate zu den empirischen Experimenten finden Sie übrigens in unserem Youtube-Kanal unter der der Adresse kfz4me.

 

3) Wo liegen aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen der Digitalen Lehre für die Bildungspraxis?

Die Digitalisierung polarisiert. Sie wird Kompetenzentwicklungsprozesse in institutionalisierten und in informellen Kontexten auf der einen Seite grundsätzlich verändern. Wir sind aber auf der anderen Seite gut beraten, wenn wir die ideologischen Parolen der digital Getriebenen bildungswissenschaftlich eindampfen und entstandene Worthülsen mit Leben füllen, bevor wir etablierte Verfahren und Modelle vorschnell ablösen. Digitale Transformation braucht keinen religiösen Eifer, sondern sachangemessene Steuerung. Diese Steuerung muss die neuen technischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen genauso im Blick haben, wie die didaktischen Implikationen, die sich in einer digital geprägten Kultur ergeben. Die Vielfalt der möglichen Lösungen macht Entscheidungsprozesse schwierig. Das gilt sowohl für die Didaktik als auch für die Technik. Hier sehe ich aktuell die größten Herausforderungen. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass wir uns mit mehr Engagement an der Entwicklung eigener Lösungen beteiligen sollten. Nur so können wir datenschutzrechtlich selbstbestimmt agieren. Die verschiedenen Landesprojekte, z. B. LOGINEO NRW machen hier Hoffnung.

 

4) Inwiefern können digitale Medien zur Flexibilisierung von Lernprozessen beitragen?

Die Digitalisierung hat unser Leben so tief durchdrungen, dass Lernen ohne digitale Medien kaum vorstellbar ist. Informelles und formales Lernen werden in der Zukunft absehbar immer weiter verschmelzen. Es geht in Zukunft immer weniger um formale Abschlüsse. Es geht darum, dass man etwas kann. Das Wissen der Welt liegt nur einen Mausklick entfernt. Dadurch ergeben sich vollkommen neue Möglichkeiten für das selbstorganisierte und selbstgesteuerte Lernen. Diese Veränderungen sind Ausdruck einer inhaltlichen, räumlichen, zeitlichen und methodischen Flexibilität, die in einer digital geprägten Kultur praktisch keine Grenzen kennt.

 

5) Ich bin Autor bei Budrich, weil …

… ich es schätze, wenn sich professionelle Expertise in einem vertrauensvollen, freundlichen und persönlichen Betreuungsverhältnis entfaltet.

 

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Markus Schäfer: Lehren und Lernen mit digitalen Medien und Technologien. Ein Lehrbuch für die Organisation der Lehre in der digitalen Welt

 

 

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