„Es geht uns um Empowerment.“ – 5 Fragen an Swantje Lahm und Thomas Hoebel

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

3D Cover Lahm HoebelIm Verlag Barbara Budrich ist erschienen: Kleine Soziologie des Studierens. Eine Navigationshilfe für sozialwissenschaftliche Fächer von Swantje Lahm und Thomas Hoebel (Hrsg.).

 

 

 

Über das Buch

Studieren ist ein Wagnis. Immer wieder gibt es knifflige Situationen – in Lehrveranstaltungen, bei der Arbeit an einem eigenen Text oder im Kontakt mit der Verwaltung. Als Navigationshilfe enthält das Buch soziologisch inspirierte Tipps und Tricks und regt zum Nachdenken an, ohne dass die Autorinnen und Autoren besserwisserisch den Zeigefinger erheben. Jeder der 18 Essays adressiert im Kern ein praktisches Problem. Warum gibt es in Seminaren immer diese vorlauten Typen? Wie finde ich eine passende Fragestellung für meine Studienarbeit? Warum lohnt es sich, an unbekannte Orte zu gehen, um auf Ideen zu kommen? Ein Nachwort befasst sich mit der Frage, wie sich Studieren unter den Bedingungen der Corona-Pandemie verändert.

 

Kurzvitae in eigenen Worten

Swantje Lahm © Bernhard Pierel/WESTFALEN-BLATT

Für Swantje Lahm war eigentlich schon während ihres Studiums der Geschichte völlig klar, dass sie sich später einmal mit schreibdidaktischen Fragen auseinandersetzen wird – sie wusste es nur zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der zufällige Kontakt zum Bielefelder Schreiblabor brachte dann Klärung – und seitdem ist es alles andere als zufällig, dass sie sich dafür engagiert, „Schreiben in der Lehre“ zu verankern. Dafür hat sie das gleichnamige Buch im Verlag Barbara Budrich veröffentlicht und sie gibt hier auch die Reihe „Schreiben im Studium“ heraus.

Thomas Hoebel © privat

Seit fast zwanzig Jahren versucht Thomas Hoebel an diversen Universitäten und Forschungseinrichtungen herauszufinden, was ihn eigentlich interessiert. Er hat zunächst in Leipzig, Osnabrück und Bielefeld diverse sozialwissenschaftliche Fächer studiert, ist dann bei der Soziologie hängen geblieben und hat dann u.a. in Bielefeld, Hannover und Basel geforscht und gelehrt. Mittlerweile arbeitet er am Hamburger Institut für Sozialforschung, wo er sich damit befasst, wie gewaltsames Handeln zu erklären ist – weitere zukünftige Interessen nicht ausgeschlossen.

 

1) Liebe Frau Lahm, lieber Herr Hoebel, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Kleine Soziologie des Studierens für unsere Leser*innen zusammen.

Studieren ist eine äußerst facettenreiche Angelegenheit. Ein Studium erschöpft sich ja nicht darin, Seminare und Vorlesungen zu besuchen und für die nächste Klausur zu lernen. Wenn es so einfach wäre! Nein, Studieren ist häufig mit einem Abnabelungsprozess vom gewohnten Lebensumfeld verbunden, in dem man aufgewachsen ist. Es geht darum, eigene Interessen an Themen und Fragestellungen zu entwickeln und sie in eigenen Texten und Vorträgen zu verfolgen. Und ein Studium ist außerdem eine lange Kette von Verwaltungsakten, von der Einschreibung bis zur Exmatrikulation. Da braucht man manchmal so einiges Geschick, um mit den Mitarbeiter*innen in den Sekretariaten „ein Tänzchen zu wagen“, wie Lukas Daubner das in seinem Essay ausdrückt. In jedem Text des Büchleins geht es um eine typische Herausforderung, die sich während des Studiums stellt. Die Autor*innen zeigen dann allerdings nicht einen one best way auf. Vielmehr geht es um Reflexions- und Orientierungswissen, das dazu dienen kann, eine Herausforderung besser zu begreifen und einen eigenen Weg zu finden, ihr zu begegnen. Um eine kleine Soziologie handelt es sich dabei deswegen, weil sich die Autor*innen soziologischen Wissens bedienen, um jeweils bestimmte Facetten des Studierens zu durchleuchten.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Uns hat es schon seit längerem gestört, dass es viele Ratgeber gibt, die suggerieren, man könne in so und so viel Schritten eine Hausarbeit schreiben oder ein Studium zum Abschluss bringen. Man müsse sich dann nur daran halten und bewege sich dann auf dem Pfad ins Glück. Ebenso fiel uns auf, dass es zwar einige soziologische Untersuchungen über das Studieren gibt, diese Texte aber nicht darauf angelegt sind, dass Studierende daraus Schlüsse für ihre eigene Praxis ziehen können. Und nicht zuletzt war unser Eindruck, dass viele Facetten des Studierens nicht in ein und demselben Buch erörtert werden, wir das also mal in geeigneter Form zusammenführen könnten. Die Kleine Soziologie des Studierens versucht somit einen Brückenschlag: Eine Navigationshilfe zu sein, dafür soziologische Erkenntnisse zu nutzen, aber nicht besserwisserisch zu behaupten, so und so müsse man studieren, dann liefe schon alles glatt. Nein, es geht uns letztlich um Empowerment – den Leser*innen Ideen zu geben, wie sie ihren eigenen Weg durch den „Sumpf“ des Studierens zu finden, um eine schöne Metapher von Barbara Kuchler aufzugreifen, die sie in ihrem Essay nutzt.

 

3) Die 18 Essays in ihrem Buch sollen helfen, das eigene Tun im Studium zu reflektieren und sich Herausforderungen kritisch zu stellen. Würden Sie uns eine der Herausforderungen und die damit verbundenen Lösungsvorschläge exemplarisch vorstellen?

Studieren hat viel damit zu tun, Kritik empfangen und formulieren zu können. Unsere eigene Erfahrung, die wir in unserem eigenen Studium gemacht haben und später dann auch in der Arbeit mit Studierenden, ist, wie schwer das eigentlich ist, andere sachlich und konstruktiv zu kritisieren – und eine solche Kritik auszuhalten. Viele Seminardiskussionen verlaufen dann oftmals so, als wäre zuvor ein unausgesprochener Nichtangriffspakt geschlossen worden. In einem sehr schönen Essay zeigt Teresa Koloma Beck, dass Kritik einerseits dem Fortschritt einer Diskussion dient – und andererseits der vertiefenden Analyse eines Phänomens. Im Studium kommt es dann vor allem darauf an, sich die passenden Fragen zu stellen und Kritik schlicht zu üben. Wer sich für diese Fragen interessiert, sollte ihren Essay lesen.

 

4)  Ließe sich das Konzept der Kleinen Soziologie des Studierens auch auf das Lehren übertragen? Könnte es also auch eine Kleine Soziologie des Lehrens geben?

Ist das ein Angebot von Ihnen, das nächste Buch bei Ihnen zu machen? Wir stehen bereit! Denn klar, eine Kleine Soziologie des Lehrens könnte in eine ähnliche Lücke stoßen, wie wir sie zwischen Ratgebern und soziologischen Untersuchungen zum Studieren sehen. Allerdings hoffen wir, dass auch Lehrende in dem ein oder anderen Essay der Kleinen Soziologie des Studierens einen Gedanken finden, der sie dazu anregt, ihre eigene Praxis zu reflektieren. So kann es sicher nicht schaden, sich mit den „vertrackten Rahmungen“ von Sprechstundengesprächen zu befassen.

 

5)  Darum sind wir Autor*innen bei Budrich

Ein Verlag, der sehr erfolgreich die Reihe „Schreiben im Studium“ macht, ist doch geradezu prädestiniert, auch eine Kleine Soziologie des Studierens in seinem Programm zu haben!

 

Jetzt versandkostenfrei im Budrich-Shop bestellen

3D Cover Lahm HoebelSwantje Lahm, Thomas Hoebel (Hrsg.): Kleine Soziologie des Studierens. Eine Navigationshilfe für sozialwissenschaftliche Fächer

 

 

© Pixabay 2020 / Foto: Bru-nO; Titelbild gestaltet mit canva.com