„Viel mehr drauflosschreiben bitte!“ – 5 Fragen an Katja Günther

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

3D Cover SchreibcoachingIm Verlag Barbara Budrich / utb ist erschienen: Selbstcoaching in der Wissenschaft. Wie das Schreiben gelingt von Katja Günther.

 

 

 

Über das Buch

Selbstcoaching in der Wissenschaft lädt Wissenschaftler*innen ein, ihr Arbeiten und Schreiben in der Wissenschaft neu zu gestalten. Sie entdecken die Bedingungen ihrer individuellen Schreibproduktivität, erhalten konkrete Tipps und überprüfen den eigenen Arbeitsalltag mithilfe von Coachingfragen. So gelingt es, im anforderungsreichen Forschungsalltag mehr an Lebensqualität und Freiräumen zu gewinnen: für ein gutes und produktives Schreibleben.

 

Kurzvita von Katja Günther in eigenen Worten

Portrait Katja GüntherAls Schreib-Coach und Trainerin begleite ich seit vielen Jahren in meiner Coachingpraxis Faden Verloren Schreibende auf ihren akademischen Karrierewegen, besonders wenn es um das Schreiben von Promotionen, Habilitationen und anderen anspruchsvollen Textprojekten geht. Dabei fließen meine beiden Kompetenzfelder – die vielfältige Erfahrung aus Wissenschaftswelt und fachlichem Hintergrund (M.A. Romanistik/Anglistik) sowie meine Ausbildungen und Erfahrungen als systemische Coach und Gestalttherapeutin – in meine Schreib- und Karrierecoachings ein. Zusammen mit Ingrid Scherübl bin ich die Mit-Begründerin des Schreibaschram, einer Klostersimulation für wissenschaftlich Schreibende. Außerdem planen wir gerade eine tolle neue Online-Plattform. Zum Buch hat mich aber vor allem meine Freude an den individuellen Wachstumsprozessen meiner Klienten und Klientinnen inspiriert.

 

1) Liebe Frau Günther, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Selbstcoaching in der Wissenschaft für unsere Leser*innen zusammen.

In meinem Selbstcoaching-Buch lade ich Promovierende, Postdocs, Professorinnen und Professoren ein, ihr Arbeiten und Schreiben neu zu gestalten. Dabei steht die individuelle Suche nach der Vereinbarkeit von Lebensqualität und Schreibproduktivität im Vordergrund. Wie kann das eigene Schreiben, die Kernaufgabe von Wissenschaftler:innen, noch besser und vor allem leichter gelingen? Wie kann ich all meine Ressourcen so einsetzen, dass Schreiben und Leben sich wirklich gegenseitig beflügeln für ein produktives Schreibleben? Dabei helfen Selbst-Coachingfragen am Ende jeden Kapitels.

Es geht im Buch auch um tiefere Fragen wie die inneren Kritiker oder den Umgang mit eigenen Ängsten. Das ist jetzt alles zu Home-Office-Zeiten ja tatsächlich aktueller denn je … Ich möchte daher Mut machen: für eine gute Selbstorganisation, für eine neue freundlichere Kollegialität, und auch dafür, nicht einfach alles als gegeben hinzunehmen.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Seit vielen Jahren arbeite ich als systemische Schreibcoach und Gestalttherapeutin. Inzwischen habe ich sehr unterschiedliche Menschen durch ihre Schreib- und Lebenskrisen begleiten dürfen. Und natürlich gibt es bei aller Einzigartigkeit zum Thema Selbstorganisation wiederkehrende Muster – gerade beim Schreiben. Auf meiner Datscha in der Uckermark habe ich vor ein paar Sommern einfach begonnen, diese ganzen Schreibtipps zu ordnen und aufzuschreiben. Das Schwimmen im See hat sich danach auch noch schöner angefühlt. 😉 Ich wollte mein Wissen zum Schreibprozess zusammenfassen, aber eben auch eine Mutmachmöglichkeit finden, damit die Schreibenden sich selbst Fragen beantworten können, um wirklich individuelle Lösungen zu finden.

 

3) Welche Fehler, die wissenschaftlich Schreibende im Schreibprozess machen, begegnen Ihnen in Ihrer eigenen Coachingtätigkeit am häufigsten? Was denken Sie, woran das liegt?

Hmm, Fehler möchte ich das gar nicht nennen. Schreiben lernen wir ja höchstens ein bisschen in der Schule und sind dann ganz auf uns selbst zurückgeworfen, wenn es in eine wissenschaftliche Laufbahn geht. Vor allem vergleichen wir uns oft mit den publizierten Ergebnissen der anderen Forschenden und denken dann, dass allen Anderen das Schreiben wohl ganz leicht von der Hand gehen müsse. Also Schreiben ist immer ein längerer Prozess mit vielen mühsamen Überarbeitungsschleifen. Mal läufts gut und scheint nur so zu fließen, aber dann kommen wieder die Zweifel und die vielen vielen notwendigen Überarbeitungen. Das ist normal. Und dann glauben die meisten Menschen auch, man müsse erst alles komplett durchdacht haben, bevor man schreiben könne, dabei ist der Schreibprozess zugleich immer auch Denken und ein Sich-selbst-Klarwerden. Also viel mehr drauflosschreiben bitte. Überarbeiten muss man sowieso. Und ja, es kann sich bereits lohnen zu schreiben, wenn man nur eine halbe Stunde Zeit hat …

 

4)  Wenn jemand nicht gern schreibt, lässt sich das ändern? Kann jede*r zum freudig Schreibenden werden?

Schreiben ist in jedem Falle ein Handwerk und eine Praxis, das wissen besonders auch journalistisch Schreibende, die immer wieder auf den Punkt liefern müssen. Das können wir also üben, indem wir es wieder und wieder tun. Wenn ich es dann auch noch schaffe, meine inneren Kritiker freundlich zu akzeptieren und so mit ins Boot zu holen, dann kann ich leichter losschreiben, vielleicht alles etwas spielerischer nehmen. Diese inneren Stimmen möchten mich ja mit ihren kritischen Sprüchen im Grunde vor dem Scheitern bewahren. Und vielleicht noch das Wichtigste: Was möchtest du sagen? Erlaube dir deine eigene Art, etwas zu sagen. Auch in der Wissenschaft ist das möglich. Ja, bette es nachprüfbar in den Diskurs der Forschenden ein. Aber deine Sicht zählt und ist einzigartig. Das kann doch auch Lust machen!

 

5) Darum bin ich Autorin bei Budrich:

Ich freue mich, dass Budrich sich 2014 auf das ungewöhnliche Format des Schreibimpulsfächers eingelassen hat, den ich mit meiner Kollegin gemacht habe. Mein jetziges Buch ist als Selbst-Coaching-Ratgeber für ein gelingendes Schreibleben auch nicht ganz typisch, und es war schnell klar, dass Budrich auch hier wieder interessiert war und mir Mut gemacht hat, weil die Zielgruppe, wissenschaftlich schreibende Menschen, eben genau hier vertreten sind und einen Benefit davon haben können. Ich hatte dazu freie Hand und konnte auch die schönen kleinen Illustrationen von Sarah Neuendorf mit einbinden. Das Buch ist so, wie ich finde, wirklich lesefreundlich geworden…

 

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3D Cover SchreibcoachingKatja Günther: Selbstcoaching in der Wissenschaft. Wie das Schreiben gelingt

 

 

 

© Pixabay 2020 / Foto: Bru-nO; Autorinnenfoto: Katja Günther; Titelbild gestaltet mit canva.com