5 Fragen an … Prof. Dr. Jörg Dittmann

Buntstifte in einer Reihe

Unser Autor Prof. Dr. Jörg Dittmann war so freundlich, unsere „5 Fragen …“ zu beantworten. Bevor wir in das Interview einsteigen, hier die Kurzvita in Stichpunkten:

Portrait Jörg Dittmann
© Jörg Dittmann privat

Studium der Soziologie und Promotion an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Frühere berufliche Stationen: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (Frankfurt am Main); gesis Mannheim, Universität Konstanz. Seit 2012 Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Soziale Arbeit (Basel/Muttenz). Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Sozialplanung und -berichterstattung, Armut und abweichendes Verhalten.

 

1.     Welches ist die wichtigste Herausforderung für Ihren Fachbereich in den nächsten Jahren?

Ich arbeite an der Fachhochschule Nordwestschweiz, genauer an der Hochschule für Soziale Arbeit. Eine meiner Aufgaben am Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung ist es, sozialwissenschaftliche Theorien und empirische Methoden für die Soziale Arbeit im Studium und in der Weiterbildung nutzbar zu machen. Zudem untersuchte ich im Rahmen von Forschungs- und Dienstleistungsprojekten praxisrelevante Fragen zu Armut, versuche auf der Ebene des Unterstützungssystems die Potentiale und Wege möglicher Veränderungen aufzuzeigen und dadurch zu einer verbesserten Praxis und Professionalisierung im Umgang mit armutsrelevanten Themen beizutragen.

In vielen Bereichen der Sozialwissenschaften hat es in den letzten Jahrzehnten enorme Wissenszuwächse gegeben, schaut man sich nur einmal den Bereich der empirischen Sozialforschung an. Gleichzeitig stellen sich durch den anhaltenden gesellschaftlichen, insbesondere durch den sozialen Wandel viele Fragen zu Armut immer wieder anders. Und auch die Rahmenbedingungen und die Ziele sozialarbeiterischen Wirkens sind komplexer geworden. So bemisst sich der Erfolg der Armutsbekämpfung an normativen Visionen, wie dem eines gelingendes Lebens. Die Rahmenbedingungen für die Bearbeitung von armutsrelevanten Fragen sind nicht nur in Deutschland komplizierter geworden. Wir beobachten hier in der Schweiz ein dynamisches Zusammenspiel von Prozessen der Subsidiarität und Solidarität, des Wandels sozialpolitischer Programmatiken (z.B. in Richtung «Fördern und Fordern»), neue Steuerungsimperative («Generationenpolitik») und auch neue Finanzierungsformen («Neuer Finanzausgleich»). Es ist nicht leicht, all diese Dinge im Blick zu halten. Allgemein haben die akademisch geprägten Sozialwissenschaften große Schwierigkeiten, sich an praxisnahen Fragen und Bedürfnissen des Unterstützungssystems auszurichten. Umso wichtiger ist eine auf Dauer gestellte Kooperation zwischen beiden Bereichen.

 

2.     Warum sollte jemand unbedingt in Ihrem Forschungsbereich tätig werden?

Mein Forschungsinteresse liegt nicht alleine in der Generierung von empirisch nachweisbarem Wissen über Armut, der theoriegeleiteten Ermittlung der Ursachen und Wirkungen, sondern auch in den daraus folgenden Handlungen, die sich insbesondere für die Sozialpolitik und für die sozialplanerische Praxis ergeben. Wer Armut nicht nur grundlagenorientiert erforschen, sondern auch Handlungswissen hervorbringen und in die Praxis transferieren möchte, ist in meinem „Fachbereich“ sehr gut aufgehoben. Die Verknüpfung von Forschung und sozialen Veränderungen geht nur im Austausch mit Armutsbetroffenen, mit Fachkräften und weiteren Personen und Organisationen, für die das Wissen bestimmt ist und die sich täglich den Armutsthemen und -problematiken stellen.

 

3.     Warum haben Sie sich damals für Ihr Forschungsgebiet/Forschungsthema entschieden? Was motiviert Sie an Ihrem Forschungsthema ganz besonders?

Soziale Themen interessierten mich schon vor der Studienzeit. Nach einer teilweise durch prekäre Anstellungsbedingungen notgedrungenen Findungs- und Experimentierphase habe ich für mich festgestellt, dass mich ein Dreiklang in meiner Arbeit, bestehend aus der Beschreibung, der Erklärung von Armut und der Bearbeitung von Armutsfragen auf infrastruktureller Ebene von Gemeinden und Kantonen, bereichert. Das gemeinsam mit Petra Böhnke und Jan Goebel herausgegebene und im Budrich Verlag erschienene Handbuch Armut bringt die eigenen Ansprüche und Interessen meiner Arbeit recht gut zum Ausdruck, denn es behandelt und koppelt die Fragen „Wie sprechen wir über Armut? “, „Was wissen wir über Armut?“ und „Wie bearbeiten wir Armut“.

 

4.     Welches Buch hat Sie persönlich am meisten geprägt?

Die Liste spannender und inspirierender Fachliteratur ist sehr lang und das auszuführen, würde zu weit gehen. Im Jugendalter hat eine Reihe von Büchern „Aha“-Erlebnisse ausgelöst. Vor kurzem bin ich über Stefan Zweig und die „Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers“ gestolpert. Wie damals als 16-Jähriger war ich sofort beseelt von der klugen Gesellschaftsanalyse und der Art und Weise wie Zweig seine eigene Biographie feinfühlig und doch kraftvoll in den Roman eingebaut hat.

 

5.     Ich bin Autor bei Budrich, weil …

… ich die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Budrich sehr schätze. Beim gerade im Budrich Verlag erschienenen Handbuch Armut haben wir von Anfang an eine professionelle Betreuung erfahren. Dazu gehört die Unterstützung bei konzeptionellen Fragen bei der Planung des Buchs, ebenso profitiert(e) das Buch vom Lektorat und vom Marketing.

 

 

zuletzt bei Budrich:

Cover Handbuch ArmutBoehnke, P., Dittmann, J. & Goebel, J. (2018): Handbuch Armut. Opladen & Toronto: UTB. Budrich Verlag.

 

 

 

© pixabay 2018 / Foto: Bru-nO