„Die digitale Organisation von Wissen und die Vernetzung von Wissen sind die großen Herausforderungen.“ – 5 Fragen an Jan Schaller

5 Fragen an unsere Autor*innen Verlag Barbara Budrich

3D Cover SchallerIm Verlag Barbara Budrich ist erschienen: Papierlos studieren. Wissenschaftlich arbeiten in digitalen Zeiten von Jan Schaller.

 

 

 

Über das Buch

Ob Seminartexte, Laborberichte oder Hausarbeiten – wer studiert, verbraucht ohne Ende Papier. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für das eigene Arbeiten. Viel besser ist es, papierlos zu studieren. Alle Dokumente sind leicht durchsuchbar, können problemlos aufbewahrt und vor allem wiedergefunden werden. Aber wie schafft man das? Dieses Buch gibt eine Einführung für passende Workflows, Hardware und Apps.

 

Kurzvita in eigenen Worten

Portrait Jan Schaller

  • Sommer 2018: Master in Politikwissenschaften an der FU Berlin (Otto-Suhr-Institut)
  • ab April 2018: Blog Papierlos Studieren
  • ab November 2018: wiss. Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Soziale Integration ohne Eliten?“ an der Hochschule Zittau/Görlitz, gemeinsam mit dem DeZIM Institut Berlin und der Universität Leipzig, gefördert durch das BMFSFJ
  • ab April 2019: Promotion am IMIS Institut der Universität Osnabrück zum Hotspot-Konzept an den Europäischen Außengrenzen (Europ. Migrationspolitik)

 

1) Lieber Herr Schaller, bitte fassen Sie den Inhalt Ihrer aktuellen Publikation Papierlos Studieren  für unsere Leser*innen zusammen.

Digitales Arbeiten ist ein Querschnittthema und betrifft alle Fachrichtungen. So habe ich dann auch das Buch konzipiert. Ich möchte eine Einführung geben und habe dafür typische Aufgaben aus Studium und Forschung identifiziert: Recherche, Aufgabenverwaltung, das Schreiben von Texten, Präsentieren und einiges mehr. Für jede dieser Aufgabengebiete erläutere ich im Buch digitale Workflows und stelle verschiedene Apps vor, mit denen sie sich umsetzen lassen. Da die Kapitel für sich stehen, kann man sich einfach das herausgreifen, was gerade am relevantesten ist.

 

2) Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben? Gab es einen „Stein des Anstoßes“?

Ich habe mich schon während meines Studiums viel mit dem Thema befasst, einfach aus Interesse heraus. Gleichzeitig war die Uni aber nicht das fortschrittlichste Umfeld in Sachen Digitalisierung, um es vorsichtig zu formulieren. Wieso ich meine Masterarbeit zum Beispiel auf drei separaten CDs einreichen musste und nicht einfach als PDF übermitteln konnte, erschließt sich mir bis heute nicht. Oft fehlt es auch einfach an Angeboten für Studierende, um ihnen Wege des digitalen Arbeitens näher zu bringen. Vor diesem Hintergrund beschloss ich dann zunächst, einen Blog zum Thema zu starten. Allerdings schreibe ich dort natürlich über viele Themen, nicht nur Einführungen. Ein Buch schien mir da die ideale Möglichkeit zu sein, um ein paar Grundlagen zu legen.

 

3) Ihr Buch gibt unter anderem eine Einführung in passende Workflows für das papierlose Studieren. Würden Sie uns eine dieser Workflow-Anregungen kurz vorstellen?

Sehr gern. Mir liegt das Thema Literaturverwaltung sehr am Herzen, da ein guter Umgang mit Quellen unverzichtbar ist für sauberes wissenschaftliches Arbeiten. Ein tolles, kostenloses Programm hierfür ist Zotero. Dort kann man Quellen einfach sammeln und auch das jeweilige PDF zu einer Quelle anfügen, also den Text selbst. Das kann man entweder händisch machen, oder das Programm online danach suchen lassen. Und auch der umgekehrte Weg ist möglich. Zotero kann aus vorliegenden PDFs die Meta-Daten extrahieren und einen Eintrag erstellen. Das funktioniert natürlich nicht immer, aber doch relativ häufig nach meiner Erfahrung. Richtig spannend wird es aber mit dem Plugin Zotfile. Plugins sind Zusatzfunktionalitäten für ein Programm. Hat man Zotfile installiert, kann man alle Anmerkungen und Markierungen, die man in einem PDF gemacht hat, automatisch in eine Notiz exportieren lassen, die dann ebenfalls dem Quelleneintrag in Zotero zugeordnet wird. Mit dieser Notiz kann man dann weiter arbeiten und z.B. Zitate direkt nutzen. So hat man alles an einem Platz: Bibliografische Angaben des Textes, der Text selbst und auch noch die eigenen Notizen und Highlights.

 

4) Welche Herausforderungen kommen Ihrer Einschätzung nach in den nächsten Jahren auf Studierende zu, wenn es um  digitalbasiertes Arbeiten geht?

Ich glaube, dass es zwei große Herausforderungen gibt: die digitale Organisation von Wissen und die Vernetzung von Wissen.

Wir haben Zugriff auf so viel Wissen wie nie zuvor. Das allein nutzt aber nichts, wenn man nicht damit umzugehen weiß. Ich kann jeden Tag dutzende Artikel digital erfassen und ablegen. Da es digital ist, nimmt es ja auch keinen Platz mehr weg. Wenn ich aber nie etwas damit tue, habe ich nichts gewonnen. Das kann auch erdrückend sein, weil man irgendwann gar nicht mehr weiß, wo man anfangen soll oder wo man etwas abgelegt hatte. Gute digitale Ablagesysteme sind also wichtiger als denn je. Literaturverwaltungen können hier eine wichtige Rolle spielen.

Auf der anderen Seite brauchen wir Mittel und Wege, um Wissen aus verschiedenen Quellen und Kontexten miteinander in Bezug zu setzen. Nur durch den Abgleich von verschiedenen Quellen und Argumenten können wir Erkenntnisse gewinnen. Bisherige Anwendungen für digitale Notizen und Mitschriften haben das aber meist schlecht gelöst, weil man in der Regel für jeden neuen Gedanken eine neue Notiz oder einen neuen Text anlegt ohne Möglichkeiten zu haben, diese einfach aufeinander zu beziehen. Zum Glück erleben wir gerade viele Neuerungen in diesem Bereich. Anwendungen wie Obsidian oder Roam Research wollen es Nutzer*innen ermöglichen, Wissen und Notizen miteinander in Bezug zu setzen, damit ein Wissensnetzwerk entstehen kann. Ich glaube, das hier viel Potential liegt. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann sich auch mal bei Niklas Luhmann und seinem Zettelkasten umschauen. Der hat das zwar natürlich noch analog gelöst, viele Prinzipien sind aber nach wie vor gültig und enorm nützlich.

 

5) Darum bin ich Autor bei Budrich

Ich empfinde es als sehr erfrischend, dass der Verlag Barbara Budrich sich ausdrücklich an Nachwuchswissenschaftler*innen richtet. Der Anfang ist bekanntlich immer am schwersten und da ist es toll, so eine Gelegenheit zu bekommen. Auch in Sachen Kommunikation empfand ich die Zusammenarbeit als äußerst angenehm. Ich hatte immer den Eindruck, in guten Händen zu sein.

 

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3D Cover SchallerJan Schaller: Papierlos studieren. Wissenschaftlich arbeiten in digitalen Zeiten

 

 

 

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