Der wissenschaftliche Nachwuchsbeirat: Mascha Körner

Der wissenschaftliche Nachwuchsbeirat des Verlags Barbara Budrich im Interview

Seit 2019 wird der Verlag Barbara Budrich von einem engagierten Nachwuchsbeirat unterstützt. Die Mitglieder dieses Beirats sind vertraut mit einem unserer Fachbereiche (Erziehungswissenschaft, Gender Studies, Politikwissenschaft, Soziale Arbeit, Soziologie, Schlüsselkompetenzen des wissenschaftlichen Arbeitens/Hochschuldidaktik) und helfen aktiv bei unserer Programmentwicklung.

Im Rahmen dieser Rubrik stellen wir in unregelmäßigen Abständen die Mitglieder unseres Nachwuchsbeirats vor.

 

Körner, MaschaName: Mascha Körner

Fachbereich: Kriminologie, Kriminalistik, Psychologie

Kurzvita:

  • 2018 – laufend: wissenschaftliche Projektleitung des BMBF-geförderten Projekt ‚Befragungsstandards für Deutschland – BEST‘ in der Kriminologischen Forschungsstelle des LKA Niedersachsen
  • 2014 – 2018: wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBF-geförderten Projekt ‚Prävention und Intervention bei Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung – PRIMSA‘ an der Universität Vechta
  • 2009 – 2013: Studium im Bereich Psychologie, Soziale Arbeit mit Schwerpunkten in der kriminologischen, viktimologischen und polizeiwissenschaftlichen Forschung

 

Mein Forschungsbereich:

Während meines Psychologiestudiums fokussierte ich mich früh auf kriminologisch-viktimologische Themen und bezog hier sowohl professionelle Perspektive aus Beratung wie auch Strafverfolgung ein. Ich möchte durch meine psychologisch geprägte Forschung zwischenmenschliche Prozesse im kriminologischen Kontext analysieren und so aufbereiten, dass ein nachhaltiger Wissenschafts-Praxis-Transfer gelingt.

Aktuell lässt sich diese Ambition prima sowohl beruflich im Rahmen meines Projekts zur Optimierung polizeilicher Vernehmung (Projekt BEST) wie auch privat im Zusammenhang mit meinem Promotionsprojekt umsetzen, in dem ich u.a. psychische Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Tätern und Opfern von Zwangsprostitution untersuche, was wiederum relevant für die Arbeit von Strafverfolgungsbehörden und Fachberatungsstellen ist.

 

Zu dieser konkreten Fragestellung forsche ich derzeit:

Geleitet von der Frage „Wie lässt sich die Qualität der polizeilichen Vernehmung – und damit auch des Personenbeweises im Strafverfahren – systematisch verbessern?“ analysiere ich gemeinsam mit meinem Team im LKA Niedersachsen polizeiliche Vernehmungen hinsichtlich standardisierungsfähiger Elemente. Forschung und Praxis werden in diesem Projekt eng miteinander verbunden. So erhalten wir als Teil der Polizei detaillierte Einblicke in die kriminalistische Arbeit, können diese wissenschaftlich abstrahieren und die empirischen Erkenntnisse gemeinsam mit der Praxis in geeignete Handlungsempfehlungen übertragen.

Im Rahmen meines Promotionsprojekts habe ich darüber hinaus die Möglichkeit, mich empirisch mit der Frage nach möglichen emotionalen Abhängigkeitsverhältnissen im Deliktsfeld Zwangsprostitution zu beschäftigen. Das Phänomen Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung begleitet mich in meiner wissenschaftlichen Arbeit bereits seit über 8 Jahren und ist zu einer Herzensangelegenheit geworden. Die Forschung ist dabei stark psychologisch geprägt, da sich gerade die Täter-Opfer-Konstellationen höchst komplex darstellen und damit ebenso schwer zu durchbrechen sind. Es braucht also ein genaues Verständnis über die dort herrschenden Dynamiken und Vulnerabilitäten, um die Bekämpfung dieser Menschenrechtsverletzung voranzubringen.

 

Meine Publikation(en):

  • Körner, Mascha, Radtke, Matthias, Tschida, Barbara & Pfaffenlehner, Josef (i.V.). Vorbehalte zwischen Behörden, Justiz und Betroffenen und Ansätze der Sensibilisierung. In: Yvette Völschow & Silke Birgitta Gahleitner (Hrsg.), Menschenhandel und Zwangsprostitution. Interdisziplinäre Perspektiven mit Blick auf Prävention und Intervention. Weinheim: Beltz Juventa. (erscheint 2020)
  • Körner, Mascha & Völschow, Yvette (2019). Lagedarstellung im Deliktsfeld Menschenhandel in Deutschland – Eine längsschnittliche Analyse polizeilicher Hellfelddaten des deutschen § 232 StGB (a.F.). Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung. SIAK-Journal. Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis. S. 27-42.
  • Gahleitner, Silke Birgitta, Gerlich, Katharina, Heiler, Roshan, Hinterwallner, Heidemarie, Huber, Edith, Körner, Mascha, Pfaffenlehner, Josef & Völschow, Yvette (2017). Psychosoziale Arbeit mit Frauen aus dem Frauenhandel – ein Plädoyer für bindungs- und traumasensible interprefessionelle Zusammenarbeit. Trauma & Gewalt, 11(1), 22-34.

 

Das möchte ich in den nächsten 5 Jahren erreichen:

Aus wissenschaftlicher Sicht ist natürlich der inzwischen greifbare Abschluss meiner Promotion ein wichtiges Ziel der kommenden Jahre. Es ist ein mehrjähriger Prozess mit Höhen und Tiefen, der mich sowohl beruflich als auch persönlich prägt. Gerade durch eine parallel zum Beruf stattfindende Promotion werden Zeitmanagement, Durchhaltevermögen und Konzentration immer wieder aufs Neue herausgefordert, was mich auch in Bereichen außerhalb der Promotion besser werden lässt. Der Abschluss der Promotion soll kein gleichzeitiger Abschluss mit dem Themenfeld sein. Ich möchte – ob hauptberuflich oder begleitend – im Themenbereich Zwangsprostitution/Menschenhandel forschen und publizieren, da es mir ein großes Anliegen ist, Licht in die teilweise noch unbekannten Strukturen zu bringen.

Wie in der Drittmittelforschung üblich, sind die nächsten 5 Jahre selten planbar. Nach Abschluss des Vernehmungsprojekts BEST freue ich mich daher auf noch nicht bekannte, aber definitiv spannende kriminologische Fragestellungen, die ich im interdisziplinären Team untersuchen kann.

 

Darum bin ich Mitglied im wissenschaftlichen Nachwuchsbeirat des Verlags Barbara Budrich:

Bislang kenne ich vor allem die Perspektive einer Autorin, die im Rahmen einer Publikation mit dem Verlag kooperiert. Doch was passiert eigentlich davor und danach? Wie werden Beiträge ausgewählt und zusammengestellt? Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse für eine fachfremde Zielgruppe aufbereitete werden? Und was können Autor*innen beachten, damit ihre Beiträge möglichst passgenau eingereicht werden? Diesen Fragen leiten meine Mitgliedschaft im wissenschaftlichen Nachwuchsbeirat und ich freue mich, mein Wissen hier erweitern zu können. Zeitgleich möchte ich natürlich auch durch spannende Inhalte und Publikationsideen die Verlagsarbeit unterstützen und damit auf aktuelle Arbeiten aus meiner disziplinären Nische hinweisen.

 

Sie möchten mehr über unseren wissenschaftlichen Nachwuchsbeirat erfahren?

Auf unserer Beiratsseite finden Sie alle wichtigen Informationen auf einen Blick.

 

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