Jahresrückblick 2019

Jahresrückblick © Pixabay 2019 _ Foto_ congerdesign

Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass wir uns zum Jahresende gern dazu verleiten lassen, mit Weichzeichner in den Rückspiegel zu schauen: Wir düpieren uns selbst, damit auch das vergangene wieder ein gutes Jahr gewesen sein möge. Da bin ich dabei! Ich halte nichts davon, der Vergangenheit meinen Segen zu verwehren. Nicht dass ich ein „Anything goes“ unterschreiben möchte und allen rechten Populisten die Absolution erteile. Nichts liegt mir ferner. Doch möchte ich die Hoffnung darauf fahren lassen können, die Vergangenheit würde sich in Bälde zum Besseren wenden.

Der Verlag Barbara Budrich wächst, blüht und gedeiht! Wir dürfen wundervolle Publikationen auf ihrem Weg in die Öffentlichkeit begleiten. Wir haben großen Spaß daran, mit unseren individuellen und institutionellen Partner*innen zu kooperieren. Der Erfolg gibt uns Recht. (Obschon ich gestehen muss, dass „der Erfolg“ mir in letzter Zeit suspekt geworden ist, weil er mit Leuten, Parteien und Unternehmen gemeinsame Sache macht, dass es mir graut.)

2019 ist mir an diversen Ecken schwer gefallen. Schimpftiraden gegen Wissenschaft und Wissenschaftler*innen; gegen junge engagierte Menschen, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen; gegen alles und jede*n, der oder die nicht mit dem populistischen Geschwafel einer breiter und stärker werdenden Front übereinstimmt, die nur Raum hat für Eindimensionales. Wenn es um Klimawandel geht, um Umweltschutz, um Toleranz und Menschenrechte, dann werden ganz normale Menschen auf einmal zu Claqueuren, im schlimmsten Falle zu Werwölfen. Begleitet von Schlägertrupps, die Mobbing, Feigheit und Pöbelei für normal halten, und vor Bedrohung, Gewalt, gar Mord nicht zurückschrecken. Wir dachten in den vergangenen Jahren, Terrorismus von außen sei die größte Bedrohung: Da haben wir uns sehr geirrt!

Lassen Sie uns gemeinsam das nicht dulden! Lassen Sie uns gemeinsam aufstehen, widersprechen, für Demokratie, Freiheit und Toleranz einstehen. Und für eine lebenswerte Zukunft.

Dann wird 2020 zu einem guten Jahr! Kommen Sie gut rüber!

Bis dahin,

Ihre und Deine
Barbara Budrich

P.S.: Das war die Kurzfassung. Für die Langfassung: einfach weiterlesen!

 

Veranstaltungen

Nachdem 2018 ein Jahr voller großer Veranstaltungen war, zeigte sich 2019 ein wenig zurückhaltender: Natürlich gibt es jährliche Konstanten in unserem Kalender, vom Bibliothekstag über die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt, von europäischen bis hin zu Fachkonferenzen wie ECER, ECPR, Veranstaltungen zur politischen Bildung, der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit, der ZSM-Veranstaltung in Magdeburg oder dem Methodentreffen in Berlin, bis hin zu Open-Access-Veranstaltungen, Branchenversammlungen und Verbandstreffen und vielem mehr. Längst haben wir diese Termine im Team aufgeteilt, sodass verschiedene Abteilungen oder Team-Mitglieder spezifische Bereiche und Aufgaben abdecken.

Das ganze Team setzt bei den Geschäftsreisen in der Hauptsache auf die Schiene. Selten bemühen wir das Auto für derartige Touren. Und nur wenn die Reisen gar zu lang werden, steigen wir in Flugzeuge.

Kooperationen

2019 sind wir mit unserem Nachwuchsbeirat durchgestartet. Knapp 30 Nachwuchswissenschaftler*innen aus unseren Fachbereichen beraten uns zu allen Themen, die wir miteinander bearbeiten können. Wir treffen uns regelmäßig online und bei Gelegenheit persönlich. So zum Beispiel Anfang November in Berlin. Für 2020 haben wir ein großes Treffen geplant. Wiederum in Berlin, wiederum im November, unter Beteiligung des Beirats, des Senior Advisory Boards.

2019 haben wir zahlreiche wichtige persönliche und institutionelle Kooperationen begonnen und fortgeführt: in der politischen, in der Berufsbildung, in unterschiedlichsten Forschungsbereichen, mit Kolleg*innen aus Bibliotheken, Politik, Branche und Verwaltung. Beständiger Austausch – auch mit Ihnen – ist der Kern unseres Tuns.

Open Access

Zwischen den Stühlen sitze ich bei meiner Haltung zu Open Access: Einerseits ist es natürlich großartig, wenn wissenschaftliches, qualitätsgeprüftes Wissen für alle kostenlos und ohne jede Hürde online verfügbar ist. Andererseits ist diese märchenhafte Vorstellung naiv und zu kurz gesprungen: Es sind viele Probleme damit verknüpft, viele Fragen unbeantwortet. In meinen Blogbeiträgen gehe ich darauf ein.

Meine Kritik an der allgemeinen Open-Access-Euphorie wird mir von den Befürworter*innen übel genommen. Gleichzeitig stoße ich bei Open-Access-Kritiker*innen zum Teil selbst auf heftige Kritik, weil ich mich dafür engagiere, in unseren Fachwissenschaften mit anderen Playern gemeinsame Rahmenbedingungen zu schaffen und einheitliche Standards durchzusetzen. Und natürlich können Sie bei uns Open Access publizieren – und zwar schon seit Verlagsgründung 2004.

Wichtig ist mir, Ambiguitätstoleranz von meinen Diskussionspartner*innen einzufordern: Lassen Sie uns darum ringen, vernünftige und gangbare Wege zu finden! Open Access ist in vielen Aspekten eine großartige Idee. Doch habe zumindest ich den Stein der Weisen noch nicht gefunden. Lassen Sie uns gemeinsam weiter danach suchen! Und wenn Sie ihn schon haben: Teilen Sie!

Team

2019 war ein Jahr voller Bewegung im Team.

Unsere langjährige Wegbegleiterin Edelgard Dietrich mussten wir in den Ruhestand verabschieden. Nach über zehn gemeinsamen Jahren intensiver Zusammenarbeit war dies nicht einfach. Doch wie so viele unserer „Alumni“ treffen wir auch sie zu unseren internen Festen und gemeinsamen Feiern wieder. Und sie hilft uns, wenn sie uns gar zu sehr fehlt!

Zwei Mitarbeiter*innen gaben aus völlig unterschiedlichen Gründen 2019 nur kurze Gastspiele in unserem Haus.

Bürohündin Bonnie nimmt seit Juni einen gemütlichen Platz unter dem Schreibtisch ein.

Seit August haben wir unsere erste Auszubildende im Team: Melena Barwitzky hat zum 1.8.2019 den Ausbildungsvertrag bei uns unterschrieben: Wir kennen uns schon seit vielen Jahren, da sie während ihrer Schulzeit schon mit angepackt hat. Eine weitere erfahrene und kompetente Hand mit Schwerpunkt Vertrieb und Verwaltung: Wir freuen uns!

Im November und Dezember haben schließlich zwei Volontärinnen in Lektorat und Herstellung die Arbeit aufgenommen: Mit Franziska Deller und Vivian Sper haben wir zwei Glücksgriffe getan und zwei weitere wunderbare junge Frauen im Team, die vom ersten Tag an bewiesen haben, dass sie auch in kaltem Wasser schwimmen können.

Was für ein Jahr für unser kleines Team!

Persönlich

Mich hat dieses Jahr am meisten die Krise der Welt, wie wir sie kennen, beschäftigt. Die Verrohung des politischen und gesellschaftlichen Raums, die Zerstörung unserer Umwelt und der anthropogene Klimawandel – all diese Dinge lassen mich nachts darüber grübeln, wie wir die Welt wieder auf eine gute Bahn bekommen können. Mir ist klar geworden, dass ich die Welt nicht allein retten kann. Sie müssen mitmachen!

Mir ist es völlig wurscht, wie hoch der Prozentsatz der deutschen CO2-Emissionen an den weltweiten Emissionen ist: Wir müssen einen Weg finden, CO2 zu binden! Wir können Bäume pflanzen, Gebäude dämmen und erneuerbare Energien erschließen. Doch reicht das nicht: Umdenken heißt auch, Probleme neu zu definieren. Das Tempo, in dem wir seit der Industrialisierung CO2 in die Atmosphäre geblasen haben, zwingt uns dazu, diesen Trend umzukehren – negative CO2-Einträge. Ähnliche Strategien und Denkansätze brauchen wir mit Blick auf Flächenverbrauch, Umweltgifte und Energie und so weiter.

Zudem brauchen wir mehr Menschen, die es nicht länger ertragen, wie im öffentlichen Raum gelogen, betrogen und unehrenhaft agiert wird. Meinetwegen haben die rechten Populist*innen damit begonnen. Es gibt aber keinen Grund, diese Art des Umgangs miteinander zur Normalität werden zu lassen. Wenn ich in den Sozialen Medien davon lese, dass AfD-Wähler*innen sich auf „soziale Ächtung“ einzustellen haben, kann ich das nicht akzeptieren. Genauso wenig wie einen selbstverordneten Maulkorb: Mir wurde nahegelegt, mich mit Kritik an der EU, der Regierung oder Open Access zurückzuhalten, weil ich mich sonst mit den falschen Leuten gemein mache.

Demokratie ist streitbar. Das bedeutet, dass wir uns immer mit unterschiedlichen Meinungen und Standpunkten auseinandersetzen dürfen: Das ist ein Privileg! Lassen Sie uns gemeinsam dafür streiten!

Ich wünsche uns allen ein konstruktives, mutiges und friedliches Neues Jahr!

Deine und Ihre
Barbara Budrich

 

© Pixabay 2019 / Foto: congerdesign; Titelbild gestaltet mit canva.com