Jahresrückblick 2018 – Was Verlage tun

Weihnachtsgeschenke und Weihnachtskarte mit allen guten Wünschen für die Weihnachtszeit und das Neue Jahr

Was macht eigentlich ein Verlag? Für uns im Hause Budrich vielleicht eine triviale Frage, da wir im Alltag das tun, was ein guter Verlag halt so tut: Konzepte für Publikationen „erfinden“ und Autor*innen dafür gewinnen; Projektangebote beurteilen, annehmen, ablehnen, überarbeiten (lassen); Kontakte pflegen; beständigen Austausch suchen; Qualitätskontrolle; die Herstellung betreuen, begleiten, überwachen; Publikationen bekannt machen, vertreiben, verwalten; werben, vermarkten, anbieten; Autor*innen beraten, begleiten und gemeinsam die besten Wege suchen und finden; neue Trends erkennen und Traditionen pflegen; Rechte beachten, Gesetze befolgen, Steuern zahlen.

All das und noch viel mehr haben mein großartiges, wachsendes Team und ich auch 2018 wieder betrieben. In Deutschland, in Europa, in Nordamerika und darüber hinaus. Mit Engagement und Freude für unsere Wissenschaften und – vor allem – für unsere Wissenschaftler*innen. Für gedruckte und digitale Publikationen, mit Ladenpreisen und im Open Access.

Ich möchte Ihnen danken für Ihren Anteil an unseren Erfolgen in diesem Jahr! Wir freuen uns auf die Fortführung 2019!

Alles, alles Gute wünscht

Ihre Barbara Budrich

PS. Das war die Kurzfassung. Für die Langfassung können Sie einfach weiterlesen.


Mehr Sichtbarkeit für unsere Autor*innen, Themen und Bücher

Eines der Hauptthemen dieses Jahres für uns war es, unseren Autor*innen, den Themen und Publikationen mehr Sichtbarkeit zu erarbeiten. Dies ist der Bereich, den wir neben den üblichen Branchenaufgaben als unsere zentrale Aufgabe und Stärke sehen.

Dabei gilt es – abhängig von Thema und Publikation – unterschiedliche Kanäle zu nutzen und verschiedene Öffentlichkeiten zu informieren. Es gab Auszeichnungen für unsere Autor*innen, Interviews – auch auf unserem Blog –, viele Bewertungen z.B. auf unserem Shop und natürlich zahlreiche Rezensionen.

Das Jubiläum der UN-Charta für Menschenrechte, die am 10.12.2018 70 Jahre alt wurde, war Anlass für eine Kampagne der Frankfurter Buchmesse und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „On the same page“ soll auch die bedeutende Rolle der Medienschaffenden mit Blick auf Menschenrechte in den Vordergrund rücken. Wir haben die Kampagne mit einer Auswahl an Titeln aus unserem Programm flankiert.

Leider hat die Unsicherheit rund um die aktuelle Datenschutz-Regelung der DSGVO uns dazu bewogen, unsere Facebook-Fanpage abzuschalten. Sie können sich vorstellen, dass ich kein Fan der großen Internetkonzerne bin – und doch ist es schade, dass wir diesen Kommunikationskanal aus Gründen des Datenschutzes schließen mussten.

Des ungeachtet: Um unsere Autor*innen mit ihren Themen und Publikationen ab 2019 noch besser auf dem Weg in die Öffentlichkeit zu begleiten, unterstützt seit Dezember Daniela Witzki unser Marketing-Team. Es bleiben schließlich noch ausreichend viele Kanäle, die bespielt werden möchten, und da war es höchste Zeit, dass uns jemand mit Erfahrung und Engagement noch weiter nach vorne bringt.

Open Access

Ein weiteres zentrales Thema des vergangenen Jahres, das uns auch 2019 beschäftigen wird, ist Open Access.

Bei uns gibt es bereits seit Gründung Publikationen im Open Access. Für 2017 haben wir einen Überblick über unsere Goldenen, Grünen und Hybriden Open Access-Publikationen geliefert. Und veröffentlichen nun monatlich Informationen über Werke, die neu im Open Access verfügbar sind.

Gemeinsam mit anderen Verlagen kooperieren wir mit der Universität Duisburg-Essen im Rahmen des BMBF-Projekts OGeSoMo. Ziel ist es, mehr über Open Access-Monografien im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften zu lernen.

Zudem haben wir uns dazu entschlossen, mit Knowledge Unlatched zu kooperieren. Ursprünglich von der britischen Verlegerin Frances Pinter ins Leben gerufen, ist diese Organisation mittlerweile ein deutsches Unternehmen geworden – die Zielsetzung: über eine Art Bibliotheksauktion werden die Gebühren aufgebracht, um ausgewählte Titel in den Open Access zu überführen.

Wir haben auf dem Blog Beiträge zum Open Access-Grundwissen zusammengetragen, zur Unterscheidung von Pre-Print und Post-Print und – fürs Publizieren allgemein – Wissen zur Autor*innen ORCID. Wir lernen täglich dazu und halten auch Sie auf dem Laufenden!

DEAL

Im Zusammenhang mit den DEAL-Verhandlungen mit den drei internationalen Großkonzernen gibt es vielleicht überzogene Vorstellungen, was Open Access bewirken kann: Die Großen würden bei erfolgreich verlaufenden Verhandlungen aus einer – sagen wir – „staatlichen“ Hand viel, viel Geld dafür erhalten, dass Wissenschaftler*innen und Studierende auf deren digitale Verlagspublikationen zugreifen dürfen. Zugleich dürften alle Autor*innen aus den Institutionen ohne weitere Gebühren zu entrichten, bei diesen Verlagen im Open Access veröffentlichen. Das klingt natürlich wie im Märchen. Jedenfalls für die internationalen Großkonzerne und die Autor*innen aus den jeweiligen Einrichtungen.

Für alle anderen – Verlage wie Autor*innen und zwar national wie international – klingt dies wie staatlich verordnete Konzentration im Verlagsbereich kombiniert mit Exklusionsprozessen für all jene Wissenschaftler*innen aus weniger begünstigten Institutionen.

Im Augenblick kann leicht der Eindruck entstehen, die Großkonzerne nähmen die Wissenschaften als Geisel, um möglichst viel Geld für den eigenen Profit zu erpressen. Umsatzrenditen von über 30% weisen diese internationalen Großunternehmen aus. Dass die wissenschaftlichen Einrichtungen die Nase voll davon haben, ist leicht nachvollziehbar. Ob DEAL hier wirklich die beste aller Lösungen ist, bleibt abzuwarten.

Veranstaltungen

Alle sechs Jahre treffen alle Veranstaltungen zusammen, die jährlich, alle zwei bzw. alle drei Jahre stattfinden. Und 2018 war ein solches Jahr.

Meinem Team und mir bescherte dies schier endlose Reisezeiten, teils – wie im vergangenen September – mit Veranstaltungsmarathons, die in ungnädigen Parallelitäten endeten. Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie lief zeitgleich zum Kongress der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft.

Mein persönliches Reise-Highlight war der Weltkongress der International Political Science Association in Brisbane. Denn das bedeutete meinen ersten Australienbesuch nach über 30 (!) Jahren. Und ja, es war großartig! Das Land – und vor allem das Wiedersehen mit alten Freund*innen!

Nach der Frankfurter Buchmesse im Oktober begann schließlich meine Serie an Workshops zum wissenschaftlichen Schreiben und Publizieren auf Deutsch und Englisch im Rahmen von budrich training. Die Begegnungen mit jungen Wissenschaftler*innen, der Erfahrungsaustausch und die Möglichkeit, Stärken zu sehen und von Nöten zu hören: Ich freue mich immer wieder, zu Diensten zu sein, mein Wissen weitergeben zu dürfen!

Das Team

Im Januar 2018 kam nach einigen Jahren Pause Maria Sellner wieder zurück in unser Team. Auch wenn sich seit ihrem letzten Abschied Einiges verändert hatte, war sie im Nu wieder drin – in der Arbeit mit unseren eJournals und ebooks und im Team. Seit Mai verstärkt Thea Blinkert unser Lektorat als Volontärin und, wie schon erwähnt, ist seit Anfang Dezember Daniela Witzki im Marketing als erfahrene Frau im Sattel.

Wir sind ein kleines, engagiertes Team zwischen gerade mal 18 Jahren und Rentenalter. Gemeinsam sind wir kaum aufzuhalten!

Engagement für unsere Wissenschaften und unsere Branche

Das Urheber-Wissensgesellschaftsgesetz

Am 1. März 2018 trat das Urheber-Wissensgesellschaftsgesetz (UrhWissG) in Kraft. Dieses Gesetz bildet nunmehr die gesetzliche Grundlage dafür, dass wissenschaftliche Einrichtungen all unsere Verlagspublikationen – innerhalb großzügiger Grenzen – nutzen dürfen, ohne dass die Autor*innen der Werke angemessen und Verlage regulär überhaupt entschädigt würden. Die Einrichtungen zahlen eine pauschale Gebühr an die VG Wort. Die VG Wort schüttet nur noch unter bestimmten Umständen an Verlage aus.

Ich hatte mich intensiv gegen die Verabschiedung dieses Gesetzes gewandt. Wie viele Autor*innen und Verlage auch. Leider vergebens.

Allerdings zeigt der Begleittext zum Gesetz einen Hoffnungsschimmer: Die „Stakeholder“ mögen sich in einem „Dialog“ über die Möglichkeiten einer Lizenzierungsplattform austauschen. Im September begann dieser Dialog mit einem Auftakttreffen in Bielefeld unter der Federführung des Bundesjustiziministeriums. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Verleger-Ausschuss sowie Urheber- und Verlagsrechts-Ausschuss

Seit März bin ich Mitglied im Verleger-Ausschuss (VA) des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (im Juni wurde ich für die nächste Periode erneut gewählt). Möglicherweise hat meine Stimme dadurch etwas mehr Gewicht. Die Bedeutung der Arbeit vor allem unabhängiger Verlage aufzuzeigen und mit unseren (Branchen)Partnern sowie mit der Politik die sich wandelnden Rollen zu diskutieren, ist mir ein besonderes Anliegen in diesem Kontext. Als VA-Abgesandte bin ich nun auch im Urheber- und Verlagsrechts-Ausschuss, was meine Position noch stärken könnte.

Schon jetzt ist klar, dass es im kommenden Jahr einige wichtige Termine geben wird. Ich freue mich darauf und hoffe, dieses Mal etwas im Sinne der gerechten Entlohnung unserer Autor*innen und der Verlage sowie mit Blick auf den Respekt des – menschenrechtlich verbrieften – Urheberrechts erreichen zu können.

Persönlicher Ausblick

Der Jahresabschluss wäre nichts ohne den noch kleinen Bruder, den Jahresanfang.

Wenn Sie mich kennen, dann wissen Sie vielleicht, dass ich manches Jahr behaupte „Mein Jahr ist jetzt schon so gut wie vorbei …“. Und das sage ich gern im August. Denn nach der Rückkehr aus einem Sommerurlaub beginnt im September die intensive Geschäftsreisezeit, die meist erst im Dezember endet. Wenige Tage vor Weihnachten. So war es auch 2018. Mit einem gravierenden Unterschied zu den vielen Vorjahren: mein traumhafter Juli in Australien.

Einen solchen Monat würde ich mir gern jedes Jahr gönnen. Ganz so wird es 2019 nicht gehen. Und ein bisschen beschleicht mich beim Blick auf meinen Kalender für 2019 der Verdacht, dass „mein Jahr jetzt schon so gut wie vorbei ist …“.

Aber ja, ich geb’s zu: Ich liebe es, das „Leben im Gewoge“. Und wenn Sie wissen möchten, wohin es mich jeweils aktuell treibt, dann schauen Sie doch auf meiner persönlichen Webseite vorbei: Dort scheinen meine öffentlichen Termine zeitnah auf.

Das Wichtigste an diesen vielen Terminen ist mir der Austausch. Der Austausch mit Ihnen! Mich interessiert, was Sie denken, was Sie bewegt. Unterschiedliche Perspektiven zwingen mich (und Sie) zur Beweglichkeit und zum (gemeinsamen) Lernen: Was könnte es Schöneres geben?

Ich mag die intellektuellen Auseinandersetzungen; mich reizen widerstreitende Interessen und die Herausforderung, daraus lebensfähige Kompromisse zu entwickeln, die nicht faul sind sondern win-win. Nein, das gelingt nicht immer. Wie auch. Aber es gelingt häufiger, als weithin angenommen wird. Lassen Sie uns die Quadratur der Kreise angehen. Dann wird auch 2019 ein gutes Jahr!

Ich freu mich darauf, weiterhin zu tun, was Verlage tun, und auf die Begegnung mit Ihnen!

Ihre

Barbara Budrich

 

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